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Goldpreis: Warum das Edelmetall gefragt bleibt, wie hoch die Kurse steigen können

Goldpreis: Warum das Edelmetall gefragt bleibt, wie hoch die Kurse steigen können
16.09.2019 03:30:00

Der Goldpreis konnte in den vergangenen Tagen zwar nicht mehr nachlegen, die Notiz bewegt sich aber weiterhin über der Marke von 1.500 Dollar pro Feinunze. Damit ist der Preis nach wie vor so hoch wie seit April 2013 nicht mehr. Von Jürgen Büttner

Auffällig neben dem jüngsten Kursanstieg, der Mitte August bei rund 1.174 Dollar je Feinunze begann, ist die Beobachtung, dass zuletzt nicht nur der Mainstream Gold als Asset wieder positiver beurteilt, sondern sich auch namhafte professionelle Anleger für das gelbe Edelmetall stark machen. Zu den bekanntesten Namen, die sich zuletzt zugunsten von Gold zu Wort meldeten, gehören unter anderem Paul Tudor Jones, Thomas Kaplan und David Roche.



In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg hat mit Mark Mobius außerdem ein weltweit bekannter Anlage-Veteran gerade eine Lanze für Gold gebrochen. , dass Anleger an dieser Stelle Gold "auf jedem Niveau" kaufen sollten. Konkret riet Mobius dazu., Gold derzeit auf jedem Preisniveau zu kaufen.


Zur Begründung für diese Haltung verwies er auf die Geldmenge, mit der es unaufhaltsam immer weiter nach oben gehe. Das wiederum habe mit der Notenbankpolitik zu tun, die beim Versuch, die Zinssätze zu senken, wie verrückt Geld druckten.

Aus Sicht von Mobius macht es vor diesem Hintergrund Sinn, dass Investoren mindestens 10 Prozent ihres Portfolios in physischem Gold halten sollten. Genau dazu rät Peter Schiff vom Edelmetallhändler SchiffGold schon seit geraumer Zeit. Er erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass derzeit nur etwa ein Prozent des weltweit investierbaren Kapitals in Gold stecken. Doch wenn die Idee von Goldbesitz zum Mainstream werde und alle Investoren zu einer zehnprozentigen Goldallokation übergehen, werde der Preis in die Höhe schnellen.

An diesem Dienstag wartete auch der US-Vermögensverwalter WisdomTree, der auch als ETF und ETP-Anbieter sowie als Indexentwickler agiert, mit einer aktualisierten Einschätzung zum Geschehen am Goldmarkt auf. Darin ließ Nitesh Shah, Director of Research und Rohstoff-Experte bei WisdomTree wissen, dass sich der Ausblick auf die Konjunktur, Zinsen und Währungskurse seit der Veröffentlichung der letzten Goldprognose von WisdomTree im vergangenen Monat verändert habe und das neue Umfeld eine erneuerte Prognose zum Goldpreis erfordert. Nachfolgend erfahren Sie, was diese neue Vorhersage angesichts unterstellter anhaltender Unsicherheiten im geopolitischen Bereich und auf den Finanzmärkten genau beinhaltet.

Unsicherheiten hieven Goldpreis deutlich über die 200-Tages-Linie


Zu Beginn seiner aktualisierten Ausführungen erinnert Shah, der zuvor bei ETF Securities als Commodities Strategist tätig war, bevor das Unternehmen im April 2018 von WisdomTree übernommen wurde, daran, dass der Goldpreis hat in den vergangenen zwei Monaten um 14 Prozent zugelegt hat.

Dieser Zuwachs gehe mit einem plötzlichen Renditerückgang bei US-Staatsanleihen und einer verstärkten Nachfrage nach sicheren Anlagen einher. Wie WisdomTree Associate Director of Research Aneeka Gupta in ihrer am 12. August veröffentlichten Analyse "Goldmarkt als Maß aller Dinge" bereits ausführte, haben die steigenden Spannungen zwischen den USA und China in Form von Handels- und Währungskonflikten auf dem Markt für Nervosität gesorgt, wodurch sich wiederum die Nachfrage nach sicheren Anlagen erhöht hat. Die Maßnahmen von Trump, China und der US-Notenbank Fed führten demnach zu einer negativen Rückkopplung, welche die Goldpreise voraussichtlich während des gesamten Jahres 2019 auf erhöhtem Niveau halten wird. Der Goldpreis notiere dadurch beflügelt deutlich über dem 200-tägigen gleitenden Durchschnitt.

Der Goldpreise notiert über deutlich über dem 200-tägigen gleitenden Durchschnitt


Shah, der schon seit 16 Jahren als Ökonom und Stratege tätig ist, ergänzt dazu in seiner aktuellen Publikation, dass sowohl der Markt als auch die Trump-Regierung die US-Notenbank (Fed) zum Handeln gezwungen zu haben scheinen. Die Zornanfälle auf dem Markt hätten die Entscheidungen der Fed klar beeinflusst: Die Zentralbank habe ihren geldpolitischen Kurs angepasst, nachdem die Aktienmärkte zu Beginn dieses Jahres ins Wanken geraten waren. Die unentschlossene Vorgehensweise der Trump-Regierung beim Krisenthema Handel hat ebenso dazu geführt, dass die Fed eine Zinssenkung, quasi als "Versicherung", durchgeführt hat.

Die Fed Fund Futures zeigten außerdem, dass die Marktteilnehmer weitere Zinssenkungen im Laufe des Jahres erwarten, und dies werde die Renditen von US-Staatsanleihen voraussichtlich auf einem niedrigen Niveau halten. Der Ausblick auf die Wirtschaft, die Zinsen und die Währungskurse haben sich laut dem Absolventen eines Bachelor-Studiums an der renommierten London School of Economics und Inhabers eines Master of Arts in International Economics and Finance der Brandeis University (USA) seit der Veröffentlichung unseres Goldausblicks im vergangenen Monat ganz offensichtlich verändert.

Prognose des Basisszenarios


Die neue Prognose von WisdomTree für das Basisszenario zufolge steigt der Goldpreis im zweiten Quartal 2020 auf 1.550 Dollar pro Unze - ein Plus gegenüber einem Wert von 1.500 Dollar Mitte August 2019. Diese Prognose basiert darauf, dass die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen und der US-Dollar-Korb sich auf ihren aktuellen Ständen von 1,65 Prozent bzw. 97 halten.

Laut den Erwartungen von WisdomTree wird die Inflation bei rund 1,8 Prozent liegen. Obwohl ein negativer Preisdruck nach Erachten von Shah nicht unmittelbar bevorsteht, wäre eine über diesem Stand liegende Inflation nicht mit den Zinssenkungen der Fed vereinbar.

Den Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zufolge befindet sich die spekulative Positionierung auf dem Markt für Goldtermingeschäfte mit 346.000 Kontrakten netto long auf einem stark erhöhten Niveau. Dieser Stand liegt nur knapp unter dem Allzeithoch von 348.000 Kontrakten netto-long vom Juli 2016.

Die Marktstimmung hat sich laut Shah bei Gold innerhalb kurzer Zeit sehr schnell geändert. Im November 2018 war die Stimmung bei dem Metall so schwach, dass die spekulative Positionierung netto short ausfiel. Da sich die Positionierung nie lange auf einem so hohen Stand wie dem heutigen gehalten hat, hat Shah die Positionierung in seinem Basisszenario auf bescheidenere 120.000 Kontrakte netto long zurückgefahren.

WisdomTree-Goldpreisprognose



Was, wenn sich die spekulative Positionierung auf einem hohen Niveau hält?


Im hauseigenen Basisszenario ist WisdomTree konservativ und senkt die spekulative Positionierung auf einen Stand, der sich am langfristigen Durchschnitt orientiert. Doch gleichzeitig fragt man sich was passiert, wenn die spekulative Positionierung bis ins zweite Quartal 2020 so hoch bleibt wie heute (also bei 346.000 Kontrakten netto long)? Das Modell zeigt demnach, dass dies die Goldpreise auf fast 1.815 US Dollar pro Unze treiben würde.

Spekulative Positionierung in Goldfutures


Mehrere geopolitische und finanzielle Risiken haben nach Ansicht von Shah die Positionierung in Gold auf ein erhöhtes Niveau getrieben:

• Die Handelsgespräche zwischen den USA und China sind zum Stillstand gekommen, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit eines größeren Protektionismus zwischen den beiden wirtschaftlichen Supermächten erhöht. • Die Befürchtungen des Markts, dass die Fed bei angespannten Arbeitsmärkten und einer nicht nachgebenden Inflation mit einer Lockerung der Geldpolitik einen Fehler begeht. • Die steigende Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits unter dem neuen britischen Premierminister. • Zunehmende Kontroversen im Nahen Osten, da der Iran die Anreicherung von Uran über den im Rahmen des Nuklearabkommens erlaubten Mengen fortsetzt. Angriffe auf Frachtschiffe um die Straße von Hormus - die von einem Drittel des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls passiert wird - haben die Spannungen in der Region nach der Verhängung von Strafsanktionen gegen Teheran durch die Trump-Regierung zusätzlich verschärft. • Die argentinische Wirtschaft und die Aktien-/Anleihenmärkte befinden sich erneut in der Krise, was Ängste über einen größeren Ausverkauf im Bereich Emerging Markets verbreitet. • Erneut aufflammende politische Unsicherheit in Italien aufgrund eines Misstrauensantrags gegen den amtierenden Premier. • Politische Unruhen in Hongkong, wo der Widerstand gegen ein Auslieferungsgesetz, nach dem das Gerichtsverfahren gegen mutmaßliche Straftäter in Festlandchina vollzogen werden könnte, Forderungen nach breiteren demokratischen Reformen ausgelöst hat.

Verschlechterte geopolitische Lage könnte Preis gen Allzeithoch treiben


Obwohl viele dieser Probleme theoretisch schnell gelöst werden könnten, besteht für Shah eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dies in der Praxis nicht der Fall sein wird. Die Handelsgespräche zwischen den USA und China liefen beispielsweise bereits seit mehr als zwei Jahren ohne klare Lösung, da die Erwartungen beider Seiten offenbar viel zu weit voneinander entfernt liegen. Es sei nicht klar, was für eine Annäherung der beiden Seiten sorgen könnte.

Auch beim Brexit scheine es sich um ein unlösbares Problem zu handeln - die Einzelheiten des von der vorherigen britischen Premierministerin May verhandelten Abkommens seien für die derzeitige Regierung unter Johnson unannehmbar und die Europäische Union sei nicht willens, die wichtigsten Stolpersteine zu verhandeln. Da der Iran sich offensichtlich in der politischen Isolation befinde, erschienen die Chancen höher, dass das Land sein Säbelrasseln fortsetzen wird, als sich den Forderungen der USA zu beugen.

Falls sich die geopolitische Lage weiter verschlechtert, könnte die spekulative Positionierung sogar noch weiter steigen, so Shah. Sollte die Positionierung auf 400.000 Kontrakte netto long ansteigen, könnte der Goldpreis dem Modell von WisdomTree zufolge auf 1.875 US Dollar/Unze zulegen - nur einen Hauch unter dem Goldpreis-Allzeithoch von 1.900 Dollar/Unze vom 5. September 2011.

Shahs Kollegin Gupta hatte außerdem in ihrem bereits oben erwähnten Report darauf hingewiesen, dass sich die Nettokäufe der Zentralbanken im ersten Halbjahr 2019 auf 374,1 Tonnen beliegen. Sie waren damit 57% höher als im Vorjahr und verzeichneten laut dem Weltgoldrat (World Gold Council, WGC) ihren höchsten Stand, seitdem die Zentralbanken 2010 Nettokäufer wurden. Die Rekordkäufe der globalen Zentralbanken zeigen laut Gupta, dass sie ihre Reserven vom US-Dollar weg diversifizieren müssen. Goldkäufe von Zentralbanken seien für gewöhnlich langfristiger angelegt und dürfen nicht unterschätzt werden, so das Urteil.

Renditelose Anlagen wie Gold erschienen außerdem attraktiver als andere sichere Anlagen wie Anleihen, die niedrige bis negative Renditen abwerfen. Derzeit wiesen globale Staatsanleihen im Wert von fast 12 Billionen Dollar laut Bloomberg negative Renditen auf. Anleger befänden sich eindeutig auf der Suche nach besseren Chancen und dies werde sich wahrscheinlich langfristig weiterhin günstig auf Gold auswirken. Gold habe seit 2012 enttäuscht, da die weltweite geldpolitische Lockerung risikoreichere Finanzanlagen unterstützt habe. Bei WisdomTree ist man jedoch der Ansicht, dass der Wirkung der geldpolitischen Lockerung der globalen Zentralbanken Grenzen gesetzt sind. Da sich die Marktteilnehmer bald damit arrangieren müssen, werde der Goldpreis voraussichtlich weiter steigen.

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Bildquelle: Degussa Goldhandel GmbH, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE

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