EDELMETALL-REPORT

Goldpreis: Markante Gewinnmitnahmen unter den Profis

Goldpreis: Markante Gewinnmitnahmen unter den Profis
19.09.2019 05:30:00

Der am Freitagabend veröffentlichte Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC war von markanten Gewinnmitnahmen unter großen und kleinen Terminspekulanten gekennzeichnet. Von Jörg Bernhard

Bergab ging es auch mit dem allgemeinen Interesse an Gold-Futures. Hier war der stärkste Rückgang seit sechs Wochen verzeichnet worden. In der Woche zum 10. September hat sich nämlich die Anzahl offener Kontrakte - der sogenannte Open Interest - von 634.400 auf 614.800 Kontrakte (-3,1 Prozent) reduziert. Einen markanten Rückschlag im fast zweistelligen Prozentbereich gab es hingegen bei der kumulierten Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten zu beobachten. Weil sowohl große als auch kleine Terminspekulanten skeptischer geworden sind, reduzierte sich deren Netto-Long-Position auf Wochensicht von 337.700 auf 305.600 Kontrakte (-9,5 Prozent). Nun darf man gespannt sein, ob dies der Startschuss für eine erste nennenswerte Korrekturphase des Goldpreises sein wird. Bislang scheint der Aufwärtstrend lediglich ins Stocken geraten zu sein.

Besonders stark ausgeprägt war die Skepsis unter großen Terminspekulanten (Non-Commercials). Sie reduzierten innerhalb einer Woche ihre Long-Seite um über 31.000 Kontrakte erhöht und ließen zugleich ihr Short-Exposure nahezu unverändert. Nur zur Erinnerung: Da sich ein Future auf 100 Feinunzen Gold bezieht, entspricht diese Umschichtung einer papiermäßigen Verkaufsmenge von 96,4 Tonnen. Ihre Netto-Long-Position hat sich dadurch von 300.500 auf 269.700 Futures (-10,2 Prozent) signifikant reduziert. Auch Kleinspekulanten (Non-Reportables) wetteten verstärkt auf niedrigere Goldpreise. Deren Netto-Long-Position sank von 37.200 auf 35.900 Kontrakte (-3,5 Prozent).

Gold: Lockerungsmaßnahmen der EZB helfen nur kurz


Obwohl die geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der EZB im Wesentlichen erwartet worden waren, verhalfen sie dem Goldpreis zu einer temporär robusten Tendenz. Angesichts des von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent reduzierten EZB-Einlagenzinssatzes und den für November angekündigten Anleihekäufe im Volumen von 20 Milliarden Euro pro Monat scheint es um die Werthaltigkeit des Euros weiterhin eher schlecht bestellt zu sein, so dass ein Goldinvestment auf lange Sicht weiterhin Sinn machen dürfte. Nun richten sich die Blicke der Investoren wieder auf die US-Notenbank Fed, deren Statements am Mittwochabend verkündet werden. Auch jenseits des Atlantiks dürften sich die Geldschleusen weiter öffnen. Die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Zinssenkung um 25 Basispunkte ist relativ groß. Laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group liegt sie derzeit bei fast 80 Prozent.

Aus charttechnischer Sicht scheint der Goldpreis mit dem Rutsch unter die Marke von 1.500 Dollar erst einmal eine Atempause eingelegt zu haben. Obwohl sich das gelbe Edelmetall innerhalb weniger Monate um mehr als 20 Prozent verteuert hat, waren markante Rückschläge bislang aber stets von temporärer Natur. Gold will offensichtlich weiter nach oben. Vor acht Jahren setzte die Krisenwährung zu einer Talfahrt von 1.900 Dollar auf im Tief 1.052 Dollar (Dezember 2015) an. Mehr als die Hälfte dieses Kursverlustes wurde mittlerweile wieder aufgeholt.

Auf dem Weg in Richtung Rekordhoch warten allerdings noch einige charttechnische Hürden. Die erste ist im Bereich von 1.600 Dollar angesiedelt und bildete sich Mitte 2012 bzw. Anfang 2013 aus. Der nächste Härtetest würde dann bei 1.800 Dollar auftreten. Den Blick nach unten gerichtet, droht chartinduzierter Verkaufsdruck, falls die im Bereich von 1.400 Dollar angesiedelte Unterstützung nicht halten sollte. Hier legte der Vermögensschutz letztmals von Ende Juni bis Mitte Juli eine Atempause ein. Für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends spricht allerdings die dynamisch nach oben gedrehte 200-Tage-Linie. Grundsätzlich scheint die Stimmung an den Goldmärkten weiterhin im grünen Bereich zu sein.

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Bildquelle: Leonhard Foeger/Reuters

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