Der DAX kann am Freitag aufgrund positiver Nachrichten aus dem Iran-Krieg zulegen. Das bewegt den deutschen Leitindex. Außerdem im Fokus: Iran, Siltronic, Eventim, Dell, Bitcoin, Pfizer, Samsung und Commerzbank.
Ein erneuter Hoffnungsschimmer im Iran-Krieg sowie Rückenwind von den US-Börsen und aus Asien stützen den deutschen Aktienmarkt am letzten Handelstag im Mai. Der Dax stieg in den ersten Handelsminuten um 0,3 Prozent auf 25.156 Punkte. Damit steuert der Leitindex auf einen Wochengewinn von knapp einem Prozent zu. Für den als Crash-Monat verrufenen Mai deutet sich ein Plus von rund dreieinhalb Prozent an. Bis zum Rekordhoch bei 25.507 Punkten vom Januar hat es der Dax nicht mehr weit.
Der MDax mit den mittelgroßen Börsenunternehmen stieg am Freitagmorgen um 0,9 Prozent auf 33.525 Punkte. Der Nebenwerte-Index SDax setzte seinen Rekordkurs fort und legte um 0,8 Prozent zu. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,4 Prozent nach oben.
Die USA und der Iran nähern sich nach US-Angaben einer Einigung auf eine Verlängerung der Waffenruhe und weitere Verhandlungen. Die Hängepartie ist damit aber noch nicht beendet. Hinsichtlich einer Absichtserklärung seien viele Fortschritte gemacht worden, es werde aber noch an einigen Punkten gearbeitet, sagte US-Vizepräsident JD Vance. Eine Zustimmung von Präsident Donald Trump sei noch offen. Aus Teheran hieß es, eine vorläufige Einigung sei bisher nicht ausformuliert und dementsprechend auch nicht bestätigt. Die Ölpreise fielen am Morgen weiter.
Nachrichten aus Deutschland
Commerzbank
Die britische Investmentbank Barclays hat die Einstufung für Commerzbank mit einem Kursziel von 42 Euro auf "Overweight" belassen. Flora Bocahut diskutierte am Donnerstagabend Gründe für und wider ein höheres Gebot der Unicredit. Mit einem weiteren Anstieg der Unicredit-Aktie auf etwa 80 Euro könnte die implizite Offerte dem mittleren Kurszielniveau der Analysten für die Commerzbank von 42 Euro sehr nahe rücken, schrieb sie. Dieses Niveau wäre für die Commerzbank-Aktionäre vermutlich reizvoller. Insgesamt sieht Bocahut bei der Commerzbank ein günstiges Verhältnis zwischen Chancen und Risiken - entweder durch ein höheres Gebot oder eine gute Umsetzung der eigenen Strategie.
Siltronic
Die Aktien von Siltronic dürften ihren jüngsten Höhenflug am Freitag mit weiteren Kursgewinnen fortsetzen. Sie profitieren von der anhaltenden Rally der US-Technologiewerte, vor allem aus dem Halbleitersektor im Zuge der Kursfantasie um das Thema Künstliche Intelligenz (KI). Am Donnerstag erklommen die technologielastigen US-Börsenbarometer Nasdaq 100 und Nasdaq Composite weitere Höchststände.
Vorbörslich auf der Handelsplattform Tradegate stiegen die Papiere des Waferherstellers zuletzt um 3,5 Prozent auf 99,25 Euro. Damit nähern sie sich der Marke von 100 Euro, die sie seit mehr als vier Jahren nicht mehr überschritten hatten. Seit Jahresbeginn hat sich der Siltronic-Kurs damit praktisch verdoppelt. Im Zuge der Tech-Rally jenseits des Atlantik dürfte es auch für die Titel des Halbleiterkonzerns Infineon am Freitag weiter merklich nach oben gehen.
CTS Eventim
Nach dürftiger Kursbewegung in den vergangenen Wochen winkt den Aktien von CTS Eventim am Freitag ein schwungvoller Befreiungsversuch aus der jüngsten Seitwärtsspanne. Der Event-Vermarkter überzeugte mit seinen Quartalszahlen, die am Vorabend nach Börsenschluss vorgestellt wurden. Vorbörslich stieg der Kurs im Tradegate-Handel daraufhin über die 60-Euro-Marke. Sie wurden dort fast zehn Prozent über dem Xetra-Schlussniveau gehandelt.
Laut einem Händler sorgt es für Erleichterung, da die Zahlen ohne neue negative Überraschungen geblieben seien. Die Aktien haben schwache zwölf Monate hinter sich, denn vom 114-Euro-Rekordhoch im Mai 2025 haben sie sich mehr als halbiert. Im März waren sie wegen enttäuschenden Zielsetzungen zeitweise sogar unter 50 Euro gerutscht. Zuletzt hatten sie sich dann im Bereich von 55 bis 60 Euro festgefahren. Über 60 Euro wagen sie nun einen Ausbruchsversuch.
Internationale Nachrichten
Bitcoin unter Druck – 9-Milliarden-Dollar-Optionsverfall begünstigt Bären
Bitcoin fiel am Donnerstag auf das tiefste Niveau seit sechs Wochen bei rund 72.500 Dollar und löste dabei Zwangsliquidierungen von 342 Millionen Dollar bei gehebten Long-Positionen aus. Zum bevorstehenden monatlichen Optionsverfall am Freitag über insgesamt 9 Milliarden Dollar halten Bären die Oberhand: Sollte Bitcoin unter 74.000 Dollar bleiben, überwiegen Put-Optionen die Calls um über eine Milliarde Dollar. Zusätzlichen Druck erzeugen Netto-Abflüsse von 1,07 Milliarden Dollar aus US-Spot-Bitcoin-ETFs innerhalb von zwei Tagen sowie die Ankündigung des Halbleiterherstellers Sequans Communications, seine gesamten Bitcoin-Bestände aufzulösen.
Dell beschleunigt Rekordrally katapultartig wegen KI-Geschäften
Die mit KI-Euphorie verbundenen Kursextreme erfassen am Freitag als Nächstes die Dell-Aktien. Die schon länger rekordhohen Titel des Computerkonzerns schossen außerbörslich um mehr als 40 Prozent hoch in neue Sphären. Die im März schon entbrannte Rekordrally kennt damit keine Grenzen. Im nachbörslichen US-Handel wurden fast 450 US-Dollar für die Aktien gezahlt. Der Kurssprung bestätigte sich am Morgen auch im Frankfurter Tradegate-Handel.
Der KI-Boom sorgt bei Dell für glänzende Geschäfte und hält die Euphoriewelle im ganzen KI-Bereich aufrecht. Getrieben davon war das Unternehmen mit einem noch besseren Geschäftsjahr als Experten bereits erwartet hatten. In der Folge wurden die diesjährigen Erlös- und Gewinnziele erhöht. "So sieht ein KI-Superzyklus aus", schrieb in einem Kommentar der Experte Amit Daryanani von Evercore ISI.
Analysten erhöhten am Freitag reihenweise massiv ihre Kursziele, teilweise wurden sie sogar vervielfacht. Wamsi Mohan von der Bank of America hat sein Ziel fast verdoppelt: Er hält im Rahmen einer bestätigten Kaufempfehlung einen weiteren Anstieg auf bis zu 500 US-Dollar für möglich.
Pfizer schließt Onkologie-Deal mit chinesischem Biotechunternehmen für bis zu 10,5 Milliarden Dollar
Pfizer und das chinesische Biotechunternehmen Innovent Biologics haben eine globale Krebsforschungspartnerschaft vereinbart, bei der Innovent eine Vorauszahlung von 650 Millionen Dollar erhält und bei Erreichen von Meilensteinen weitere bis zu 9,85 Milliarden Dollar in Aussicht hat. Die Kooperation umfasst zwölf Onkologie-Programme und soll Innovents frühe Forschungsstärke mit Pfizers globaler Entwicklungs- und Vermarktungsinfrastruktur verbinden. Der Deal reiht sich in einen boomenden Trend ein: Chinesische Biotechfirmen haben allein im ersten Quartal Auslandslizenzdeals im Wert von über 60 Milliarden Dollar abgeschlossen.
Exxon und Chevron warnen vor drastisch steigenden Ölpreisen
Die CEOs von Exxon und Chevron schlugen auf einer Bernstein-Konferenz Alarm: Die globalen Rohöllagerbestände fallen infolge des Iran-Krieges und der anhaltenden Störung der Straße von Hormuz auf historisch niedrige Niveaus, wobei die US-Reserven bereits rund zwei Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegen. Exxon-Manager Chapman warnte, dass der physische Brent-Ölpreis bei Erreichen von Rekordtiefständen bei den Lagerbeständen auf 150 bis 160 Dollar je Barrel klettern könnte. Brent-Futures haben seit Jahresbeginn bereits rund 50 Prozent zugelegt, zuletzt aber infolge eines fragilen Waffenstillstands rund 18 Prozent korrigiert – der jedoch bereits wieder gebrochen wurde, nachdem Iran einen US-Stützpunkt in Kuwait angegriffen hat.
Samsung übernimmt Führung im KI-Speicherrennen mit neuen HBM4E-Chips
Samsung hat damit begonnen, Muster seiner neuesten 12-lagigen HBM4E-Speicherchips – der derzeit fortschrittlichsten KI-Speichertechnologie der Branche – an Großkunden auszuliefern und positioniert sich damit deutlich vor dem Hauptkonkurrenten SK Hynix, der HBM4E-Muster erst in der zweiten Jahreshälfte plant und Massenproduktion erst 2027 erwartet. Der Schritt ist für Samsung strategisch wichtig, da das Unternehmen versucht, im lukrativen Markt für KI-Hochleistungsspeicher verlorenen Boden gegenüber SK Hynix zurückzugewinnen, das bislang als bevorzugter HBM-Lieferant von Nvidia gilt. Samsung-Aktien reagierten in Korea mit einem Kursplus von knapp 6 Prozent.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufig gestellte Fragen
Warum schießt die Dell-Aktie um über 40 Prozent nach oben?
Dell überzeugte mit einem Geschäftsjahr, das selbst die bereits hohen Erwartungen der Analysten übertraf, und erhöhte daraufhin seine Erlös- und Gewinnziele für das laufende Jahr. Treiber ist das boomende KI-Geschäft, das Evercore-ISI-Experte Amit Daryanani als Zeichen eines echten KI-Superzyklus wertet. Bank of America verdoppelte daraufhin ihr Kursziel nahezu und hält einen weiteren Anstieg auf bis zu 500 US-Dollar für möglich.
Wie weit ist der DAX noch vom Rekordhoch entfernt und was sind die Aussichten für Juni?
Der DAX schließt den Mai möglicherweise mit einem Plus von rund 3,5 Prozent und notiert damit nur noch wenige Hundert Punkte unter dem Rekordhoch vom Januar bei 25.507 Punkten. Rückenwind liefern die Annäherung im Iran-Konflikt sowie die anhaltende KI-Rally an den US-Börsen. Ob das Rekordhoch im Juni fällt, hängt maßgeblich davon ab, ob sich die Waffenruhe im Nahen Osten festigt und die Ölpreise stabil bleiben.
Was bedeuten die Warnungen von Exxon und Chevron vor steigenden Ölpreisen für Anleger?
Die CEOs beider Ölmultis warnen, dass die globalen Rohöllagerbestände infolge des Iran-Kriegs auf historisch niedrige Niveaus fallen. Exxon hält bei Rekordtiefständen bei den Lagerbeständen einen Brent-Preis von 150 bis 160 Dollar je Barrel für möglich. Für Anleger bedeutet das: Energie-Aktien und Rohstoffwerte könnten weiteren Rückenwind erhalten, während stark energieabhängige Branchen wie Airlines und Chemie unter Druck geraten dürften.