Der am Freitagabend veröffentlichte Commitments-of-Traders-Report (CoT) der US-Aufsichtsbehörde CFTC war an den Märkten wegen der Ende Dezember beschlossenen massiven Margin-Erhöhungen mit Spannung erwartet worden.

Diese fielen bei Gold- und Silber-Futures besonders hoch aus, was in der Vergangenheit von erheblichen Auswirkungen auf die Positionen der spekulativen Marktteilnehmer und die Preise der Futures begleitet worden war. Höhere Margins (Sicherheitsleistungen) verteuern nämlich den Einsatz der kreditfinanzierten Wetten und zwingen vor allem kurzfristig orientierte Trader häufig dazu, Positionen zu reduzieren oder ganz zu schließen.

Wichtiger Indikator für Investoren

Der CoT-Report gilt als ein außerordentlich wichtiges Transparenzinstrument an den Edelmetallmärkten. Er zeigt wöchentlich, wie verschiedene Marktgruppen – insbesondere Commercials (Produzenten, Verarbeiter) sowie große Terminspekulanten (Non-Commercials) und kleine Terminspekulanten (Non-Reportables) – in Futures und Optionen positioniert sind. Gerade bei Edelmetallen liefert der Bericht wertvolle Hinweise darauf, ob Preistrends eher von spekulativen Übertreibungen oder von fundamentaler Absicherung getrieben werden.

Nach starken Kursbewegungen und rekordhohen Preisen bei Gold und Silber standen die Märkte zuletzt ohnehin unter erhöhter Beobachtung. Die zusätzlichen Margin-Anpassungen der Comex verstärkten die Unsicherheit, ob es zu größeren Positionsbereinigungen kommen könnte. Entsprechend groß war das Interesse daran, ob spekulative Long-Positionen mittlerweile abgebaut wurden oder ob sich die Marktteilnehmer weiterhin stark positioniert zeigen.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

CFTC verursacht keine Verkaufswelle

Die am Freitagabend veröffentlichten Daten der CFTC stellten eine große Überraschung dar, weil die massiven Margin-Erhöhungen im Grunde genommen wirkungslos verpufft sind. Ablesen kann man dies an der Zahl offener Kontrakte, dem sogenannten Open Interest. Mit Stand 6. Januar bewegt sich die Zahl offener Gold-Futures mit 488.100 Kontrakten aktuell lediglich 0,8 Prozent unter dem Niveau vor Bekanntgabe der Margin-Maßnahmen. Bei Silber-Futures fiel der Rückgang mit 1,6 Prozent auf 153.200 Futures auch nicht sonderlich heftig aus, schließlich waren 2025 bei Gold in der Spitze Einbrüche innerhalb einer Woche von über 10 Prozent (8. April) registriert worden. Bei Silber stellte sich am 4. März sogar ein Wochenminus von fast 11 Prozent ein.

Die jüngste Entwicklung bei Gold- und Silber-Futures lässt daher nur einen Schluss zu: Der von der Terminbörse Comex geplante „Aderlass“ zum Eindämmen der spekulativen Kräfte und zur Beruhigung des Silberpreises ist krachend gescheitert. Der Optimismus der spekulativen Marktakteure – ablesbar an ihrer rückläufigen Netto-Long-Position – hat im Zuge der neuen Margin-Regeln zwar nachgelassen, das Ausmaß kann aber als ganz normales Marktrauschen interpretiert werden. Für Anleger bieten sich zwei Schlussfolgerungen an. Erstens: Der Einfluss der Terminmärkte auf den Preis von Gold und Silber scheint nachzulassen. Zweitens: Aufgrund der besonnenen Reaktion an den Terminmärkten kann man beiden Edelmetallen ein hohes Maß an relativer Stärke attestieren.

Fazit: Auf lange Sicht dürfte daher eine Fortsetzung des Aufwärtstrends wahrscheinlicher als ein Trendwechsel nach unten sein.

Silber (WKN: 965310)

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