Der Goldpreis fiel am Donnerstag auf ein neues Sechs-Monats-Tief. Sorgen über eine mögliche Zinserhöhung der Federal Reserve und die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sorgten für den niedrigsten Stand seit November. 

Gold gilt als sicherer Hafen für Anleger. Allerdings wirft das Edelmetall keine Rendite ab, wodurch es deutlich anfälliger auf Erwartungen zu Zinsentscheidungen reagiert. Der Goldpreis erreichte am Donnerstag einen Tiefstwert von 4.046,20 US-Dollar, wodurch allein in dieser Woche ein Verlust von über sechs Prozent zu Buche steht - die zweitschlechteste Woche seit Mitte März. Immerhin stieg der Goldpreis zum Börsenschluss etwas an und notiert am Freitag um 09:24 Uhr bei 4.176,86 US-Dollar.

Goldpreis auf neuem Sechs-Monats-Tief: Das sind die Gründe

Die US-Verbraucherpreise zogen im Mai deutlich an. Seit drei Jahren gab es keinen vergleichbaren Anstieg mehr. In Verbindung mit dem stärker als erwarteten Arbeitsmarktbericht des Landes stiegen die Sorgen, dass die Federal Reserve deshalb den Leitzins anheben oder zumindest auf dem aktuellen Niveau belassen wird, um den Preisanstieg zu bremsen.

Bereits am Donnerstag geschah dies in Europa. Aktuelle Modelle besagen, dass die Inflation 2026 im Durchschnitt 3,0 Prozent beträgt und erst 2027 wieder auf 2,3 Prozent sinken könnte. Infolgedessen erhöhte die EZB den Leitzins von 2,0 auf 2,25 Prozent. In den USA liegt dieser aktuell noch zwischen 3,5 und 3,75 Prozent. In der ersten Sitzung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh, die in der kommenden Woche ansteht, dürfte jedoch keine Erhöhung erfolgen. 

Ökonomen gehen aktuell noch davon aus, dass der Zins in diesem Jahr unverändert bleibt, nachdem sie zu Jahresbeginn noch mehrere Zinssenkungen einpreisten. Händler sehen hingegen eine Chance von 67 Prozent für eine Zinserhöhung, was den Goldpreis massiv beeinflussen könnte.

Ein weiterer Grund für die steigende US-Inflation - und die sinkenden Goldpreise - liegt in der geopolitischen Lage. Seit vier Monaten sorgt der Iran-Krieg und die einhergehende Sperrung der wichtigen Handelsroute, der Straße von Hormus, für Chaos auf den Märkten. Steigende Ölpreise, schwächere Exportumsätze aus Asien und höhere Energiekosten sind nur einige Effekte, die dadurch entstehen.

Stabilität im Portfolio

Gold ist ein sicherer Hafen. Vor allem langfristig und historisch diente der Wert vielen Anlegern als Stütze. Im Stabile-Werte-Index von BÖRSE ONLINE finden Anleger weitere Möglichkeiten, Stabilität in ihr Portfolio zu bringen.

Gold unter 200-Tages-Durchschnitt

Eine weitere Kennzahl, die Anleger nicht übersehen sollten, ist der 200-Tages-Durchschnitt. Der Goldpreis ist nun zum ersten Mal seit 2023 darunter gefallen. Die Citibank stufte dies als deutlich negatives Chart-Signal ein. Kurzfristig ist die Bank vorsichtiger, bleibt langfristig jedoch bullisch. 

"Während Marktteilnehmer mit dem kurzfristigen Ausblick kämpfen, der stark vom Ausgang in der Straße von Hormus abhängt, bleibt der Konsens mittelfristig bis langfristig konstruktiv angesichts der robusten, nicht-konjunkturellen Nachfrage durch zunehmende globale geopolitische Fragmentierung, anhaltende Sorgen über Staatsverschuldung und Währungsentwertung sowie den fortgesetzten Trend zur Diversifizierung der Zentralbankreserven“, sagten die Analysten der Citibank.

Die US-Großbank JP Morgan sieht zudem einen Rückzug aus dem "Debasement Trade" bei privaten und institutionellen Anlegern. "Unser Momentum-Signal-Framework deutet ebenfalls auf einen anhaltenden Rückzug aus dem Debasement Trade hin. Das Muster seit Beginn des Iran-Konflikts ähnelt den ETF-Flüssen und dem Proxy für die Futures-Positionierung“, schrieb die Bank und verwies dabei auf Abflüsse aus Gold ETFs von rund 20 Milliarden US-Dollar in der Woche bis zum 5. Juni. Der Abbau aus dem Trade begann Ende Februar und bleibt seit Mitte April stabil.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Sollten Anleger ihre Goldwerte verkaufen?

Gold gilt als eigentlich als krisensicher. Allerdings sorgt die fehlende Rendite in Verbindung mit möglichen Zinserhöhungen und weiteren genannten Faktoren jetzt für eine zunehmende Unsicherheit bei Anlegern. Der Verkauf von Goldwerten wäre dennoch überstürzt. Kurzfristig ist ein klarer Negativtrend erkennbar, doch langfristig sollte der Goldpreis wieder anziehen - vor allem, wenn der Iran-Krieg endet. Der Rohstoff dient weiterhin als sicherer Hafen. Anleger stoßen auch andere Werte, wie etwa den Bitcoin, ab, die eigentlich das Depot eigentlich stützen sollen. Nach dem Rücksetzer am Donnerstag zeigt der Goldkurs am Freitag bereits eine Erholung. Wer langfristig auf eine Goldanlage setzt, sollte also vorerst keine Probleme haben.

Übrigens: Wer in Rohstoffe investieren möchte, findet im "Goldfolio"-Börsenbrief fundierte Analysen und klare Empfehlungen.

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Häufig gestellte Fragen

Ist Gold bei hoher Inflation wirklich immer ein guter Schutz?

Nicht automatisch. Gold kann in Inflationsphasen anziehen, aber vor allem die Zinsen, der Dollar und die Markterwartungen beeinflussen den Preis oft stärker als die Inflation allein. Deshalb ist Gold eher ein Baustein zur Absicherung als eine Garantie gegen Kaufkraftverlust.

Warum reagiert der Goldpreis so stark auf Zinsentscheidungen der Fed?

Weil Gold keine laufenden Zinsen oder Dividenden abwirft. Steigen die Leitzinsen oder bleiben sie hoch, werden verzinste Anlagen im Vergleich attraktiver, wodurch Gold an relativer Attraktivität verlieren kann.

Welche Rolle spielen geopolitische Krisen für den Goldpreis?

Geopolitische Unsicherheit erhöht oft die Nachfrage nach sicheren Anlagen wie Gold. Allerdings hängt der Effekt davon ab, ob Anleger kurzfristig auf Sicherheit setzen oder gleichzeitig mit höheren Zinsen und starkem Dollar gegensteuern.

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