Das abgelaufene Geschäftsjahr lässt den Premium-Autohersteller Mercedes-Benz im besten Licht dastehen: Der Nettogewinn des im Jahr 2021 noch unter Daimler firmierenden Konzerns lag mit 23,4 Milliarden Euro gut sechsmal so hoch wie ein Jahr zuvor, wie das DAX-Unternehmen am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Bloomberg-Analysten hatten hier nur mit einem Gewinn von 13,4 Milliarden Euro gerechnet.

Darin ist auch ein milliardenschwerer positiver Bewertungseffekt aus der Abspaltung des Geschäfts mit schweren Nutzfahrzeugen enthalten - Bereinigt um Neubewertungen im Zuge der Abspaltung der nun eigenständigen Truck-Sparte belief sich der Konzerngewinn auf 14,2 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um neun Prozent auf 168 Milliarden Euro zu, Analysten rechneten auch hier mit deutlich weniger. Die Stuttgarter profitierten insbesondere von hohen Verkaufspreisen bei Neu- und Gebrauchtwagen.

Die um Sonderfaktoren bereinigte Rendite von Autos und Vans schnellte auf ein Rekordhoch von 12,7 Prozent nach 6,9 Prozent im Vorjahr. Der Mangel an Computerchips ließ die Fahrzeugproduktion im vergangenen Jahr stocken, so dass ein künstlich knappes Angebot auf hohe Nachfrage traf. Mercedes ließ so wie andere Hersteller auch bevorzugt hochpreisige, profitable Modelle vom Band laufen und konnte die üblichen Rabatte drücken.

Dividende stark angehoben


Das Beste für die Aktionäre an den vorgelegten Zahlen: Der Autobauer hebt nach diesem Gewinnsprung die Dividende deutlich an. Im Jahr 2020 zahlte Mercedes-Benz 1,35 Euro je Aktie. Experten gingen für das abgelaufene Jahr von einer Dividende je 4,10 Euro aus - doch die Stuttgarter überraschten alle: Die Dividende steigt auf 5,00 Euro.

Ausblick für das laufende Geschäftsjahr


Den Konzernumsatz aus fortgeführten Geschäften will Mercedes-Benz leicht erhöhen, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern dürfte auf Vorjahresniveau landen. Der Autobauer rechnet in seinem Pkw-Geschäft weiter mit prozentual zweistelligen Umsatzrenditen. Das Unternehmen plant 2022 mit einer um Sondereffekte bereinigten Marge vor Zinsen und Steuern von 11,5 bis 13 Prozent, wie die Stuttgarter am Donnerstag mitteilten. Am Markt rechneten Analysten zuvor schon mit 12,5 Prozent.

Besorgt über Russland-Ukraine-Konflikt


Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine hat sich Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius besorgt gezeigt. "Ich hoffe, der Konflikt lässt sich deeskalieren, um diese Situation zu entschärfen", sagte der Manager am Donnerstag in Stuttgart bei der Bilanzpressekonferenz.

"Es ist eine Situation, die wir sehr genau betrachten werden." Källenius sagte, er denke zunächst an die Menschen. "Die Menschen kommen zuerst, dann alles Geschäftliche." Einer Unternehmenssprecherin zufolge hat der Autobauer keine Mitarbeiter in der Ukraine.

Unsere Einschätzung zur Mercedes-Benz-Aktie

Trotz den starken Jahreszahlen notiert die Mercedes-Benz-Aktie zum Börsenstart deutlich tiefer. Das ist allerdings der aktuellen Marktlage geschuldet -die weiter eskalierende Ukraine-Krise zieht weltweit die Börsen in ihren Sog.

Charttechnisch gesehen stand der Kurs vor dem heutigen Donnerstag solide da - gut acht Prozent hatte die Aktie seit Jahresbeginn zugelegt. Damit zählt Mercedes-Benz neben der Deutschen Bank, MTU, Bayer, Porsche und VW zu den besten Aktien im deutschen Leitindex DAX.

Anleger sollten sich vom aktuellen Kursverfall nicht abschrecken lassen und die günstigeren Preise zum Einstieg nutzen. Wir empfehlen das Papier weiterhin zum Kauf.

ak/dpa-AFX