Der Markt bleibt das sechste Jahr in Folge im Defizit. Ein stagnierendes Angebot aus den Minen trifft auf eine starke Nachfrage aus der Industrie. Risikobereite Anleger nutzen die Konsolidierung.
Es war eine historische Achterbahnfahrt. Nach einem massiven Preisanstieg innerhalb nur weniger Wochen erreichte die Silbernotiz im Januar ein neues Allzeithoch von über 121 US-Dollar pro Feinunze. Danach kam ein schneller Preissturz, der Ende März um die Marke von 70 Dollar in eine Konsolidierungsphase überging. Die momentane Ruhe könnte sich als Ausgangspunkt für einen erneuten Preisanstieg erweisen. Ein gewichtiges Argument dafür liefert die Marktversorgung mit dem Edelmetall.
Silberdefizit weiter hoch
Wie bereits in den vergangenen fünf Jahren wird auch 2026 die Nachfrage nach Silber das Angebot übersteigen. Der Branchenverband Silver Institute erwartet ein Defizit von 46,3 Millionen Unzen, etwas mehr als das Defizit von 2025. Das Angebot kann hier nicht mithalten. Das Silver Institute geht von einem Rückgang um 2,2 Prozent auf 1.066,4 Millionen Unzen aus. Die Minen schöpfen bereits ihre Produktionskapazitäten vollständig aus. Lediglich das Angebot an Altsilber wird dank der höheren Unzenpreise mit einem kleinen Plus von knapp sieben Prozent steigen, lautet die Prognose. Dem steht ein tendenziell wachsender Bedarf vonseiten der Industrie gegenüber und ein hohes Interesse von Investoren.
Silber ist aufgrund seiner hervorragenden elektrischen Leitfähigkeit gerade bei der Elektrifizierung und bei Solarzellen mit hohem Wirkungsgrad kaum zu ersetzen. Im ersten Quartal deckte sich vor allem die chinesische Industrie mit dem Edelmetall ein. Laut den Ende April veröffentlichten Daten markierten die Silberimporte des Landes im März mit 836 Tonnen ein neues Rekordhoch. Der Wert liegt deutlich über dem Zehn-Jahresdurchschnitt von 306 Tonnen. Da China den Solarausbau im Zuge der Energiewende weiter forciert, dürfte die dortige Solarindustrie auch mittelfristig einer der wichtigsten Nachfragetreiber bleiben.
Eine große Rolle spielen auch die privaten Anleger. Deren Interesse an Silber bleibt hoch. Die Nachfrage nach Münzen und Barren soll 2026 um 18 Prozent zunehmen und damit den höchsten Stand seit 2022 erreichen. Gerade in Phasen steigender Preise und erhöhter Marktanspannung trägt diese physische Nachfrage zusätzlich dazu bei, das verfügbare Angebot zu verknappen. Aufgrund des strukturellen Angebotsdefizits und der hohen industriellen Nachfrage sehen Analysten weiter Potenzial beim Silberpreis. Die Kursziele reichen bis in die dreistellige Region. Die Experten der Commerzbank sind etwas konservativer und erwarten zum Jahresende einen Silberpreis von 90 Dollar.
Fazit
Je nach Anlagetaktik und Risikobereitschaft können Anleger an einem steigenden Silberpreis mitverdienen. Wer in physisch hinterlegte ETFs wie den Xtrackers Physical Silber (WKN: A1EK0J) investiert, ist eins zu eins an der Preisentwicklung beteiligt. Riskanter sind Spekulationen über Hebelpapiere. Die von der Redaktion ausgewählten Calls hebeln die Preisentwicklung. Wegen des höheren Verlustrisikos bei Hebelprodukten setzen Anleger individuelle Stoppmarken.