BÖRSE ONLINE: Herr Treß, die neue Bundesligasaison steht vor der Tür. Wie weit sind Sie mit der Kaderplanung?


Thomas Treß: Wir haben bereits einige Neuzugänge. Damit ist die Planung weitestgehend abgeschlossen. Allerdings ist das Transferfenster bis Ende August offen, es kann also noch Überraschendes passieren.

Die Tranfers von Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang spülten mehr als 200 Millionen Euro in die Borussen Kasse. Schütten Sie eine Sonderdividende aus?

Sicher haben wir mit diesen Transfers viel Geld eingenommen. Eine Sonderdividende wird es allerdings nicht geben. Reinvestieren wir die Erlöse nicht in Spieler, wird unser Ziel konterkariert. Wir wollen sportlich erfolgreich sein, ohne neue Schulden zu machen. Ich gehe nicht davon aus, dass wir künftig die Dividende deutlich erhöhen.

Die Wechselsummen steigen nahezu ins Unermessliche. Ist es möglich, dass auch Borussia Dortmund für einen Spieler 100 Millionen Euro ausgibt?


Aktuell ist das für uns nicht vorstellbar. Doch soll man niemals nie sagen. Vor zwei Jahren war es auch nicht denkbar, dass Spieler innerhalb Europas für mehr als 200 Millionen Euro wechseln. Passiert ist es dennoch. Allerdings ist es nicht die Dortmunder Strategie, sich in diesen Regionen zu bewegen.

Letztlich ist es doch ein Nullsummenspiel. Vereine kaufen die Spieler teurer ein, dafür bekommen Sie dann auch beim Verkauf mehr.


Nicht unbedingt. Sicher steigen die Kaufpreise. Junge, talentierte Spieler bekam man vor Jahren noch für vier, fünf Millionen Euro - auch einen Robert Lewandowski. Heute bezahlt man für junge Talente 15, manchmal sogar 20 Millionen. Wir wollen deswegen in einem frühen Stadium Spieler finden, die uns später in der ersten Mannschaft weiterhelfen. So können auch Transferüberschüsse erzielt werden.

Welchen sportlichen Erfolg haben Sie für die kommende Saison einkalkuliert?


Wir planen relativ konservativ und rechnen in der Champions League lediglich mit der Vorrunde und in der Bundesliga mindestens mit einem Platz, der für die Qualifikation zur Champions League berechtigt.

Wie groß wird das TV-Rechte Plus an der Bundeliga und der Champions League für die kommende Saison sein?


Bereits jetzt steht fest, dass wir aus dem Topf für die Bundesliga 100 Mio. Euro bekommen. In der Champions League erhalten wir in der Gruppenphase 20 Millionen Euro mehr. Insgesamt beläuft sich das Volumen auf 148 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 28 Millionen Euro.

Mit Puma, Signal Iduna und Evonik haben Sie drei große strategische Investoren. Haben diese Interesse ihre Anteile aufzustocken?


Das wäre lediglich über eine Kapitalerhöhung möglich. Aktuell haben wir allerdings keine geplant. Die Anteile der aktuellen strategischen Investoren stehen nicht zur Disposition.

Ihr Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bezifferte den Wert des Konzerns jüngst auf eine Milliarde Euro. Aktuell ist Borussia Dortmund an der Börse etwas mehr als die Hälfte wert. Wie kommt er auf diesen Betrag?


Rechnet man unser Eigenkapital, den Markenwert und die stillen Reserven des Kaders zusammen, kommt man alleine aus der Substanzwertbetrachtung auf eine Milliarde Euro.

Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2017/2018 um mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Welche Wachstumsziele haben Sie in den kommenden Jahren?


Hohe Transfererlöse können wir nicht nachhaltig planen. Im vergangenen Jahr waren es 77 Millionen, davor knapp 100 Millionen Euro. In diesem Jahr werden es mehr als 200 Millionen Euro sein. Für uns geht es darum, transferunabhängige Erlöse in den Vordergrund zu rücken und diese zu erhöhen. Aktuell liegen sie bei über 300 Millionen Euro. Weil es sportlich in der vergangenen Saison nicht rund lief hatten wir hier kein Wachstum zu verzeichnen. Das soll sich ändern.

Wie sieht Ihre Wachstumsstrategie aus?


Wir wollen die Marke weltweit attraktiver machen. Im Focus steht Asien, zuletzt waren wir auch in den USA, um "Schwarz-Gelb" international bekannter zu machen. Je attraktiver die Marke, desto interessanter werden wir für weitere Sponsoren.

Spielt der Verein mit dem Gedanken, das Unternehmen von der Börse zu nehmen?


Auf keinen Fall. Schon alleine technisch ist es nicht möglich. Dafür müssten die Finanzmittel erst Mal aufgebracht werden. Wir leben damit, dass wir an der Börse notiert und unseren Aktionären verpflichtet sind.

Wagen künftig mehr Fußballvereine den Schritt an die Börse?


Mit Olympique Lyon, Juventus Turin oder Manchester United gibt es einige börsennotierte Vereine in Europa. In Deutschland sehe ich aktuell keinen Kandidaten, der den Schritt auf das Parkett in der Planung hat.

Karlheinz Rummenigge hofft auf die Abschaffung der 50+1 Regel, um international den Anschluss nicht zu verlieren. Wie sieht das Borussia Dortmund?


Wir halten die Regel für sehr wichtig und glauben, dass sie die Bundesliga schützt. Wir halten es für nicht gesund, dass sich arabische Scheichs, russische Oligarchen, amerikanische Milliardäre oder gar Chinesen Clubs übernehmen und sie mit Geld fluten. Am Ende führt dies dazu, dass die Vereine massiven Transfer- und im Gehaltsdruck bekommen, die Schulden steigen und sie an ihre finanziellen Grenzen oder darüberhinaus gehen.

Das scheint der Preis für den großen internationalen Erfolg zu sein.


Wir wollen lieber organisch wachsen und die Menschen begeistern und nicht möglichst schnell, viel Geld einsammeln, um kurzfristig Erfolg zu generieren.

Viele Fußball Fans schauen sich zunehmend lieber Amateur Fußball als die Bundesliga an. Der Spaßfaktor ist verlorengegangen, der Kommerz hat die Oberhand gewonnen.


Sicher ist die Kommerzialisierung in mancher Hinsicht überzogen. Deswegen versuchen wir die Ticketpreise in Dortmund relativ gering zu halten. Zu uns kommen mittlerweile Fußball Touristen aus Großbritannien, weil dort die Preise für die Tickets so hoch sind. Natürlich versuchen wir das Pfund der großen Fangemeinde zu kapitalisieren, allerdings wollen wir den Fans das Geld nicht aus der Tasche zu ziehen.

Wo steht Dortmund in der kommenden Saison? Einige sehen den Club als neuen Deutschen Meister.


Dagegen würde ich mich nicht wehren. Allerdings sind wir in der vergangenen Spielzeit lediglich mit der besseren Tordifferenz auf Platz vier gelandet. Aufgrund des Umbruchs im Trainerstab und in der Mannschaft denke ich, dass wir wieder die Qualifikation für die Champions League schaffen.

Auf Seite 2: Spielerverkäufe bringen BVB Rekordumsatz und Gewinnsprung





Spielerverkäufe bringen BVB Rekordumsatz und Gewinnsprung



Millionenschwere Spielerverkäufe haben Deutschlands einzigem börsennotierten Fußballclub Borussia Dortmund (BVB) einen Rekordumsatz beschert. Die Erlöse stiegen im Geschäftsjahr 2017/18 um fast ein Drittel auf 536 Millionen Euro, wie der Bundesligist am Freitag mitteilte. Allein 222,7 Millionen Euro kamen aus dem Transfergeschäft, fast drei Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Zwar setzte der BVB auch mit Werbung etwas mehr um, in anderen Bereichen wie Spielbetrieb, TV-Vermarktung und Merchandising gingen die Erlöse aber zurück. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke will den Verein unabhängiger vom Transfergeschäft machen: Bis 2025 nimmt er Umsätze von 500 Millionen Euro ins Visier - zusätzlich zu Spielertransfers.

Im Geschäftsjahr 2017/18 verkaufte der BVB alleine mit Ousmane Dembele und Pierre Emerick Aubameyang zwei Top-Spieler. Der operative Gewinn (Ebitda) erhöhte sich nach vorläufigen Berechnungen um fast 71 Prozent auf 126,6 Millionen Euro. Seinen Eignern will der BVB eine Dividende von sechs Cent je Aktie zahlen.

Zur Zukunft des Clubs sagte Watzke, Borussia Dortmund arbeite unter anderem mit der Beraterfirma McKinsey an einer Wachstumsstrategie. Der Fokus liege dabei auf Digitalisierung und Internationalisierung. Gute Spieler müsse der Verein selbst entwickeln. "Die ganz großen Fußball-Top-Stars wird Borussia Dortmund nie kaufen können."

Die jüngsten Umsatzrückgänge in vielen Bereichen führte Watzke auf die Entwicklung der vergangenen Saison zurück, in der der Traditionsclub nicht an die Erfolge der Vorjahre anknüpfen konnte. So flog der BVB bereits in der Gruppenphase aus der Champions League, blamierte sich in der Europa League und schied auch aus dem DFB-Pokal aus. In Bundesliga gab es ebenfalls etliche Niederlagen. Auch der Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus im April vergangenen Jahres in Dortmund erschütterte den Verein.

rtr