Wer an nachhaltige Investments denkt, hat oft Windkraftwerke, Elektroautos oder Solaranlagen im Kopf. Was viele Anleger dagegen nicht unter nachhaltig verstehen: riesige Tagebau-Gruben in der Landschaft, wo Kupfererze geschürft werden, harte Arbeitsbedingungen unter Tage mit Hitze und Staub in Silberminen oder Unternehmen, die in Diktaturen wie der Demokratischen Republik Kongo Kobalt gewinnen.

Dass beides eng zusammenhängt, ist eine Erkenntnis, die sich erst langsam durchsetzt. Dabei sorgt der Wandel hin zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft für eine Nachfrage nach Metallen, wie es sie in der Menschheitsgeschichte bisher noch nicht gegeben hat. Die amerikanische Investmentbank JP Morgan hat jüngst den Beginn eines neuen Rohstoff-Superzyklusses ausgerufen, der über einen langen Zeitraum hinweg überdurchschnittliche Gewinne verspricht - der letzte Superzyklus, der 2008 zu Ende ging, währte immerhin zwölf Jahre. Anleger können davon profitieren - auch und gerade, wenn ihnen Nachhaltigkeit im Portfolio wichtig ist.

ESG-Einfluss wächst

Denn der Einfluss von ESG-Investoren hat längst auch die Rohstoffbranche erreicht. "Fakt ist, dass wir diese Metalle brauchen. Und es reicht nicht, erst beim Endprodukt kritische Fragen zu stellen", sagt Pereshia Berlenbach vom Rohstoff-Investmentspezialisten Earth Resource Investment Group. "Es muss schon ganz am Anfang bei den Minen angesetzt werden, damit diese möglichst effizient arbeiten und ESG-Risiken ausschließen."

Ein jährlich erscheinender Branchenreport der Beratungsgesellschaft EY bewertet die Gefahr, dass Unternehmen ihre Abbau-Konzessionen verlieren, weil sie gegen Umweltauflagen verstoßen oder die Rechte der Menschen, die an Minenstandorten leben, missachten, als größtes Risiko für den gesamten Sektor. Dass Rio-Tinto-Chef Jean-Sébastien Jacques nach der Sprengung von zwei Kultstätten australischer Ureinwohner seinen Hut nehmen musste und Vale für die Folgen des Dammbruchs im brasilianischen Minas Gerais 2019 mindestens sieben Milliarden Dollar Schadenersatz zahlen wird, sind dabei deutliche Indizien für den gesellschaftlichen Wandel.

Gleichzeitig lösen der Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen und die zunehmende Verbreitung von Elektromobilität in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine unfassbar große Nachfrage nach Industriemetallen und seltenen Erden aus. Zwischen 1900 und 2015 ist der weltweite Rohstoffabbau um das 14-Fache gestiegen, zwischen 2015 und 2050 soll er sich noch einmal mehr als verdoppeln, heißt es in einem Bericht zum "Megatrend Rohstoffe und seltene Erden" der EU-Kommission. Der Bedarf an einigen Metallen, die für den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft benötigt werden, steigt demnach von jetzt bis 2050 sogar um mindestens das Zwölffache. "In den kommenden 30 bis 40 Jahren werden wir mehr Kupfer benötigen als in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor", sagt Joachim Berlenbach von der Earth Resource Investment Group. Es wandert in Batterien, Generatoren und Transformatoren von Windrädern, Starkstromkabel und Wechselrichter.

Auch die Bedeutung von Silber als Industriemetall - momentan geht etwas mehr als die Hälfte der Nachfrage auf industrielle Anwendungen zurück - steigt: "Für einen Quadratkilometer Solarfarm braucht es elf Tonnen Silber", erklärt Joachim Berlenbach. Die Europäische Kommission prognostiziert für den Bedarf an den Batteriemetallen Lithium, Kobalt und Grafit bis 2030 Wachstumsraten von über 2.000 Prozent gegenüber 2015. Von Neodym, das als Magnet in den Antrieben von Elektro- und Hybridfahrzeugen zum Einsatz kommt, benötigt allein die EU in Zukunft über 800 Tonnen pro Jahr. 2015 waren es noch weniger als 100 Tonnen.

Neue Dynamik

"Ich bin überzeugt, dass wir mit den Metallen, die wir jetzt brauchen, eine ganz neue Dynamik im Markt bekommen", sagt Joachim Berlenbach. "Aber um akzeptiert zu werden, muss auch der Bergbausektor selbst nachhaltig operieren." Ansätze dafür sieht der Geologe durchaus: Manche Unternehmen nutzen etwa Solarstrom für die Minen, sie recyceln Abraum und integrieren die oft illegal und unter prekären Umständen arbeitenden "Kleinbergbauern" in ihre Aktivitäten, bauen Schulen und Krankenhäuser im Umfeld ihrer Anlagen.

Als Branche unverzichtbar

Das bedeutet nicht, dass Bergbaukonzerne sich von heute auf morgen dem Naturschutz oder der Bekämpfung von Ungleichheit verschrieben haben. Minen werden immer CO2 emittieren und einen erheblichen Einfluss auf die umgebende Umwelt ausüben. Angesichts ihrer Unverzichtbarkeit für die Energiewende ist ein Ausschluss der Branche durch nachhaltige Investoren jedoch der falsche Weg. Zumal sie auch ihren Einfluss für weitere Verbesserungen geltend machen können.

Der Earth-Sustainable-Resources-Fonds folgt einem klaren Nachhaltigkeitsansatz und investiert ausschließlich in Minenfirmen, die für eine kohlenstoffarme Wirtschaft nötige Metalle fördern. Dazu kommen Unternehmen, die innovative Lösungen für einen nachhaltigeren Rohstoffabbau liefern. Der Structured Solutions Next Generation Resources setzt stark auf Lithium-Förderer und achtet auf die Einhaltung von Menschenrechts-, Arbeits- und Umweltstandards. Zum Thema Batterietechnologie und Elektromobilität existieren noch weitere Fonds und ETFs, deren Portfolio ganz oder zum Teil aus Minenaktien besteht, ohne dass diese einem Nachhaltigkeits-Check unterzogen werden (siehe Investor-Info).
 


INVESTOR-INFO

E-Mobilität und Rohstoffe

Vierstellige Wachstumsraten

Allein der Umstieg auf Hybride und Elektroautos in der EU lässt die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen explodieren. Bei vielen liegen die größten Abbaugebiete in Ländern mit eingeschränkter Demokratie, teilweise mit sehr schlechten Arbeitsbedingungen.

Kupfernachfrage

Mehr Bedarf denn je

Der Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und der Elektromobilität lässt den Bedarf an Kupfer deutlich ansteigen. Der obere Linienverlauf steht für ein Szenario, bei dem die globale Erwärmung auf zwei Grad begrenzt werden kann, beim unteren Linienverlauf sind es vier Grad.

Rohstoffaktien-Investments

Die besten Fonds

Drei aktive Fonds (Bakersteel, Earth, Structured Solutions) investieren mit unterschiedlichen Schwerpunkten in Firmen, die Rohstoffe für die Energiewende liefern. Earth und Structured Solutions wenden Nachhaltigkeitskriterien an, mit einem Eco-Rating wird aktuell nur der Earth-Fonds bewertet (Bestnote A). Der L & G-ETF enthält rund ein Viertel Rohstoffwerte, der von WisdomTree 35 Prozent.