Auch das allgemeine Interesse an Gold-Futures hat sich im Berichtszeitraum deutlich erhöht. So kletterte die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) innerhalb einer Woche von 481.500 auf 496.700 Futures (+3,2 Prozent). Außerdem hat sich zum zweiten Mal in Folge die kumulierte Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten in deutlich höhere Regionen bewegt. Auf Wochensicht war hier ein markanter Zuwachs von 172.600 auf 202.000 Kontrakte (+17,1 Prozent) registriert worden, der höchste Wert seit über 14 Monaten. Eine besonders starke Kaufwelle war unter großen Terminspekulanten (Non-Commercials) zu beobachten, deren Long-Seite sich um 9.600 Futures erhöht hat, während das Short-Exposure einen Rückgang um 18.500 Kontrakte verbuchte. Bei der Netto-Long-Position schlug sich dies in einem kräftigen Anstieg von 156.100 auf 184.200 Futures (+18,0 Prozent) nieder.

Kleine Terminspekulanten (Non-Reportables) blicken mittlerweile wieder optimistischer drein, weil sie ihre Short-Seite deutlich stärker als ihr Long-Engagement reduziert hatten. Dadurch hat sich deren Netto-Long-Position von 16.500 auf 17.800 Kontrakte (+7,9 Prozent) erhöht. Die Eskalation im Golf von Oman sorgte in der vergangenen Woche für zusätzliches Interesse am Krisenschutz Gold. Rückenwind kommt derzeit aber auch von fundamentaler Seite. Die Gefahr einer US-Rezession ist mittlerweile deutlich gestiegen. Die US-Notenbank Fed dürfte darauf wie gewohnt reagieren - nämlich mit Zinssenkungen. Diese könnten dann zu einer markanten Dollarschwäche führen. Beides gilt normalerweise als vorteilhaft für Gold.

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Charttechnische Hochspannung


Aus charttechnischer Sicht steigt die Spannung. Sollte nämlich die im Bereich von 1.340 bis 1.360 Dollar angesiedelte Widerstandszone signifikant überschritten werden, könnten chartinduzierte Käufe zu einem neuen Fünfjahreshoch führen. Zur Erinnerung: Mitte 2016 kostete die Feinunze Gold kurzzeitig mehr als 1.364 Dollar. In den vergangenen drei Jahren erwiesen sich diese Widerstände für das gelbe Edelmetall aber mehrfach als zu stark. Seit Ende Mai hat sich der Goldpreis in der Spitze um mehr als 70 Dollar verteuert. Dadurch kletterte der Timingindikator Relative-Stärke-Index in die überkaufte Zone, wodurch sich das Risiko einer technischen Korrektur deutlich erhöht hat. Grund zu Optimismus liefert allerdings der Blick auf die langfristige 200-Tage-Linie. Diese vollzieht derzeit nämlich einen "sauberen Trendwechsel" nach oben. Ob aus dem mehrjährigen Seitwärtstrend aber tatsächlich ein nachhaltiger Aufwärtstrend wird, bleibt abzuwarten. Mit einem Anstieg über 1.400 Dollar wäre ein eindrucksvolles Trendwechselsignal gelungen.

Ein besonders interessantes Kaufargument stellt derzeit die niedrige Volatilität des Goldpreises dar. Auf Basis der vergangenen 250 Tage beläuft sich die Kursschwankungsintensität (kurz: Vola) von lediglich 8,2 Prozent ein, während beispielsweise der DAX auf einen Wert von über 15 Prozent kommt. Diese Risikokennzahl bringt zum Ausdruck, dass ein Investment in 30 deutsche Blue Chips mit einem höheren Risiko verbunden ist als der Kauf von Gold. Das heißt: Trotz einer Diversifikation auf 30 Aktien, was normalerweise mit einer Risikoreduktion einhergeht, müssen Aktieninvestoren über stärkere Nerven verfügen als Goldkäufer. Wer in unsicheren Zeiten nach einem soliden Vermögensschutz sucht, dürfte daher beim gelben Edelmetall fündig werden, wenngleich die Gewinnrenditen mit denen der Aktien in den vergangenen Jahren eher nicht mithalten konnten. Aber so ist es nun mal mit der Volatilität: Je höher sie ausfällt, desto höher sind nicht nur die Risiken, sondern auch die Gewinnchancen.