Nach einem Mega-Umsatzausblick und zahlreichen vielversprechende Ankündigungen auf der GTC-Konferenz erhöhen erste Analysten ihre Kursziele für die Aktie.

Seit Montag (16.3.) findet in San Jose eines der wichtigsten Events der KI-Branche statt: Die jährliche Entwicklerkonferenz GTC. Veranstalter ist der Branchenprimus Nvidia, der das Event traditionell als Bühne für seine wichtigsten Ankündigungen zu neuen Produkten, Partnerschaften und Umsatzausblicken nutzt.

Insbesondere der Keynote-Vortrag von Nvidia Gründer und CEO Jensen Huang wurde von Analysten und Anlegern mit Spannung verfolgt. Würde es ihm erneut gelingen, seine Kritiker verstummen zu lassen?

In den vergangenen Monaten waren zunehmend Zweifel aufgekommen, ob das starke Umsatzwachstum von Nvidia nachhaltig sein kann. Immer wieder werden Parallelen zur Dotcom-Blase Ende der 1990er gezogen. Kritiker glauben, dass die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur keine messbaren Gewinne für Nvidias Kunden abwerfen. Die Folge wären mittelfristig deutlich rückläufige Umsätze für Nvidia. Starinvestor Michael Burry bekräftige Ende 2025 diese Meinung und spekuliert seitdem auf einen fallenden Aktienkurs von Nvidia.

Nvidia-Boss ist optimistischer als je zuvor

Am Montagabend waren dann alle Augen auf Jensen Huang gerichtet, als er in seinem Vortrag einen Ausblick über die wichtigsten Entwicklungen seines Unternehmens gab. Schnell war klar: Huang blickt optimistischer denn je in die Zukunft von Nvidia. Er betonte, dass die Nachfrage nach Rechenleistung in den letzten zwei Jahren um den Faktor eine Million gestiegen sei. Direkter Profiteur dieser Entwicklung ist natürlich Nvidia, das Jahr für Jahr leistungsfähigere KI-Chips entwickelt, um den Hunger seiner Kunden nach Rechenleistung zu stillen.

Mit der Vera-Rubin-Plattform stellte Huang am Montag sein neuestes Flaggschiff-Produkt vor. Es integriert sieben einzelne Chips in einem gigantischen Supercomputer. „Vera Rubin gibt den Startschuss für das größte Infrastrukturprojekt der Geschichte“, kündigte Huang an. Der Fokus liege auf einer besseren Energieeffizienz und einer bis zu 35-fach höheren Inference-Leistung. Inference bezeichnet die Leistungsfähigkeit eines Chips für ein austrainiertes KI-Modell im täglichen Betrieb.

Außerdem wurden ein neuer Gaming-Chip sowie zahlreiche Partnerschaften in den Bereichen Robotik und autonomen Fahren veröffentlicht. Damit will Huang das Unternehmen breiter aufstellen und auch vom riesigen „Physical AI“-Markt profitieren. 

Ausblick versetzt Analysten in Euphorie

Das Highlight der Keynote war jedoch die Umsatzprognose des Nvidia-Gründers, die es in sich hatte: In den Jahren 2025 bis 2027 wird Nvidia laut Huang noch einmal 1.000 Milliarden Dollar an Auftragseingängen verzeichnen. Zur letzten GTC 2025 lag dieser Wert noch bei 500 Milliarden.

Die Wall Street-Analysten reagierten euphorisch auf die zahlreichen positiven Meldungen. Die Bank of America bekräftigte ihr „Kaufen-Rating“ mit einem Kursziel von 300 Dollar. Dan Ives von Wedbush sieht Nvidia „an der Spitze der KI-Nachfragekurve für 2026 und darüber hinaus“. Ives betont seit Monaten, dass die Konsenserwartungen noch viel zu konservativ seien, und geht von einer weiterhin stark steigender KI-Nachfrage aus. Auch das Argument, dass Nvidia bald Marktanteile an Konkurrenten verlieren könnte, etwa den von Google mitentwickelten Tensor-Chip von Broadcom, zählt für den Wedbush-Analysten nicht: „Nvidia wird überhaupt keine Marktanteile an Google oder Meta verlieren“, sagt Ives. Evercore ISI sieht den fairen Wert der Nvidia-Aktie sogar bei 352 Dollar.

Im Schnitt halten die Analysten ein Kursziel von 267 Dollar für realistisch, was einem satten Aufwärtspotential von 47 Prozent entspricht.

Nvidia (WKN: 918422)

Börse lässt sich (noch) nicht anstecken

Überraschenderweise ließen sich die Börsianer noch nicht von der Euphorie Jensen Huangs und der Analysten anstecken. Einen Tag nach der Keynote steht Nvidia bei 182 Dollar, ein Minus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vortag. Grund dafür könnte sein, dass sich viele Anleger einen konkreten Umsatzausblick über 2027 hinaus gewünscht hätten. Womöglich preist der Markt bereits ein, dass die Umsatzanstiege bald deutlich abflachen könnten und die typische Zyklik für ein Geschäftsmodell im Chip-Sektor wieder an Bedeutung gewinnt. Für diese Interpretation spricht auch, dass die Nvidia-Aktie mit einem Forward-KGV von 22 so günstig bewertet ist wie seit 2016 nicht mehr.

Fazit: Für die Aktie von Nvidia dürfte entscheidend sein, inwiefern sich die hohen KI-Investitionen der Hyperscaler als gewinnbringend erweisen. Wenn dem so ist, dann besteht eine gute Chance, dass Nvidia wieder mit einem höheren KGV bewertet wird und die Kursziele der Analysten realistischer werden. Voraussetzung dafür ist, dass das Umsatzwachstum weiterhin auf einem hohen Niveau bleibt und Nvidia nicht zu viele Marktanteile an Konkurrenten wie AMD oder Broadcom verliert.

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.