Anleger, die erst kürzlich in die Krisenwährung Gold eingestiegen sind, dürften nach dem Preissturz stark verunsichert sein: Das Edelmetall verlor in der Spitze fast 20 Prozent innerhalb von lediglich zwei Tagen. Diese Fakten sollten Anleger nun beachten.
Dass Gold im Jahr 2025 bleibt in Dollar gerechnet um 66 Prozent zulegen konnte - in Euro waren es 46 Prozent - war andere als erwartbar. Aus technischer Sicht führte der schnelle Anstieg zu einer überkauften Lage. Dass in den vergangenen Monaten das Risiko eines Rückschlags immer wahrscheinlicher geworden ist, ließ sich am CBOE-Gold-Volatilitätsindex besonders gut ablesen. Dieser hatte sich nämlich innerhalb von weniger als drei Monaten auf das Rekordhoch von 46 Prozent mehr als verdoppelt.
Eine technische Korrektur war deshalb zu erwarten. Doch was nun geschah, kann dennoch als „nicht-normale“ Entwicklung betrachtet werden. Wichtig aus Sicht der Anleger ist jedoch: Der Einbruch war zwar heftig und abrupt, das Jahresschlussniveau von 4315 Dollar Ende Dezember war dennoch zu keinem Zeitpunkt des Ausverkaufs in Reichweite. Und das ist ein gutes Zeichen.
Analysten von JPMorgan bleiben optimistisch
Trotz des Preisrückgangs bleibt die langfristige Investmentperspektive für Gold nach Einschätzung von der Großbank JPMorgan weiterhin intakt. In einer aktuellen Analyse erklärte die US-Bank, dass sie bis Ende 2026 einen Goldpreis von rund 6300 Dollar für realistisch hält. Getrieben werde diese Erwartung vor allem durch eine anhaltend starke Nachfrage seitens der Zentralbanken, die ihre Währungsreserven weiter diversifizieren, sowie durch ein robustes Interesse von Investoren, die Gold nach wie vor als sicheren Hafen und Absicherung gegen geopolitische und wirtschaftliche Risiken betrachten.
Kurzfristig habe allerdings ein erhöhter Verkaufsdruck eingesetzt, unter anderem, weil Terminbörsen wie die CME Group ihre Margin-Anforderungen für Edelmetall-Futures angehoben hätten. Dadurch seien spekulative Positionen teurer geworden, was einige Marktteilnehmer zu Gewinnmitnahmen oder zum Abbau ihrer Positionen veranlasst habe. Dennoch sieht JPMorgan diese Entwicklung als vorübergehend und nicht als Bruch der langfristigen Aufwärtstendenz.
Kein Nachfrageeinbruch beim weltgrößten Gold-ETF
Auch die Analysten der Deutschen Bank bekräftigten ihre bisherige Prognose von 6000 Dollar für dieses Jahr und verwiesen ebenfalls auf die anhaltend starke Investorennachfrage. Aktuelle Daten des weltgrößten Gold-ETFs SPDR Gold Shares bestätigen dies. Während nämlich der Goldpreis regelrecht abstürzte, reduzierte sich dessen gehaltene Goldmenge lediglich von 1089,96 auf 1087,1 Tonnen (minus 0,3 Prozent). Wie stark die Verkaufswelle an den US-Terminmärkten ausgefallen war, dürfte der nächste Commitments-of-Trader-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC zeigen. Dieser steht am Freitagabend (21.30 Uhr) zur Bekanntgabe an und liefert ein Stimmungsbild inklusive der Positionen am heutigen Dienstag.
In einem Artikel der Nachrichtenagentur Bloomberg wird zudem darauf hingewiesen, dass sich etwa in Singapur am Montag weiterhin Menschen angestellt haben, um Gold zu kaufen. Dies zeige die außergewöhnliche Widerstandskraft der privaten Goldnachfrage. Viele Privatanleger scheinen den Preisrückgang nun zum Nachkaufen zu nutzen, statt zu verkaufen.
Fazit: An den Haupttreibern des Goldanstiegs der vergangenen Jahre hat sich nichts wesentlich verändert. Ein positiver Begleitumstand ist mittlerweile allerdings weggefallen: Aktuell übertrifft der CBOE-Gold-Volatilitätsindex sowohl sein Pendant auf den S&P-500-Index (VIX) als auch den VDAX. In den Jahren 2023 und 2024 bewegten sie sich häufig auf ähnlich hohem Niveau.
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