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Daimler-Aktie nach der Gewinnwarnung: Wie geht es jetzt weiter?

Daimler-Aktie nach der Gewinnwarnung: Wie geht es jetzt weiter?

WKN: 710000 ISIN: DE0007100000 Daimler AG

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15.11.2018 - 17:35
24.10.2018 06:30:00

Mit Verlusten von rund 27 Prozent seit Jahresbeginn ist die Daimler-Aktie nur im unteren Drittel der Performance-Rangliste zu finden. Nach der am Freitag gemeldeten zweiten Gewinnwarnung innerhalb von vier Monaten rauschte die Aktie auf ein 5-Jahres-Tief. Auf der anderen Seite lockt der Wert mit einem KGV von unter sechs. Über Umwege verdienen Anleger bis März 2019 rund 80 Prozent. Von Franz-Georg Wenner

Kaum eine Branche steht seit Monaten so sehr unter Feuer wie der Automobilsektor. Während in der Fahrschule gelehrt wird, einen Spurwechsel sorgfältig vorzubereiten und schnelle Manöver zu vermeiden, müssen die Automobilkonzerne gleich mehrere Spurwechsel gleichzeitig meistern. Neben globalen Sorgen vor Protektionismus, Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China, Brexit-Verhandlungen und den angespannten Beziehungen zu Russland und der Türkei müssen die Fahrzeughersteller strengere Abgasvorschriften - Stichwort WLTP - erfüllen und zudem den Wandel von konventionellen Antrieben hin zur Elektromobilität schaffen. VW-Chef Herbert Diess wurde zuletzt bereits sehr deutlich: "Wir sind es gewohnt, dass das Auto in der Kritik steht. Der jetzige Feldzug gegen die individuelle Mobilität und damit gegen das Auto nimmt jedoch existenzbedrohende Ausmaße an".



Insbesondere die deutschen Hersteller sind von mehreren Seiten unter Druck. So bergen die widerholten Drohungen des US-Präsidenten, deutsche Pkw-Importe mit Zöllen zu belegen, ein hohes Risiko. In Europa erscheint es fraglich, ob angesichts der hohen SUV-Nachfrage die EU-Zielvorgaben für 2020/21 zur Reduzierung der CO2-Emissionen erreicht werden. Schon jetzt hinterlässt auch die Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfzyklus WLTP tiefe Bremsspuren bei den Zulassungszahlen in Europa.


Die Folge: Wegen immer neuer Belastungen aus dem Dieselskandal kappte der Konzern am Freitag erneut sein Gewinnziel, das Konzernergebnis werde 2018 vor Zinsen und Steuern um mehr als zehn Prozent zurückgehen. Im dritten Quartal lag das Ebit bei 2,49 Mrd. Euro, was im Jahresvergleich einen Rückgang von 27 Prozent entspricht. Weitere Details werden bei der Vorlage der Zahlen am Donnerstag erwartet.

Källenius vor großen Herausforderungen



Bei der Marke mit dem Stern müssen sich Anleger auch künftig auf eine unruhige Fahrweise einstellen. Daimler-Chef Dieter Zetsche wird den Stab wohl auf der Hauptversammlung 2019 nicht mit glänzenden Zahlen an seinen Nachfolger Ola Källenius überreichen. Als wesentlicher Wachstumstreiber bleibt nach Einschätzung der DZ Bank nur China. Allerdings lässt auch hier bereits die Dynamik nach, Daimler hat den zyklischen Höhepunkt wohl überschritten. Auch im kommenden Jahr ruhen die Hoffnungen auf dem asiatischen Markt, denn in Europa und den USA dürfte aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen kein starkes Momentum aufkommen. Nicht zu vergessen sind anhaltend hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung, gerade mit Blick auf die Elektromobilität. Die schwebenden Kartellvorwürfe und die laufenden Untersuchungen im Rahmen der Emissionsvorschriften geraten da schon fast in den Hintergrund. Die Umbaupläne - künftig soll Daimler in drei rechtlich selbstständige Einheiten aufgeteilt werden und so an Schlagkraft gewinnen - ist zwar positiv, verursacht aber auch Kosten im hohen dreistelligen Mio. Euro-Bereich.

Auf der anderen Seite kann Daimler mit guten Finanzkennzahlen punkten. Die 2017er-Umsatzrendite von 6,6 Prozent liegt nur zwar unter den 8,8 Prozent, die BMW erreicht. Dafür übertrifft die EK-Rendite von 16,6 Prozent den Wert der Konkurrenz aus Bayern. Auch die hohe Liquiditätsausstattung ist durchaus positiv, nicht nur für die Bonität.

Ebenfalls attraktiv sieht auf den ersten Blick die Bewertung aus. Analysten rechnen für 2019 mit einem Gewinn je Aktie von 8,90 Euro. Mit einem KGV von weniger als sechs zählt Daimler zu den günstigsten Titeln im DAX. Allerdings liegt die viel beachtete Kennzahl bereits seit Monaten auf einem niedrigen Niveau, die Aktie springt dennoch nicht an. In der tiefen Bewertung spiegeln sich viel mehr die Sorgen der Investoren wider.

Nach der schwachen Performance seit Jahresbeginn bereitet auch der Blick auf den Kursverlauf keine Freude. Am Freitag gab es die Papiere so günstig wie seit Sommer 2013 nicht mehr. Charttechnisch relevante Unterstützungen sind in unmittelbarer Umgebung Mangelware. Erst wieder bei 36 oder 30 Euro zeigt der Wochenchart gute Haltezonen. Ein direkter Absturz ist dennoch nicht zu erwarten, mit minus 17 Prozent Abstand zur 200-Tage-Linie ist Daimler kräftig überverkauft. Eine Rückeroberung der 60er-Barriere dürfte aber kaum gelingen. In den nächsten Monaten sollte sich der langsame Sinkflug fortsetzen.

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Bildquelle: Lucy Nicholson/Reuters, BÖRSE ONLINE

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