EDELMETALL-REPORT

Goldpreis: Viel Geld fließt weiterhin in Gold-Futures

Goldpreis: Viel Geld fließt weiterhin in Gold-Futures
14.07.2020 06:45:00

Laut aktuellem Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission sind die spekulativen Marktakteure wieder ähnlich optimistisch wie im März, also vor dem Corona-Crash. Von Jörg Bernhard

Mit dem allgemeinen Interesse an Gold-Futures ging es zum vierten Mal in Folge nach oben, wenngleich bei nachlassender Dynamik. So nahm in der Woche zum 7. Juli die Anzahl offener Kontrakte - der sogenannte Open Interest - von 561.600 auf 572.800 Futures (+2,0 Prozent) zu. Zur Erinnerung: Mitte März war ein Wert von 574.000 Futures gemeldet worden. Innerhalb einer Woche sind sowohl große als auch kleine Terminspekulanten etwas optimistischer geworden. Dadurch hat sich die kumulierte Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten von 301.500 auf 302.600 Kontrakte (+0,4 Prozent) marginal erhöht.

Unter den Großspekulanten (Non-Commercials) fiel auf, dass diese ihr Long-Engagement (plus 8.100 Futures) etwas stärker ausgebaut haben als ihre Short-Seite (plus 7.400 Futures). Ihre Netto-Long-Position legte daraufhin auf Wochensicht von 266.700 auf 267.400 Futures (+0,3 Prozent) leicht zu. Unter Kleinspekulanten (Non-Reportables) fiel die wachsende Zuversicht etwas stärker aus. Deren Netto-Long-Position erhöhte sich im selben Zeitraum von 34.800 auf 35.200 Kontrakte (+1,1 Prozent). Fazit: Obwohl Aktien trotz der wachsenden Corona-Unsicherheiten weiterhin stark gefragt sind, setzen viele Anleger offensichtlich weiterhin auf den Krisenschutz Gold. Dies lässt sich auch an den auf über 1.200 Tonnen angestiegenen Goldbeständen des weltgrößten Gold-ETFs SPDR Gold Shares ablesen. Noch mehr Gold brachte das "goldene Finanzprodukt" letztmals im April 2013 auf die Waage.

WGC meldet rekordhohe ETF-Zuflüsse


Der World Gold Council meldete in der vergangenen Woche rekordhohe Kapitalzuflüsse in Gold-ETFs. Den siebten Monat in Folge gab es für dieses Marktsegment Nettozuflüsse zu vermelden. Allein im Juni erhöhten sich die Goldbestände weltweit um insgesamt 104 Tonnen. Damit sind allein im ersten Halbjahr 734 Tonnen Gold im Wert von 39,5 Milliarden Dollar in diese Form von Papiergold geflossen. Zum Vergleich: Von Januar bis Dezember 2009, dem "Jahr Eins nach Lehman Brothers", waren "lediglich" Goldmengen von 646 Tonnen gemeldet worden. Ein Großteil der diesjährigen Nachfrage kommt aus zwei Regionen: Europa und Nordamerika, wovon fast ein Drittel auf den Goldhunger europäischer Anleger und mehr als 62 Prozent auf das Konto nordamerikanischer Investoren ging. Besonders interessant: In Asien waren ebenfalls erheblich Zuwächse zu vermelden. Nach minus 0,2 Tonnen im Jahr 2019, war für das erste Halbjahr 2020 ein Anstieg auf 22,9 Tonnen registriert worden. Mit Blick auf die Nachfrage einzelner Staaten erwiesen sich die USA (+449,1 Tonnen), Großbritannien (+143,2 Tonnen) und Frankreich (+38,1 Tonnen) als goldhungrigste Nationen. Drei ETFs haben von der Kapitalflucht bislang besonders stark profitiert. Dabei handelt es sich um den SPDR Gold Shares (+285,6 Tonnen), den iShares Gold Trust (+95,8 Tonnen) und iShares Physical Gold (84,1 Tonnen). In diese drei Papiergoldprodukte flossen somit mehr als 63 Prozent der weltweiten Goldzuflüsse. Mit einem Plus von 20,2 Tonnen bzw. 67 Prozent der deutschlandweiten Gold-Zuflüsse landete Xetra-Gold übrigens weltweit auf dem achten Platz und erzielte mit einer gehaltenen Goldmenge von 227,1 Tonnen einen neuen Rekord. Ein Ende dieses Positivtrends (hinsichtlich Gold) ist angesichts der wenig berauschenden gesundheitspolitischen, konjunkturpolitischen, geldpolitischen und haushaltspolitischen Perspektiven nicht in Sicht.

Der Goldpreis strotz weiterhin vor relativer Stärke. Am vergangenen Mittwoch kletterte der Krisenschutz auf den höchsten Stand seit September 2011. Angesichts des gesunden Aufwärtstrends stehen die charttechnischen Ampeln weiterhin auf "Grün". Der Timingindikator Relative-Stärke-Index zeigt mit über 70 Prozent zwar eine leicht überkaufte Situation. Ein großes Problem sollte dies allerdings nicht darstellen, schließlich erwiesen sich die in den vergangenen 24 Monaten generierten insgesamt acht Verkaufssignale, die beim Rutsch unter 70 Prozent generiert wurden, allesamt als "Bärenfallen".


Bildquelle: Leonhard Foeger/Reuters

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