Die umfassende Digitialisierung wird die Innovationszyklen beim Stuttgarter Autobauer Daimler weiter deutlich beschleunigen. Früher habe es "anderthalb Jahre gedauert", ein neues Showcar zu entwickeln, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Dienstag auf der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt. Dank Digitalisierung würden neue Fahrzeugkonzepte inzwischen "in weniger als zehn Monaten geschafft", erklärte Zetsche vor rund 2000 Journalisten und Branchenvertretern aus aller Welt mit Blick auf das neue Showcar "Concept IAA".

Bei dem Technologie-Träger ersetzen Kameras die Außenspiegel. Ab einer Geschwindigkeit von 80 km/h wechselt das Auto zudem selbständig in den Aerodynamik-Modus. Dabei verlängert sich das Heck um rund 40 Zentimeter. Dazu werden etwa die Felgen flacher. Dank dieser automobilen Metamorphose sinke der Cw-Wert von 0,25 auf 0,19. Dies sei "Weltrekord" für ein viertüriges Coupé, sagte Zetsche auf der Pressekonferenz des Konzerns.

Zetsche: Mercedes-Benz bleibt auf Rekordkurs



Unterdessen läuft das Geschäft bei Daimler offenbar weiter auf Hochtouren: "Mercedes-Benz bleibt auf Rekordkurs", sagte Zetsche. Die Modelloffensive und die umfassende Digitalisierung von Entwicklung über Produktion bis zum Vertrieb machten sich bezahlt.

Gemessen an den Absatzzahlen ist die Marke mit dem Stern in den ersten acht Monaten erstmals wieder an Audi vorbeigezogen und liegt nun nur noch hinter dem Erzrivalen BMW. Bis 2020 wollen die Schwaben aber auch den aktuellen Branchenprimus vom Thron stoßen. Um das zu schaffen, will Zetsche den Druck auf den Wettbewerb weiter erhöhen: "Unsere Produkt-Offensive geht auf den Fall weiter", sagte er an die Adresse der Konkurrenz.

Im laufenden Jahr wollen die Schwaben vor allem bei den SUVs ordentlich Boden gut machen. Noch im September kommt der neue GLC in die Showrooms. Die ehemalige M-Klasse erhält ein umfassendes Facelift, gegen Jahresende schickt Mercedes-Benz den neuen GLS an den Start. Und im margenträchtigen Highend-Segment fährt Daimler demnächst auch noch das neue S-Klasse-Cabrio vor. Es ist der Nachfolger der bis 1971 gebauten legendären Modellreihe W 111.

Allerdings dürfte das neue Cabrio-Flaggschiff mit Stern für viele wohl ähnlich unerreichbar bleiben, wie einst die Baureihe W 111 für einen gewissen Elektrotechnik-Studenten in Karlsruhe. "Der W 111 war ein Traum, der mein Bafög-Budget gesprengt hätte", sagte Zetsche. Mit dem neuen S-Klasse Cabrio wird das nicht nur Studenten so gehen.