Anfang Februar war die Welt für Silberfans noch in Ordnung. Damals sah es nämlich zeitweise danach aus, dass in Reddit-Foren organisierte Kleinanleger einen Short-Squeeze bei Silber verursachen könnten. Doch der Edelmetallhandel erwies sich als liquide und weniger anfällig als gedacht, da Kaufwellen geringere Verwerfungen als bei zuvor gehypten US-Nebenwerten wie Gamestop oder AMC ausgelöst haben. Danach kehrte am Silbermarkt wieder Ernüchterung ein. Trotz mehrerer Aufbäumversuche tendierte der Silberpreis vor allem in den Sommermonaten deutlich bergab, um Ende September mit 21,12 Dollar ein neues Jahrestief zu markieren. Summa summarum schwankte der Silberpreis in diesem Jahr in einer Bandbreite zwischen 21,12 und 28,99 Dollar (37,3 Prozent). Zum Vergleich: Beim sicheren Hafen Gold war lediglich eine Tradingrange zwischen 1.684,55 und 1.949,48 Dollar (15,7 Prozent) registriert worden.

Doch wenn es um Kursschwankungen geht, sollte man vor allem die Risikokennzahl Volatilität analysieren. Wer sich über die Kursschwankungsintensität in der Vergangenheit interessiert, kann zum Beispiel die 250-Tage-Volatilität nutzen, bei deren Ermittlung die Kurse der vergangenen zwölf Monate berücksichtigt werden. Als aussagekräftiger gelten allerdings in der Regel Volatilitätsindizes, denen die Preise von Optionen auf Silber-ETF zugrunde liegen. Aufgrund dieser Berechnungsmethode spricht man hier nicht von historischer, sondern von erwarteter Volatilität. Sie liefert einen finanzmathematisch ermittelten Hinweis, welche Chance bzw. welches Risiko mit einem Silberinvestment auf Basis der aktuellen Marktgegebenheiten verbunden ist. Der vom US-Terminbörsenbetreiber Chicago Board Options Exchange entwickelt CBOE-Silbervolatilitätsindex (VXSLV) hilft somit bei der Bewertung von Silber. 2021 vollzog der Silber-Volatilitätsindex eine regelrechte Achterbahnfahrt und schwankte zwischen 25 und 79 Prozent. Zum Vergleich: Sein Pendant auf Gold bewegte sich in einer Bandbreite zwischen 14,5 und 22,2 Prozent - und somit in deutlich "geordneteren Bahnen".

In diesem Jahr hatte der Silberpreis vor allem unter dem an den Terminmärkten gestiegenen Verkaufsdruck zu leiden. Große wie kleine Terminspekulanten sind nämlich im Jahresverlauf erheblich skeptischer geworden. Wichtig zu wissen: Sobald eine Gruppe von Marktakteuren per Saldo optimistisch (pessimistisch) gestimmt ist, liegt eine Netto-Long-Position (Netto-Short-Position) vor. Bei Großspekulanten (Non-Commercials) sowie Kleinspekulanten (Non-Reportables) hat sich seit dem Jahresultimo die Netto-Long-Position kleiner Terminspekulanten von 54.800 auf 22.000 Futures (Stand: 21.12.21) um rund 60 Prozent reduziert. Bei kleinen Terminspekulanten war ein Rückgang von 21.050 auf 13.900 Kontrakte (-34,0 Prozent) registriert worden. An diesem Negativtrend dürfte auch der in Kürze zur Veröffentlichung anstehende letzte Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (21.30 Uhr) kaum etwas ändern.

Silber: Anhaltender Seitwärtstrend


Im Sommer 2020 wechselte der Silberpreis vom steilen Aufwärtstrend in den Seitwärtsmodus. In der ersten Jahreshälfte verlief dessen untere Begrenzung noch bei 23 Dollar. Diese wurde mittlerweile aber in Richtung 21 Dollar gen Süden verschoben. Gegenwärtig ist die Gefahr eines Ausbruchs nach unten zweifellos als höher anzusehen. Deshalb sollte der im Bereich von 21 Dollar verlaufende Boden in den kommenden Monaten mit Argusaugen beobachtet werden. Einen faden Beigeschmack lieferte in diesem Jahr allerdings der Blick auf die langfristige 200-Tage-Linie. Sie vollzog nämlich einen klaren Trendwechsel nach unten, was in der Chartlehre stets als Ausstiegssignal interpretiert wird. Damit sie wieder nach oben dreht, sollte der Silberpreis möglichst bald, möglichst deutlich und möglichst dauerhaft über diese Durchschnittslinie ansteigen. Aktuell notiert er jedoch fast zwei Dollar darunter.