2022 beendete Silber mit einem Paukenschlag für die eigenen Anleger. Ist es nach der Rallye in 2023 aber endlich Zeit für den finalen Ausbruch über die 30 US-Dollar Marke?


Eigentlich war es nicht wirklich das Jahr von Silber gewesen. Trotz Ukrainekrieg und der allgemeinen Unsicherheit lag das Edelmetall einen Großteil des Jahres im Minus und bis auf einen Pieck nach dem russischen Angriff gab es auch für Anleger wenig Grund zur Freude.

Doch gegen Ende des Jahres bahnte sich dann plötzlich eine massive Rallye von den Ständen unterhalb der 20 US-Dollar Marke an, die das Metall letztlich zu einem YTD-Plus von 9,2 Prozent führten.


Hintergründe

Doch die Gründe für die miserable Performance waren ganz andersgeartet, als viele Anleger denken mochten. Während es oft hieß, dass die Investoren das Vertrauen in Silber und Gold verloren hätten, so waren es doch eigentlich Shortseller, welche den Kurs des Edelmetalls so tief in den Keller drückten.

Vor allem fünf amerikanische Großbanken, angeführt von Morgan Stanley, waren die treibenden Kräfte hinter dem starken Kursverfall von Silber bis kurz vor Ende des Jahres. Doch nach einigen kleineren Short Squeezes begannen die Banken nun ihre Positionen gegen das Edelmetall aufzulösen, was die Rallye der letzten Wochen und Monate hervorbrachte.


Silber im Makro-Umfeld

Doch wie geht es mit Silber in einem Makro-Umfeld weiter, in dem 98 Prozent aller CEO’s mit einer Rezession binnen der nächsten 12 oder 18 Monate rechnen? Immerhin werden etwa 50 Prozent des weltweit geförderten Vorkommens für industrielle Zwecke eingesetzt, was natürlich in einem Abschwung zu einem Nachfragerückgang und Kursverfall führen könnte.

Und tatsächlich wird sich in den nächsten Monaten zeigen, wie viel die Anleger noch dem Edelmetall vertrauen. Silber, das als Wertaufbewahrungsmittel und Inflationsschutz 2022 deutlich besser performt hat als Gold (-0,3 Prozent), könnte einen neuen Hype erleben. Vor allem dann wenn die Aktienkurse fallen, die Zinsen aber nicht weiter steigen.


Wie geht es weiter?

Grundsätzlich dürfte erstmal nach der starken Rallye eine Konsolidierung im Bereich der 23-24 US-Dollar einsetzen, die eine Nachkaufgelegenheit für bullische Investoren darstellt. Um allerdings diese Seitwärtsbewegung wieder in einen Rallye zu verwandeln, braucht es starke Makro-Signale, wie zum Beispiel schlechte Unternehmensergebnisse oder ein Ende der Zinsanhebungen.

In einem solchen Szenario, mit Anlegern, die aus Aktien fliehen, die Zinsseite aber schon wieder weniger Alternativen bietet, könnte Silber leicht über die magische Marke von 30 US-Dollar steigen.