In der Woche zum 25. Januar hat sich aber auch das allgemeine Interesse an Gold-Futures verstärkt. So ging es zum Beispiel mit der Anzahl offener Kontrakte - dem sogenannten Open Interest - innerhalb einer Woche von 539.200 auf 572.100 Futures (+6,1 Prozent) kräftig nach oben. Eine starke Kauflaune gab es sowohl unter Großspekulanten (Non-Commercials) als auch unter Kleinspekulanten (Non-Reportables) zu beobachten. Bei der kumulierten Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) spekulativer Marktakteure stellte sich dadurch ein markanter Zuwachs von 221.100 auf 249.750 Kontrakte (+13,0 Prozent) ein.

Zu verdanken war dies vor allem dem kräftigen Aufstocken der Long-Seite um 22.900 Futures (Großspekulanten) bzw. 3.700 Kontrakte (Kleinspekulanten). Bei der Netto-Long-Position großer Terminspekulanten führte dies auf Wochensicht zu einem Anstieg von 194.200 auf 220.150 Futures (+13,4 Prozent). Unter den Kleinspekulanten (Non-Reportables) war bei dieser Kennzahl ein Wochenplus von 26.900 auf 29.600 Futures (+10,0 Prozent) registriert worden. Insgesamt sind die spekulativen Marktakteure per Saldo mittlerweile wieder optimistischer gestimmt als zum Jahreswechsel.

Im Januar häufen sich erfahrungsgemäß die Prognosen und Ausblicke für das neue Jahr. In der vergangenen Woche veröffentlichte zum Beispiel Heraeus Precious Metals seine Edelmetall-Kursprognosen für 2022. Das Unternehmen produziert unter anderem Edelmetallbarren und bietet zudem diverse Dienstleistungen rund um Edelmetalle an. Mit Blick auf das Euro/Dollar-Verhältnis gehen die Experten mittlerweile davon aus, dass die starke Entwicklung der US-Wirtschaft eingepreist und das Aufwärtspotenzial des Dollars somit begrenzt sei. Auf kurze Sicht könne der Greenback zwar noch etwas ansteigen, auf Jahressicht halten die Heraeus-Analysten jedoch eine Dollarschwäche für wahrscheinlich. Dies könnte aufgrund der negativen Korrelation beider Assets den Goldpreis verteuern.

Als potenzielle Kaufargumente gelten auch die anhaltenden Inflationssorgen sowie die geopolitischen Risiken - insbesondere in der Ostukraine. Des Weiteren könnte auch die Rückschlaggefahr an den Aktien- und Rentenmärkten zu einem verstärkten Goldinteresse führen. Außerdem überzeugt die altbewährte Krisenwährung derzeit durch ihre geringe Kursschwankungsintensität (Volatilität). Diese Eigenschaft steht einem "sicheren Hafen" verständlicherweise besonders gut zu Gesicht. Grundsätzlich gehen die Heraeus-Analysten davon aus, dass der Goldpreis im Jahr 2022 zwischen 1.700 und 2.120 Dollar schwanken wird.

Goldpreis auf Tuchfühlung mit 1.800-Dollar-Marke


In den vergangenen zwölf Monaten haben sich beim Goldpreis die Kursausschläge deutlich abgeschwächt, wodurch eine sogenannte Keilformation entstanden ist. Ein Ausbruch nach oben (unten) wäre als Kaufsignal (Verkaufssignal) zu interpretieren und träfe beim Überschreiten von 1.850 Dollar (Unterschreiten von 1.760 Dollar) ein. In der vergangenen Woche wurde mit dem Verletzen der langfristigen 200-Tage-Linie zwar ein Verkaufssignal ausgelöst, bislang blieb jedoch chartinduzierter Verkaufsdruck aus. Positiv anzumerken, ist der Umstand, dass die Durchschnittslinie seit November vergangenen Jahres eine leicht steigende Tendenz aufweist. In der Chartlehre wird dies als Trendfolgesignal interpretiert. Derzeit sieht es danach aus, dass der seit über einem Jahr zu beobachtende Seitwärtstrend erst einmal weiterhin Bestand haben wird.

Der Kursrutsch nach der jüngsten Fed-Sitzung wirkte sich auch auf das Pendel der Charttechnik-Website Tradingview stark negativ aus. Gegenüber der Vorwoche drehte dieses nämlich von "Kaufen" auf "Verkaufen". Von den insgesamt 26 Parametern legen aktuell sieben das "Kaufen" (Vorwoche: 14), acht das "Halten" (Vorwoche: 8) und elf das "Verkaufen" (Vorwoche: 4) von Gold nahe.