Eine Feinunze Gold kostet mit fast 5.200 Dollar 76 Prozent mehr als vor einem Jahr und hat auf Sicht von drei Jahren sogar um 186 Prozent zugelegt. Viele Anleger fragen sich daher, ob Gold inzwischen zu teuer geworden ist, um das eigene Depot abzusichern?

Die Antwort lautet: nicht unbedingt. Doch wer sein Portfolio gegen Inflation, Währungsrisiken oder Turbulenzen an den Aktienmärkten schützen möchte, kann auch auf günstigere Alternativen ausweichen.

Warum sich Gold als Krisenschutz bewährt

Gold gilt seit Jahrhunderten als klassischer Krisenschutz. Es wird von Zentralbanken gekauft oder zumindest gehalten, dient als Wertaufbewahrungsmittel und entwickelt sich häufig stabil, wenn Aktienmärkte unter Druck geraten. Der starke Preisanstieg hat jedoch dazu geführt, dass der Einstieg für Privatanleger deutlich kostspieliger geworden ist. Eine einzige Unze Gold kostet inzwischen mehr als viele Haushalte als finanzielle Reserve zurückgelegt haben. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Bedarf nach einem Sachwert-Hedge verschwunden ist – vielmehr lohnt sich ein Blick auf alternative Strategien.

Eine der naheliegendsten Alternativen ist Silber. Das Edelmetall erfüllt eine ähnliche Rolle wie Gold und wird ebenfalls als Absicherung gegen Inflation oder wirtschaftliche Unsicherheit genutzt. Gleichzeitig besitzt Silber eine zweite wichtige Funktion: Rund die Hälfte der Nachfrage stammt aus industriellen Anwendungen, etwa aus der Solarindustrie, der Elektronik, dem Medizinbereich oder der Elektromobilität. Dadurch reagiert der Preis stärker auf Konjunkturzyklen als Gold. In Wachstumsphasen kann diese zusätzliche Nachfrage die Kurse deutlich antreiben, während sie in wirtschaftlichen Schwächephasen wieder nachlässt. Silber ist daher deutlich volatiler – bietet langfristig aber ebenfalls Schutz.

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Potenzielle Alternativen zu Gold

Eine weitere Möglichkeit sind Aktien von Goldminenunternehmen. Wer in Minenbetreiber investiert, partizipiert indirekt am Goldpreis. Steigt das Edelmetall, können die Gewinne vieler Minengesellschaften überproportional wachsen, weil ein großer Teil der Förderkosten relativ stabil bleibt. Diese Hebelwirkung kann in starken Goldphasen attraktive Renditen ermöglichen. Allerdings handelt es sich weiterhin um Aktien – mit unternehmerischen Risiken wie Managementfehlern, Produktionsproblemen, Naturkatastrophen, Streiks oder politischen Unsicherheiten in Förderländern. Zudem fallen Minenwerte in breiten Börsenkorrekturen häufig gemeinsam mit anderen Aktien.

Für Anleger, die den Goldpreis möglichst direkt abbilden möchten, bieten sich indes Gold-ETCs an. Diese börsengehandelten Wertpapiere bilden den Spotpreis des Edelmetalls nach und lassen sich wie eine Aktie handeln. Im Vergleich zum physischen Kauf entfallen Lager- und Versicherungskosten. Gleichzeitig sind sie sehr liquide und ermöglichen einen einfachen Zugang zum Goldmarkt. Allerdings besitzen Investoren bei ETCs keinen physischen Barren, sondern lediglich einen Anspruch auf Goldbestände, die von der Fondsgesellschaft verwahrt werden (-> Kontrahentenrisiko).

Auch andere Edelmetalle können das Depot stabilisieren. Platin und Palladium werden vor allem in der Industrie verwendet, etwa in Fahrzeugkatalysatoren. Ihre Preise hängen daher stärker von Angebot und Nachfrage der Industrie ab als von der Stimmung der Investoren. Gerade diese unterschiedlichen Einflussfaktoren können für zusätzliche Diversifikation sorgen, da sich ihre Kursbewegungen nicht immer parallel zu Gold entwickeln und deren Märkte als relativ illiquide gelten.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Breit gestreut in Sachwerte investieren

Eine weitere Option sind breit gestreute Rohstofffonds oder Commodity-ETFs. Sie investieren gleichzeitig in Energie, Metalle und Agrarrohstoffe. Rohstoffe entwickeln sich häufig positiv in Phasen steigender Inflation und können deshalb ebenfalls zur Stabilisierung eines Portfolios beitragen. Der Nachteil liegt darin, dass die spezifische Rolle von Gold als Wertspeicher in solchen Fonds verwässert wird und diese Papiere häufig Futures enthalten (-> Kontrahentenrisiko, Rollverluste bei Kontraktwechsel üblich).

Fazit: Welche Absicherungsstrategie sinnvoll ist, hängt letztlich vom Ziel des Anlegers ab. Wer vor allem Inflationsschutz sucht, findet in Gold (Goldbarren, Goldmünzen bzw. physisch hinterlegten ETCs) sowie Rohstofffonds eine effiziente Lösung. Wer auf stärkere Kurschancen setzt und höhere Schwankungen akzeptiert, kann Silber oder Minenaktien beimischen. Wichtig zu wissen: Keine dieser Alternativen ersetzt Gold vollständig. Das Edelmetall besitzt in physischer Form eine jahrtausendealte Tradition als Wertaufbewahrungsmittel, die andere Anlageformen nicht vollständig nachbilden können.

Neben Rohstoffen können auch andere Anlagekonzepte zur Stabilisierung eines Depots beitragen. Ein Beispiel ist der Stabile Werte Index von BÖRSE ONLINE (ISIN: DE000SL0FFQ8), der gezielt auf defensive Qualitätsaktien setzt und damit eine alternative Strategie zur langfristigen Vermögenssicherung bietet.

Häufige Fragen zu Gold

Was sind die größten Vorteile von Gold?

In physischer Form besitzt Gold kein Kontrahentenrisiko und gilt seit Generationen als wirksamer Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz. Im Gegensatz zu den beiden wichtigsten Anlageklassen Aktien und Anleihen kann man mit Goldmünzen und -barren sowie bestimmten Gold-ETCs nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfreie Kursgewinne realisieren.

Und was spricht möglicherweise gegen Gold?

Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden und kann lediglich durch eine wachsende Wertschätzung Renditen erzielen. Außerdem fallen bei sicherer Verwahrung von physischem Gold Lagerkosten an.

Sind bei allen in Deutschland handelbaren Gold-ETCs realisierte Kursgewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei?

Nur, wenn deren Konstruktion ein physisches Hinterlegen des Goldes vorsieht und ein Lieferanspruch besteht. Vor dem Kauf unbedingt beim Emittenten des Papiers informieren.

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