Weil die Nachfrage nach E-Autos deutlich verhaltener ausfällt als prognostiziert, zieht nun einer der größten Autohersteller Europas die Reißleine: Entwicklungsprojekte werden eingestellt, Batterie-Lieferverträge gekündigt. Das kostet 22 Milliarden Euro.
Der Autoriese Stellantis stellt seine Elektrostrategie radikal um – und das wird teuer. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, verbucht der Hersteller Abschreibungen und Sonderbelastungen von rund 22 Milliarden Euro. Umgerechnet entspricht das etwa 26 Milliarden Dollar.
Ein Teil davon ist sogar zahlungswirksam: Rund 6,5 Milliarden Euro fließen als direkte Ausgaben ab. Die Belastungen sollen im zweiten Halbjahr 2025 verbucht werden und werden aus der regulären Gewinnrechnung herausgerechnet.
E-Auto-Nachfrage bleibt hinter Erwartungen zurück
Hintergrund sind hohe Produktionskosten und eine deutlich schwächere Nachfrage nach Elektroautos als geplant. Viele Hersteller hatten stark in Batteriefabriken und neue Modelle investiert – nun bremsen Käufer und Preisdruck die Branche aus.
Stellantis reagiert deshalb mit einem Strategiewechsel. Konzernchef Antonio Filosa, seit Juni im Amt, baut den 14-Marken-Konzern umfassend um. Ziel ist es, Marktanteile zurückzugewinnen, Kosten zu senken und die Belastungen durch US-Zölle abzufedern.
Großprojekt in Kanada wird gestoppt
Ein zentraler Schritt ist das Aus für ein Gemeinschaftsprojekt mit dem südkoreanischen Batteriehersteller LG Energy Solution. Eigentlich wollten beide Partner mehr als fünf Milliarden kanadische Dollar in eine große Batteriefabrik in Windsor (Ontario) investieren. Dieses Vorhaben wird nun beendet.
Auch bei den Modellen selbst tritt Stellantis auf die Bremse. In den USA wurden vollelektrische Fahrzeuge wie der RAM 1500 Pickup gestrichen. In Europa verzögern sich Elektroprojekte der Marke Alfa Romeo.
Branche kämpft mit ähnlichen Problemen
Stellantis steht mit den hohen Abschreibungen nicht allein da. Zuletzt hatte Ford Belastungen von 19,5 Milliarden Dollarim Zusammenhang mit seinem E-Auto-Geschäft angekündigt. General Motors summiert sich auf 7,6 Milliarden Dollar. Porsche musste seine Prognosen im vergangenen Jahr mehrfach senken.
Die Branche merkt zunehmend, dass der Übergang zur Elektromobilität langsamer verläuft als ursprünglich angenommen.
Operativ Licht am Ende des Tunnels
Immerhin: Im zweiten Halbjahr verbesserten sich Umsatz und industrieller freier Cashflow im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2025. Dennoch drückten Sondereffekte, etwa veränderte Garantie-Rückstellungen, auf die Zahlen. Die operative Marge blieb unter den eigenen Zielen und fiel unter den niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Für Anleger ist die Botschaft klar: Stellantis räumt jetzt auf und bereinigt die Bilanz. Kurzfristig schmerzt das, langfristig soll der Konzern aber stabiler und profitabler aufgestellt werden.
Damit reagiert die Führung auch auf den anhaltenden Kursrutsch der Aktie: Die hat seit ihrem Hoch bei 27 Euro im März 2024 sage und schreibe 75 Prozent verloren. Auch heute konnten die Franzosen ihre Anteilseigner noch nicht überzeugen: Die Stellantis-Aktie fällt im frühen Handel um fünf Prozent.
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