EDITORIAL

Notizzettel zur Ausgabe 37/2016: Wie doof sind Anleger?

Notizzettel zur Ausgabe 37/2016: Wie doof sind Anleger?
14.09.2016 12:40:00

Herausgeber Frank-B. Werner über die Bevormundung des angeblich mündigen Anlegers, den Widerspruch zwischen Rendite und Sparbuch und über das sinkende Vertrauen und steigende staatliche Eingriffe.

von Herausgeber Frank-B. Werner

Eine lebhafte Diskussion gab es am Montag im Rahmen des Deutschen Derivate Tags zum Thema "Wie viel Verbraucherschutz verträgt der Anleger?". Provokanter hätte die Frage gelautet: Für wie doof halten Sie den Anleger eigentlich? Bemerkenswert: Trotz des angestrebten Verbots der Bonitätsanleihen sah der Vertreter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht keinen Widerspruch zu seiner Feststellung, dass nach wie vor das Leitbild des mündigen Verbrauchers gelte. Vorhersehbar unterschiedliche Auffassungen hatten die Sprecher der einschlägigen Sparkassen- und Bankenverbände und die Leiterin des Teams Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Doreothea Mohn. Sie machte sich einmal mehr dafür stark, dass Zertifikate nur an Selbstentscheider verkauft werden sollten. Warum Anleger, die sich beraten lassen, von ihrer durchaus zutreffenden Feststellung "Wer Rendite will, muss Risiko nehmen" ausgeschlossen werden sollen, wird ihr Geheimnis bleiben.

Dass das Thema Rendite immer wichtiger wird, hat nun auch eine in der "Bild"-Zeitung veröffentlichte Umfrage gezeigt. Zwar besitzen 32 Prozent der Befragten ein Sparbuch, 51 Prozent sagten indes: "Lohnt sich nicht mehr."

Mitte September ballen sich die traurigen Gedenktage. Am Sonntag wurde in New York sehr eindrücklich des 15. Jahrestags der Flugzeuganschläge auf das World Trade Center und das Pentagon gedacht. Die Terroristen haben tatsächlich erreicht, dass sich unser Gefühl für Sicherheit und Bedrohung komplett gewandelt hat und sehr viele Bürger bereit sind, dem Staat im Kampf gegen den Terror viele Eingriffe in die Privatsphäre zu erlauben. Am 15. September jährt sich zum achten Mal der Tag, an dem die Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmeldete. Weil keine Bank mehr der anderen traute, fror auf der ganzen Welt der Geldmarkt ein, die Folge war die heftigste Rezession seit den 1930er-Jahren. Seitdem mischt auch hier der Staat mit.


Bildquelle: Wolfgang Kriegbaum/Finanzen Verlag
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