Mit Discount- und Bonus-Cap-Zertifikaten das Risiko reduzieren und zwischen 9,5 und 33,1 Prozent Rendite in einem Jahr kassieren.
Die jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten sind nichts für schwache Nerven. Um diese etwas zu schonen, bieten führende internationale Finanzinstitute, wie beispielsweise BNP Paribas, HSBC und Morgan Stanley, Anlegern sogenannte strukturierte Wertpapiere. Analog zum Helm beim American Football lässt sich das Verletzungsrisiko respektive das Verlustrisiko mit diesen Produkten reduzieren. Dies ist selbstverständlich nicht umsonst. In den meisten Fällen ist die Renditechance begrenzt. Unter Chance-Risiko-Aspekten sind diese Wertpapiere dennoch attraktiv.
Bei privaten wie auch institutionellen Anlegern besonders beliebt sind momentan Bonus- und Discount-Zertifikate. Den Daten vom Bundesverband für strukturierte Wertpapiere zufolge waren Ende 2025 rund 1,1 Milliarden Euro in Bonuszertifikaten und 3,6 Milliarden Euro in Discount-Zertifikaten investiert. In Marktphasen, wie sie aktuell herrschen, bieten diese Wertpapiere sehr attraktive Chance-Risiko-Profile und sind somit interessante Alternativen zum Direkteinstieg in die Aktie.
Auf den Discount kommt es an
Discount-Zertifikate spielen ihre Stärke vor allem in volatilen Marktphasen aus.Bei der Emission von Discount-Zertifikaten werden, neben dem zugrunde liegenden Basiswert, der Cap und der finale Bewertungstag festgelegt. Der Cap begrenzt die Gewinnchance. Im Gegenzug notiert das Wertpapier mit einem teils deutlichen Abschlag. Je höher die erwarteten Schwankungen bei der Aktie eingeschätzt werden, umso höher ist der Discount gegenüber dem aktuellen Aktienkurs.
Das Wertpapier von Munich Re hat nach einer Kursrally von Sommer 2022 bis Frühjahr 2025 in eine mittelfristige Konsolidierungsphase gedreht. Trotz des Rekordnettogewinns von 6,1 Milliarden Euro hinterließen Preisrückgänge in einigen Sparten ihre Spuren im Zahlenwerk. Für 2026 erwartet der neue Konzernchef Christoph Jurecka einen leichten Gewinnanstieg auf 6,3 Milliarden Euro. Gleichwohl dürften die Dividendenerhöhung auf 24 Euro pro Anteil und das geplante Aktienrückkaufprogramm in Höhe von bis zu 2,25 Milliarden Euro die DAX-Aktie stützen. Eine technische Unterstützung findet sie aktuell zwischen 490 Euro und 515 Euro.
Das ausgewählte Discount-Zertifikat auf Munich Re hat ein Cap-Level bei 540 Euro und damit auf Höhe des aktuellen Aktienkurses. Notiert der Anteilschein im März kommenden Jahres auf diesem Niveau oder darüber, erhalten Anleger den maximalen Rückzahlungsbetrag in Höhe von 540 Euro. Vor dem Hintergrund, dass aktuell nur 474,24 Euro bezahlt werden müssen, ergibt sich daraus eine erzielbare Rendite von 13,9 Prozent. Und die Aktie muss noch nicht einmal steigen.
Bei der Aktie von Siemens Energy liegt die erwartete Volatilität auf Sicht von einem Jahr angesichts der starken Kursrally der vergangenen Monate mit rund 54 deutlich über dem Wert von Munich Re mit rund 25. Eine höhere implizite Schwankung spiegelt zum einen das deutlich höhere Rückschlagrisiko wider. Gleichzeitig sorgt es bei den Discount-Zertifikaten für höhere Abschläge.
Hier wurde ein Discount-Zertifikat mit einem Cap rund zehn Prozent oberhalb des aktuellen Kurses gewählt. Auf diese Weise können Anleger zu einem gewissen Grad von einer Erholung der Aktie profitieren und eine Rendite von bis zu 32,5 Prozent erzielen. Dennoch bietet das Wertpapier einen Discount gegenüber dem Aktienkurs von über 17 Prozent. Anleger fahren somit erst dann Verluste ein, wenn die Aktie im März 2027 unter 123,81 Euro notiert.
Balance aus Rendite und Risikopuffer
Sehr beliebt sind derweil auch Bonus-Cap-Zertifikate. Der Reiz: Notiert die Aktie während der Laufzeit stets oberhalb der festgelegten Barriere, erhalten Anleger das Bonuslevel ausbezahlt. Wird die kritische Marke jedoch verletzt, erlischt diese Chance und es drohen Verluste.
Das ausgewählte Bonus-Cap-Zertifikat auf SAP hat eine Barriere bei 120 Euro und das Bonus-Level/Cap bei 180 Euro. Die Barriere liegt somit weit unter dem Aktienkurs. Wird das kritische Level von 120 Euro bis März kommenden Jahres nicht verletzt, erhalten Anleger 180 Euro ausbezahlt. Damit bietet das Papier einen Risikopuffer von 26,9 Prozent und eine Gewinnchance von 16,8 Prozent.
Die Geschäftszahlen des Softwareriesen für 2025 zeigten ein deutliches Wachstum. Eine Vielzahl von Analysten hält den jüngsten Kursrückgang für übertrieben und stuft die Aktie als haltens- oder gar kaufenswert ein. Es gibt zahlreiche Bonus-Cap-Zertifikate mit höherer Barriere und Bonus-Level, die Chancen auf höhere Renditen bieten. Gleichwohl fielen die Prognosen des Unternehmens sehr vorsichtig aus. Zudem drücken Spekulationen, die KI könnte Softwarekonzernen Umsätze abnehmen und ihre Gewinnmargen belasten den Sektor. Ein Stimmungsumschwung im Sektor zeichnet sich noch nicht ab. Ein zu knapp gewählter Risikopuffer könnte am Ende zu Verlusten führen.
Das Bonus-Cap-Zertifikat auf Thyssenkrupp bringt einen ähnlich hohen Risikopuffer mit. Die deutlich höhere implizite Volatilität der Thyssenkrupp-Aktie sorgt jedoch dafür, dass die erzielbare Rendite mit 28,6 Prozent entsprechend höher ausfällt. Unterstützung bekommt die Aktie durch die 51-Prozent-Beteiligung an TKMS. Der nächste Spin-off- oder IPO-Kandidat ist Material Services. Spekulationen um die Zukunft der Stahlsparte könnten hingegen weiterhin für Kursschwankungen sorgen. Daher ist auch hier ein hoher Puffer ratsam.
Fazit
Sie sind kein Allheilmittel, aber mit Bonus- und Discount-Zertifikaten lässt sich das Rendite-Risiko-Verhältnis häufig optimieren.
Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von BÖRSE ONLINE (13/2026)
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