EDELMETALL-REPORT

Goldpreis: Verunsicherung unter Terminmarktprofis

Goldpreis: Verunsicherung unter Terminmarktprofis

WKN: 903869 ISIN: JP3305950002 CORONA CORP

22.07.2020 05:45:25

Der am Freitagabend veröffentlichte Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission wies unter den spekulativen Marktakteuren ein hohes Maß an Verunsicherung aus. Von Jörg Bernhard

Zum fünften Mal in Folge ging es mit dem allgemeinen Interesse an Gold-Futures bergauf. In der Woche zum 14. Juli die kletterte die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) von 572.800 auf 580.200 Futures (+1,3 Prozent) zu. Noch höhere Werte waren mit über 633.000 Futures letztmals am 10. März registriert worden, bevor der corona-bedingte temporäre Ausverkauf einsetzte. Im Berichtszeitraum sind allerdings große Terminspekulanten skeptischer und kleine Terminspekulanten deutlich optimistischer geworden. Summa summarum schlug sich dies bei der kumulierten Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten lediglich in einem marginalen Rückgang von 302.600 auf 302.000 Kontrakte (-0,2 Prozent) nieder.

So haben zum Beispiel Großspekulanten (Non-Commercials) innerhalb einer Woche ihr Long-Engagement um 6.800 Futures reduziert und zugleich ihre Short-Seite um 1.900 Kontrakte zurückgefahren. Dadurch hat sich Netto-Long-Position von 267.400 auf 262.400 Futures (-1,9 Prozent) ermäßigt. Kleinspekulanten (Non-Reportables) sind hingegen durch eine stark gestiegene Zuversicht in Erscheinung getreten sind, was vor allem auf die massive Reduktion der Short-Seite (minus 3.200 Kontrakte) zurückzuführen war. Ihre Netto-Long-Position hat sich dadurch auf Wochensicht von 35.200 auf 39.600 Kontrakte (+12,5 Prozent) kräftig erhöht.

Trotz dieser "Meinungsverschiedenheit" und der daraus resultierenden Richtungslosigkeit kann man dem Krisenschutz Gold weiterhin ein hohes Maß an relativer Stärke attestieren, was sich an der stabilen Tendenz knapp unter dem höchsten Stand seit über acht Jahren ablesen lässt. Es gibt nicht viele Anlageklassen, deren mehrjähriger Aufwärtstrend weiterhin intakt ist - das gelbe Edelmetall gehört zweifellos dazu.

Gold hat keine Lust auf technische Korrektur


An den Goldmärkten findet derzeit ein Tauziehen statt, bei dem erfreuliche Konjunkturindikatoren aus China und den USA sowie freundliche Aktienmärkte die Sorgen der Anleger mit Blick auf Corona und die geopolitischen Spannungen zwischen China und den USA in etwa kompensieren. In den vergangenen vier Wochen war bei Gold bislang jeder technische Rückschlag lediglich von temporärer Natur und erwies sich somit als gute Einstiegsgelegenheit. Das Vertrauen der Anleger, dass die großen Notenbanken dieser Welt die Finanzmärkte einmal mehr erfolgreich retten werden, scheint angesichts des starken Goldpreises diesmal weniger ausgeprägt zu sein als in den Jahrzehnten zuvor. Starke Aktienmärkte vermochten die Krisenwährung Gold bislang nicht zu belasten, sondern haben lediglich zu einer nachlassenden Dynamik des Aufwärtstrends geführt. Die Aussicht auf eine langjährige Phase niedriger Zinsen und massiver Stützungsmaßnahmen seitens der Regierungen und Notenbanken führt insbesondere im ETF-Sektor zu einem anhaltenden Nachfrageboom.

Früher haben Vermögensberater mit dem Verweis "Gold bringt keine Zinsen" von einem Investment in den Vermögensschutz abgeraten. Angesichts negativer Renditen und Realzinsen muss man nun wohl sagen: "Gold kostet keine Zinsen". Auf der Suche nach Zinseinnahmen sollten Investoren nämlich auf keinen Fall außer Acht lassen, dass hohe Zinsen stets als Indiz für ein erhöhtes Risiko gesehen werden. Unter Berücksichtigung dieser These könnten Goldfans auf folgende Idee kommen: Da Gold keine Zinsen bietet, entfällt das mit einem Investment verbundene Risiko. Jeder weiß natürlich, dass hier aufgrund der zweifellos existierenden Kursschwankungsintensität des Goldpreises ein Denkfehler vorliegt. Dank der diversen Vorteile gegenüber anderen Anlageklassen dürfte sich der Kauf von Gold auf lange Sicht dennoch als gute Anlageidee erweisen.


Bildquelle: Lisi Niesner/Reuters

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