Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, heißt es. Im Handelsstreit zwischen den USA und China gilt das aber auf keinen Fall für Deutschland. Für die exportorientierte Wirtschaft der Bundesrepublik ist ein Kon­flikt zwischen zwei riesigen Absatzmärkten Gift. Zumal Donald Trump auch die EU und Deutschland mit Zöllen bedroht. Dazu kommen eine sowieso schon schwächere Weltkonjunktur und die Unsicherheiten um den ­Brexit. Je weniger exportiert wird, desto mehr schwächelt Deutschlands ­In­dus­­trie. Das könnte auf die Gesamtwirtschaft übergreifen. Die Auftragseingänge im Frühjahr verheißen laut Bundesbank auch für das laufende Quartal nichts Gutes. Weitere wichtige Indikatoren für die deutsche Wirtschaft versprechen ebenfalls wenig Positives. Der Ifo-Geschäftsklimaindex etwa befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit November 2012.

Die Konjunkturerwartungen des Zen­trums für Europäische Wirtschaftsforschung ­lagen im August auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2011. Auch dass die Deutschen so viel konsumieren wie lange nicht und viel gebaut wird, wird wohl nicht helfen, das Land vor ­einer Rezes­sion zu bewahren: Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent. Passiert das in zwei Quartalen nacheinander, sprechen Volkswirte von einer Rezes­sion. Viel deutet darauf hin: Sie steht kurz bevor.

DAX-Konzerne unter Druck. Es sieht auch nicht danach aus, als ob die Pro­bleme von heute auf absehbare Zeit gelöst würden. Selbst wenn die USA und China plötzlich ihren Handelsstreit beendeten, würde nicht schlagartig wieder eitel Sonnenschein herrschen. Vieles hängt an der künftigen Politik der Zen­tralbanken. "Der Zins ist in den Kapitalmärkten der entscheidende Maßgeber. Bei Nominalzinsen nahe null und negativen Realzinsen fehlt sozusagen die Schwerkraft. Niemand weiß, wo oben und unten ist - sind Aktien teuer, günstig oder sehr günstig?", fragt Albrecht von Witzleben, einer der Manager des GS & P Deutsche Aktien Total Return. Jürgen Hackenberg, Leiter Aktien Diversified bei Union Investment, sieht die Bewertungen im DAX insgesamt auf durchschnittlichem bis leicht unterdurchschnittlichem Niveau. "Ich glaube deshalb, dass das Entscheidende im DAX eher sein wird, wohin es mit den Gewinnen geht, auch im kommenden Jahr." Sollte es zum Beispiel eine plötzliche Lösung im Handelsstreit geben, rechnet er damit, dass die Bewertungen steigen und die Gewinne dann nachziehen.

Der DAX im Check. "Die erwartete ­Rezession wird man wohl auch in den Zahlen der DAX-Konzerne sehen", sagt Fondsmanager von Witzleben. Schon jetzt setzen die weltweit schwächelnde Konjunktur und die Handelskonflikte den deutschen Unternehmen zu. Gerade auch den Konzernen im DAX, die sehr vom Export abhängig sind. Unter anderem das sorgte laut den Wirtschaftsprüfern von EY dafür, dass die operativen Gewinne (Ebit) der 30 DAX-Konzerne im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent einbrachen. Im ersten Halbjahr gab es sieben Gewinnwarnungen. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 waren es hingegen nur fünf.

Der DAX gilt generell als recht konjunkturabhängig, weil etwa Autohersteller und weitere eher zyklische Firmen wie der Pharma- und Chemiekonzern Bayer stark vertreten sind. Die genannten Unternehmen haben zudem auch noch hausgemachte Probleme. Grundsätzlich sind alle Firmen, deren Geschäfte von der aktuellen Konjunktur abhängen, anfällig. "Sie leiden unter der Unsicherheit und bekommen den Abschwung stärker zu spüren", sagt Hackenberg. Doch sowohl die Auto- als auch die Chemiebranche profitieren im laufenden Halbjahr von einem Basiseffekt. Denn das zweite Halbjahr 2018 lief nicht besonders gut. Daher ist das Vergleichsniveau niedriger. Spannend wird es laut Hackenberg im dritten Quartal, wenn es um die Prognosen fürs Gesamtjahr 2019 geht. BASF etwa hat seine Jahresprognose bereits deutlich heruntergeschraubt. Der Chemiekonzern ist schon vorsichtiger für die Entwicklung im zweiten Halbjahr. Dass die Ludwigshafener eine weitere Gewinnwarnung herausgeben, ist deshalb eher unwahrscheinlich.

Wer weniger anfällig ist. Doch auch unter den DAX-Konzernen gibt es defensive Werte, die weniger unter Konjunkturschwankungen leiden. €uro hat vier solche Werte ausgewählt, die auch darüber hinaus gute Chancen für Anleger bieten (siehe rechts). Zudem gilt: Wer sich breit über Branchen, Regionen und Anlageklassen aufstellt, reduziert Risiken. Wegen der starken Konjunkturabhängigkeit des DAX stellen wir für den deutschen Markt einen Mischfonds vor, der sich weniger auf die großen Konzerne des Leit­index, sondern mehr auf Nebenwerte konzentriert.

Experten gehen noch immer von einer relativ schwachen Rezession aus. Auf Jahressicht soll die deutsche Wirtschaft weiterhin leicht wachsen und laut aktuellen Prognosen im kommenden Jahr wieder anziehen. Auch Fondsmanager von Witzleben sieht die Zukunft nicht per se negativ. "Die Notenbanken halten mit Zinssenkungen gegen die Wirtschaftsflaute, die Wahrscheinlichkeit ­eines harten Brexits hat abgenommen, auch in Sachen Handelskrieg hört man moderatere Töne, deshalb kann die Welt im vierten Quartal schon wieder ganz anders aussehen." In Sachen Rendite sieht er zu Aktien zurzeit zudem keine Alternative. Denn viele sichere festverzins­liche Papiere etwa bringen bereits negative Erträge. Dahingegen gebe es viele ­attraktive Papiere, vor allem auch bei ­Nebenwerten. "Wir schauen aber schon, dass wir vor dem Hintergrund des Handelsstreits und des Brexits überwiegend konjunkturunabhängige Aktien im Portfolio haben."



Euro-Magazin: Aktienempfehlungen


Allianz:

Europas größter Versicherer gilt als Basis­investment. Anleger können sich freuen, denn der Münchner Konzern will die Hälfte seines Jahresgewinns an die Ak­tionäre ausschütten - gleichzeitig soll die Dividende mindestens so hoch ausfallen wie im jeweiligen Vorjahr. Seit 2007 war das stets der Fall. Den Ausblick für dieses Jahr - ein operatives Ergebnis zwischen elf und zwölf Milliarden Euro (2018 verzeichnete der Versicherer mit 11,5 Milliarden Euro ein Rekordergebnis) - haben die Münchner mit den letzten Quartalszahlen bestätigt. Natürlich gibt es auch für die Allianz Risiken: So sind Naturkata­strophen schwer zu kalkulieren. Der Konzern ist aber gut aufgestellt. Neben den Versicherungen trägt die Sparte Vermögensver­waltung etwa ein Fünftel zum Ergebnis bei. Zudem kauft das Unternehmen immer ­wieder eigene Aktien zurück. Das ist gut für den Kurs.



Beiersdorf
:

Hautpflege und Klebestoffe - das ist Beiersdorf. Zum Konsumgüterkonzern aus Hamburg gehören Marken wie Nivea, Eucerin, Hansaplast oder Tesa. Kerngeschäft sind Hautpflegeprodukte, also nichtzyklische Konsumgüter, die immer gebraucht werden. Zudem ist der Konzern international breit aufgestellt, was zusätzlich Stabilität bringt. Zwar ist die Klebesparte konjunkturabhängiger, da sie auch Produkte für die Auto­industrie herstellt. Sie machte aber 2018 nur knapp ein Fünftel des Konzernumsatzes aus. Dieses Jahr soll er um etwa drei bis fünf Prozent wachsen. Dabei ist die jüngste Übernahme der Sonnencreme-Marke Coppertone nicht berücksichtigt. Beiersdorf investiert viel, etwa in die Digi­talisierung. Das belastet zwar das Ergebnis, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll dieses Jahr nach ­Analystenschätzungen aber auf dem Niveau von 2018 liegen.



Fresenius:

Eine defensive Wachstumsaktie ist die des Gesundheitskonzerns Fresenius. Die Hauptbereiche des Unternehmens aus Hessen sind Dialyse, Krankenhäuser und ambulante medizinische Versorgung. Der Konzern ist in vier eigenständig agierende Bereiche auf­geteilt. Einer davon ist die ebenfalls im DAX ge­listete Dialysetochter Fresenius Medical Care, an der Fresenius mit rund 31 Prozent größter Anteilseigner ist. Nach einem guten zweiten Quartal hob Fresenius die vorsichtige Prognose an: Für dieses Jahr traut sich der Konzern nun ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von vier bis sieben Prozent im ­Vergleich zum Vorjahr zu. Das ­Konzernergebnis soll - wie zuvor bereits angepeilt - stagnieren. Hier spielt etwa die Übernahme der US-amerikanischen Firma NxStage eine Rolle, mit der das Heimdialyse­geschäft der Tochter Fresenius Medical Care ausgebaut werden soll.



SAP:

Zwar spürt der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware im Asien-Geschäft den Handelsstreit zwischen den USA und China. Doch insgesamt ist Deutschlands wertvollster Börsenkonzern - übrigens das einzige deutsche Unternehmen, das es geschafft hat, ein globaler Topkonzern im Techbereich zu werden - gut aufgestellt. Die Wirtschaft steckt mitten in der Digitalisierung, davon will SAP weiter profitieren. Momentan ist das ­Unternehmen aus Walldorf im Umbau: Statt Lizenzen für Software stellt der Konzern auf Abo-Modelle für Software zur Miete aus der Cloud um. Dieser Bereich wächst schon seit Jahren stark und macht mittlerweile mehr als ein Viertel des Umsatzes aus. Solche Einkünfte sind regelmäßiger und besser planbar. Insgesamt soll bis 2023 die operative Marge pro Jahr im Schnitt um einen Prozentpunkt zulegen, der Umsatz von 24,7 auf 35 Milliarden Euro wachsen.



GS & P Dt. Aktien Tot. Ret.:

Der Mischfonds GS & P Deutsche Aktien Total Return investiert flexibel in verschiedene ­Anlageklassen, vor allem in Aktien und Anleihen deutscher Unternehmen. Das Portfolio besteht derzeit zu zwei Dritteln aus Aktien und zu gut einem Viertel aus Unternehmens- und Wandelanleihen. Daneben hält der Fonds vor allem Gold und Cash. Der Fokus bei der Allokation liegt nicht auf den 30 DAX-Konzernen, von denen sich auch welche im Fonds befinden, sondern auf kleineren ­Firmen. Wenn sich aus Sicht der beiden Fondsmanager ­Albrecht von Witzleben und Christian Krahe nicht genügend gute Investments finden, hält der Fonds mitunter grö­ßere Positionen in der Kasse. Den DAX konnte der Fonds mit seiner Strategie über die ­vergangenen fünf Jahre recht deutlich ­schlagen. Auf ­Ein-Jahres-Sicht lag er zuletzt ­unwesentlich hinter der Performance des deutschen Leitindex zurück.