EDELMETALL-REPORT

Goldpreis: Skepsis der Terminmarktprofis auf dem Vormarsch

Goldpreis: Skepsis der Terminmarktprofis auf dem Vormarsch
13.05.2020 05:35:32

Obwohl an den Terminmärkten der Verkaufsdruck der spekulativen Marktakteure signifikant zugenommen hat, zeigte der Goldpreis in der vergangenen Handelswoche eine ausgesprochen robuste Tendenz. Von Jörg Bernhard

Nach unten ging es laut aktuellem Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission aber auch mit dem allgemeinen Interesse an Gold-Futures. So hat sich in der Woche zum 5. Mai die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) von 500.800 Kontrakte auf 493.200 Kontrakte (-2,1 Prozent) reduziert. Während unter großen Terminspekulanten (Non-Commercials) im Berichtszeitraum eine wachsende Skepsis registriert worden war, sind Kleinspekulanten (Non-Reportables) zum siebten Mal in Folge optimistischer geworden. Weil Großspekulanten aber das "größere Rad gedreht" haben, hat sich die kumulierte Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten per Saldo von 293.600 auf 281.600 Kontrakte (-4,1 Prozent) reduziert.

Großspekulanten haben zum Beispiel auf Wochensicht ihre Long-Seite um 11.800 Kontrakte zurückgefahren und zugleich ihr Short-Exposure um 900 Futures verstärkt. Deren Netto-Long-Position hat sich dadurch von 262.700 auf 250.000 Futures (-4,8 Prozent) abgeschwächt. Etwas kompensiert wurde dieser Verkaufsdruck durch die Transaktionen kleiner Terminspekulanten. Sie haben nämlich ihre Netto-Long-Position im Berichtszeitraum von 30.900 auf 31.600 Kontrakte (+2,2 Prozent) leicht nach oben gefahren. Unter charttechnischen Aspekten stehen die Ampeln beim gelben Edelmetall aber weiterhin auf "Grün". Vor über zwölf Monaten drehte die langfristige 200-Tage-Linie nach oben und generierte dadurch ein starkes charttechnisches Kaufsignal. Dieser Aufwärtstrend ist nach wie vor intakt. Charttechnische Verkaufssignale sind derzeit weit und breit nicht in Sicht.

Inflation im Anmarsch?


Blickt man auf die Entwicklung der weltweiten Geldmengen und Schuldenberge kann einem ganz schön mulmig werden. Die erneut von Notenbanken und Regierungen lancierten Rettungspakete fallen im Vergleich zu den vorherigen deutlich üppiger aus. Während der Finanzkrise 2008/2009 landete das viele Geld im Finanzsystem und weniger in der Realwirtschaft. Damals verursachte das viele Geld keinen Anstieg der Konsumentenpreise, sondern eine Vermögenspreisinflation. Diesmal sieht die Lage anders und um einiges dramatischer aus. Die im April von 4,4 auf 14,7 Prozent explodierte US-Arbeitslosenrate und der Verlust von 20,5 Millionen Jobs sprechen eine eindeutige Sprache. Nun darf man gespannt sein, ob sich die EZB weiterhin abmühen muss, durch ihre expansive Geldpolitik die Geldentwertung in Richtung der Zielinflation von zwei Prozent zu treiben. Aktuell befindet sich die Geldentwertung aufgrund des eingebrochenen Ölpreises eindeutig auf Talfahrt.

Luis de Guindos, der EZB-Vizepräsident, wies am vergangenen Donnerstag auf die von 0,7 auf 0,4 Prozent p.a. abgerutschte Inflationsrate hin und warnte vor einem weiteren Rückgang. In den kommenden Handelstagen erfahren die Investoren, wie stark sich Geld in China, Deutschland, Frankreich, Italien und in den USA im April entwertet hat. Die von Trading Economics veröffentlichten Umfrageprognosen reichen von null Prozent (Italien) bis 3,7 Prozent (China). Das Thema Inflation scheint an den Kapitalmärkten aktuell kein Problem zu sein. Was nicht ist, kann bekanntlich noch werden. Wer sich vor diesem potenziellen Problem schützen möchte, stößt bei der Suche nach Lösungsalternativen unweigerlich auf eine altbekannte Anlageklasse: Gold. Angesichts der bestehenden Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft, der Finanzmärkte und der Gemeinschaftswährung Euro kann man durchaus den Eindruck gewinnen, dass der Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz Gold derzeit ein relativ attraktives Verhältnis von Chance und Risiko aufweist.


Bildquelle: Julian Mezger für Finanzen Verlag

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