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Goldpreis steigt: Was dahinter steckt, wie es weitergeht

Goldpreis steigt: Was dahinter steckt, wie es weitergeht
19.06.2019 03:35:00

Während die Liste an Risikofaktoren immer länger wird und Aktienanleger allmählich kalte Füße bekommen, hellt sich das Umfeld für den Goldpreis auf. Das begehrte Edelmetall profitiert nicht nur von der angespannten Geopolitik und zunehmenden Ängsten vor einer Rezession. Gerade in den vergangenen Wochen hat sich die Lage kräftig verändert. Anleger müssen jetzt besonders wachsam sein. Von Franz-Georg Wenner

Als die Aktienmärkte im ersten Quartal eine kräftige Erholung zeigten, war der Höhenflug beim Goldpreis schnell beendet. Doch die Rally bei den Dividendenwerten steht auf wackeligen Beinen. Bisher wurde am Aktienmarkt nur eine Wachstumsdelle zum Jahresauftakt eingepreist, dem ein breiter Aufschwung ab dem Sommer folgt. Diese Hoffnungen könnten schon bald platzen: Die jüngste Eskalation im Handelsstreit zwischen China und den USA bremst zunehmend den Welthandel, die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession wird von der New Yorker Zentralbank inzwischen mit 29 Prozent taxiert. In der Vergangenheit führte jeder Wert über 30 Prozent tatsächlich zu einer Rezession. Auch andere Faktoren wie Sorgen vor einer Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran verstärken die Unsicherheit.


Richtungsentscheidungen in den nächsten Wochen


Fallende Aktienmärkte will US-Präsident Donald Trump aber vermeiden, die Kurse an der Wall Street sind für Ihn ein Gradmesser seiner politischen Leistung. Seit Monaten drängt er daher die amerikanische Notenbank zu Zinssenkungen, um mehr Luft im Schlagabtausch mit China zu haben. Aufgrund der zuletzt schwachen US-Inflationsdaten haben die Währungshüter durchaus Argumente für eine Zinssenkung. Auf der Sitzung am Mittwoch werden die Notenbanker aber wahrscheinlich die Füße noch still halten, auch um die Unabhängigkeit zu wahren. Zudem dürfte die Fed erst den G20-Gipfel Ende Juni abwarten. Für die Sitzung Ende Juli hat sich der Markt aber klar positioniert: Mit einer Wahrscheinlichkeit von gut 80 Prozent wird eine Zinssenkung erwartet. Im Jahresverlauf rechnet der Markt mit weiteren Anpassungen.


Realzins und Saisonalität


Die sehr ungewöhnliche 180-Grad-Wende in der Geldpolitik der US-Zentralbank ist positiv für Gold. Während die Renditen fallen, läuft die Inflation seitwärts, unter dem Strich fällt der Realzins. Sollte dieser sogar negativ werden, wäre dies für Gold sehr positiv. Ebenfalls zuversichtlich stimmt die Saisonalität: Im Juni endete in den vergangenen zehn Jahren meist eine ausgeprägte Konsolidierungsphase, bis Anfang September legte die Feinunze häufig spürbar zu.

Aus technischer Sicht steht die Börsenampel hingegen noch nicht auf Grün. Der jüngste Anstieg verlief ungewöhnlich kräftig, die Feinunze notierte rund 3,5 Prozent über dem Monatsdurchschnitt. Statistische Auswertungen von Index Radar zeigen, dass Gold ab ähnlichen Differenzen in der Vergangenheit häufig zu einer Atempause neigte. Zudem lauern nun hohe charttechnische Hürden. Seit 2014 scheiterten zahlreiche Versuche, den Verkaufsbereich zwischen 1350 bis 1400 zu überwinden.




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Bildquelle: Michael Buholzer/Reuters, BÖRSE ONLINE

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