Die Preise für Gold und Silber sind mit Gewinnen ins neues Jahr gestartet. Aber wird das so bleiben? Denn eine irre Klausel zwingt viele Silber-Investoren, ihre Kontrakte kommende Woche zu verkaufen.

Der Jahresauftakt an den Edelmetallbörsen verlief überraschen ruhig. Nachdem vor allem Silber in der Woche nach Weihnachten heftige Verluste einstecken musste und die Terminbörse CME in Chicago ausgerechnet an Silvester nochmals neue, höhere Sicherheiten – sogenannte Margins – für Gold- und Silberkontrakte erlassen hatte, hatten viele Investoren mit Sorge der Kursentwicklung am ersten Handelstag des Jahres entgegengeblickt.

Doch der Tag verlief überraschend ruhig: Gold und Silber stiegen zunächst – Gold näherte sich sogar der Marke von 4400 Dollar an – gaben danb aber bis zum Abend in Europa wieder fast sämtliche Gewinne ab.


Silber (WKN: 965310)

Alles nur Panikmache?

Nein, sagen Kenner des Terminmarktes. Denn dort zeichnet sich eine tektonische Verschiebung ab: Da Gold und Silber stark gestiegen sind, könnten passive Fonds und Robo-Advisor gezwungen sein, im Rahmen des Rebalancing Positionen in den Edelmetallen zu reduzieren, um die alten Gewichte wiederherzustellen. Das könnte vorübergehend großen Verkaufsdruck auslösen.

Was löst die Verkäufe aus?

Silber-Futures machen mittlerweile rund neun Prozent des viel beachteten Bloomberg Commodities Index aus, der als wichtiger Benchmark für die Entwicklung der Rohstoffpreise gilt. Eigentlich soll der Anteil von Silber am Index aber nur knapp vier Prozent betragen. Das hieße, dass Silber-Futures im Wert von fünf Milliarden Dollar binnen weniger Tage aufgelöst werden müssen. Genauer gesagt: Innerhalb von fünf Tagen, beginnend am kommenden Dienstag (6. Januar 2026).

Hinzu kommt, dass Investoren, die erst kommende Woche an den Handelstisch zurückkehren, gezwungen sein könnten, ihre bisherigen Positionen an die zweimaligen Erhöhungen der Margin durch die CME anzupassen.


Was sagen Experten?

Daniel Ghali, Rohstoffstratege bei TD Securities, geht davon aus, dass allein dadurch in den kommenden zwei Wochen rund 13 Prozent der gesamten offenen Futures-Kontrakte (Open Interest) an den Comex-Silbermärkten verkauft werden müssen. Die Frage wird sein, ob genügend Nachfrage im Markt herrscht, um diese Volumina aufzunehmen – oder ob die Preise dann zwangsläufig noch einmal stark sinken müssen.

Was sollten Anleger tun?

Der langfristige Investment-Case für Gold und Silber bleibt intakt: die Suche nach sicheren Häfen in unsicheren Zeiten, die Aussicht auf sinkende Zinsen (es sei denn ... lesen Sie hier), steigende Silbernachfrage aus der Chip- und Solarindustrie - und ein noch auf Jahre knappes Angebot.

Wer deshalb langfristig in Silber investiert ist, sollte wenig tun.

Wer dagegen ausschließlich auf weiter steigende Preise spekuliert hat, geht jetzt besser auf Nummer Sicher, denn es könnten ein paar heftige, hochvolatile Wochen kommen. 

Und alle, die noch gar nicht in Silber investiert sind, bekommen jetzt womöglich eine zweite Chance. Sie lauern auf Rücksetzer, um nochmal etwas günstiger einzusteigen.


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