Industriemetalle wie Nickel oder Kupfer sind aus unserem Alltag gar nicht mehr wegzudenken. Ohne sie könnten keine Batterien, Autos, Smartphones oder Kabel produziert werden. Daher ist die Nachfrage stark von der globalen Konjunkturentwicklung abhängig. Nach einer langen Durststrecke sieht es hier zuletzt wieder besser aus. Dies eröffnet Chancen für In­vest­ments in Industriemetalle.

Ausschlaggebend ist die Stabilisierung von konjunkturellen Frühindikatoren in wichtigen Volkswirtschaften. So legten zuletzt die Einkaufsmanager­indizes in China nicht nur für den Dienstleistungssektor, sondern auch für das verarbeitende Gewerbe wieder etwas zu. Die Indikatoren scheinen die Talsohle durchschritten zu haben und sich auf einem niedrigen Niveau zu ­stabilisieren.

Nach wie vor belasten aber die Folgen des Handelskonflikts zwischen den USA und China das Wachstum. Hoffnungen ruhen darum auf möglichen chinesischen Konjunkturstimuli, die zu einem positiven Kreditimpuls und höheren Aktivitäten im Infrastrukturbereich führen könnten. Bislang agiert die Volksrepublik hier zurückhaltender als in früheren konjunkturellen Schwäche­phasen. So ist die Geldpolitik zwar locker, aber weniger expansiv als in Japan oder Europa. Die Regierung ist zudem bemüht, die industrielle Nachfrage nicht allzu stark künstlich aufzublähen. Dies wirkt leicht dämpfend auf die ­Rohstoffnachfrage.

Nicht zuletzt deswegen profitierten Industriemetalle bislang kaum von den positiveren Konjunkturdaten. Im Mittel liegen die Preise der Metalle etwa ein Fünftel unter ihrem zur Jahresmitte 2018 erreichten Niveau, also bevor der Handelskonflikt eskalierte.

Für steigende Metallpreise spricht nicht nur die zaghafte Belebung der Wirtschaft, wenn sie denn nicht durch eine neue Eskalation im Handelskonflikt zunichte gemacht wird. Auch die Lagerhaltung unterstützt den Markt. Die Lagerbestände von Stahl, Aluminium und Kupfer befinden sich aktuell auf mehrjährigen Tiefständen.

Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass Industriemetalle derzeit im Rohstoffsektor die attraktivsten Chancen bieten. Je nach Metall fällt aber der Marktsaldo, also die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage, verschieden aus.

Bei Kupfer und Nickel erwarten wir ein Marktdefizit, es wird also mehr nachgefragt als produziert. Die Nickel-­Lagerbestände an den weltweiten Metallbörsen sind sogar auf ein Elfjahrestief gefallen. Der Nickelpreis zeigte ­zuletzt eine hohe Schwankungsbreite. Dies lag daran, dass der wichtigste Nickelproduzent, Indonesien, den Export von Nickel begrenzt hatte. Daraufhin ­erhöhten Unternehmen, die Nickel nachfragen, kurzfristig ihre Vorräte. Inzwischen hat sich dieser Effekt aber ­wieder verflüchtigt.

Einige Minen dürften bald
ihre Produktion einstellen


Auch bei Eisenerz liegen die Lagerbestände leicht unter dem längerfristigen Trendniveau. Die Verbesserung der Stahlkonjunktur in China führte zuletzt zu einer leichten Preiserholung. Die ­chinesischen Stahl-Lagerbestände befanden sich davor auf einem Fünf­jahrestief.

Der Industriemetall-Sektor ist im historischen Vergleich eher günstig bewertet und auch unter diesem Aspekt aussichtsreich. Für Metalle wie etwa Aluminium und Zink liegen die Preise sogar deutlich unter den Grenzkosten. Einige Minen beziehungsweise Hüttenwerke dürften perspektivisch die Produktion einstellen, da sie nicht mehr kosten­deckend produzieren können. Diese ­Angebotsverknappung unterstützt die Preise.

Die internationalen Investoren ignorierten den Industriemetall-Sektor trotz der konjunkturellen Stabilisierung in den vergangenen Monaten weitgehend. Zum Teil verkauften sie sogar Metalle leer, haben also auf fallende Notierungen spekuliert. Dies trifft vor allem auf den Kupfermarkt zu, der deshalb über deutliches Aufholpotenzial verfügt. Gute Chancen weist Nickel auf, das sich in einem mehrjährigen Angebotsdefizit befindet. Aluminium, Blei und Zink dürften dagegen im kommenden Jahr ausreichend im Markt vorhanden sein.

zum Gastautor:

Max Holzer, Leiter Relative
Return bei Union Investment

Holzer leitet seit 2017 im Portfoliomanagement von Union Investment die Abteilung ­Relative Return innerhalb des neu aufgestellten Bereichs Multi ­Asset. Zuvor führte er von 2004 bis 2016 die Einheit Asset Allocation. Union Investment ist die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken und mit aktuell rund 330 Milliarden Euro verwaltetem ­Vermögen einer der größten deutschen ­Vermögensverwalter für private und institutionelle Anleger.