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Goldpreis: Terminmarktprofis treten kräftig auf die Bremse

Goldpreis: Terminmarktprofis treten kräftig auf die Bremse

WKN: A1W34F ISIN: CA60447G1090 Mint Corp

06.08.2020 03:40:00

Der am Freitagabend veröffentlichte Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission war durch eine wachsende Skepsis großer Terminspekulanten gekennzeichnet. Von Jörg Bernhard

Erstmals seit sechs Wochen hat auch das allgemeine Interesse an Gold-Futures nachgelassen. In der Woche zum 28. Juli reduzierte sich nämlich die Anzahl offener Kontrakte - der sogenannte Open Interest - von 603.100 auf 598.600 Futures (-0,8 Prozent). Unter großen und kleinen Terminspekulanten herrscht allerdings derzeit keine einheitliche Meinung. Während Großspekulanten (Non-Commercials) skeptischer geworden sind, nahm der Optimismus unter Kleinspekulanten (Non-Reportables) deutlich zu. Bei der kumulierten Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten schlug sich dies in einem Minus von 303.900 auf 278.400 Kontrakte (-8,4 Prozent) nieder. Der Goldpreis zeigte sich von der wachsenden Skepsis allerdings unbeeindruckt und verteuerte sich innerhalb des Berichtszeitraums um fast 100 Dollar. Vor dem Wochenende wagte der Krisenschutz sogar einen Angriff auf die psychologisch wichtige Marke von 2.000 Dollar.

Besonders starke Aktivitäten gab es unter großen Terminspekulanten zu beobachten, Sie haben innerhalb einer Woche ihr Long-Exposure um 21.600 Futures reduziert und zugleich ihr Short-Engagement um 8.000 Kontrakte verstärkt. Dadurch hat sich deren Netto-Long-Position von 266.400 auf 236.800 Futures (-11,1 Prozent) markant ermäßigt. Kleinspekulanten sind indes deutlich optimistischer geworden und haben ihre Netto-Long-Position von 37.400 auf 41.600 Kontrakte (+11,2 Prozent) ausgebaut, den höchsten Wert seit Januar 2013.

Engpässe bei American-Eagles-Münzen


In der vergangenen Woche gab die US Mint bekannt, dass die Produktion der American-Eagles-Münzen in Gold und Silber wegen Corona eingeschränkt wird. Die Münzprägeanstalt forderte deshalb Großhändler auf, Prognosen für die zu erwartende Nachfrage der kommenden zehn und 90 Tage einzureichen. Auf Basis dieser Daten wolle die US Mint dann über die künftige Produktion entscheiden. Es wird damit gerechnet, dass die Einschränkungen zwölf bis 18 Monate andauern könnten. Im Juli lieferte die US Mint 115.000 Feinunzen Gold in Form von American Eagles-Münzen aus und übertraf damit die Zahlen für den Monat April (105.000 Unzen). Lediglich im März (151.500 Feinunzen) fiel der Appetit auf American-Eagles noch stärker aus. In den ersten sieben Monaten beliefen sich die Absatzzahlen übrigens auf insgesamt 494.500 Feinunzen. Damit wurde der Wert der vergleichbaren Vorjahresperiode um 333 Prozent übertroffen. Weil die Goldmünzen "Made in USA" in der Ein-Unzen-Version derzeit ungefähr 20 Euro teurer sind als bspw. der "Wiener Philharmoniker" drängt sich der Kauf des amerikanischen Goldes ohnehin nicht auf. Unter ökologischen Aspekten spricht auch der geringere Transportweg eher für das österreichische Goldinvestment. Doch das wichtigste ist natürlich, dass man pro Gramm Gold weniger Euros auf den Tisch legen muss.

Aus charttechnischer Sicht stehen beim Goldpreis die Ampeln eindeutig auf Grün. In der vergangenen Woche startete das gelbe Edelmetall sogar einen Angriff in Richtung 2.000-Dollar-Marke und generierte dadurch ein weiteres Einstiegssignal, weil die obere Begrenzung des Aufwärtstrends überwunden wurde. Dass sich Gold gegenwärtig in einer überkauften Lage befindet, zeigt mit aktuell 84 Prozent nicht nur der Timingindikator Relative-Stärke-Index an, sondern auch der historisch hohe Abstand zur 200-Tage-Linie an. Dieser liegt bei ungefähr 340 Dollar, wodurch die Gefahr einer technischen Korrektur zunimmt. In den vergangenen zehn Jahren folgten auf solch dynamische Aufwärtsbewegungen regelmäßig Rückschläge in Richtung 200-Tage-Linie bzw. darunter. Eines sollte man bei dieser Betrachtungsweise allerdings nicht außer Acht lassen: Selbst die Finanzkrise 2008/2009 hatte nicht ähnlich verheerendere Folgen für die Realwirtschaft wie die aktuelle Corona-Pandemie. Wer nicht muss, sollte daher Gold aus Sicherheitsgründen lieber nicht verkaufen.

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