Unterm Strich kann sich die bisherige Börsenbilanz durchaus sehen lassen. Der Börsenstart im September 2019 war zwar wacklig und der Corona- Crash vor einem Jahr schmerzhaft - seither geht es für die Aktie von Prosus aber kontinuierlich nach oben. Gegenüber den 52-Wochen-Tiefs hat sich der Titel mehr als verdoppelt, er wurde Ende 2020 in den Euro Stoxx 50 aufgenommen und notiert aktuell so hoch wie nie.

Vor rund eineinhalb Jahren wurde Prosus vom südafrikanischen Naspers-Konzern ausgegliedert und an die Euronext-Börse in Amsterdam gebracht, nachdem das Konglomerat für die Hauptnotierung an der Börse in Johannesburg zu groß geworden war. Als einer der weltweit größten Technologieinvestoren setzt das Unternehmen in erster Linie auf Beteiligungen aus dem IT- und E-Commerce-Sektor, die in ihren jeweiligen Ländern bereits Marktführer sind oder zumindest das Potenzial zur Marktführerschaft haben. Knapp 50 Gesellschaften umfasst das Portfolio der Niederländer.

Tencent als Megadeal

Den bislang größten Erfolg verzeichnete Prosus mit dem frühzeitigen Einstieg beim chinesischen Internet- und Gaming-Riesen Tencent, an dem die Beteiligungsgesellschaft fast ein Drittel der Aktien hält. Mit dem Messenger-Dienst QQ begann die Tencent-Story bereits 1998. Der Einstieg in die Gaming-Branche beschleunigte einige Jahre später den Aufstieg zum heute wertvollsten Internetunternehmen Asiens. Block- buster-Spiele wie "League of Legends" oder "World of Warcraft" bringen enorme Gewinne, mit WeChat betreiben die Chinesen auch eine Plattform, mit der die Nutzer nicht nur chatten, sondern auch bezahlen, shoppen, daten oder Arzttermine vereinbaren können. Zu den wichtigsten Beteiligungen im Portfolio von Prosus zählen zudem ein 28-Prozent-Anteil am russischen Internetkonzern Mail.ru und mehr als ein Fünftel aller Aktien des deutschen Essenslieferanten Delivery Hero.

Dank einer starken Entwicklung im operativen Geschäft und Kursgewinnen bei den Finanzgeschäften konnte Prosus im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2021 einen Umsatzanstieg um 32 Prozent auf 12,7 Milliarden US-Dollar verbuchen. Der freie Cashflow vervielfachte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 14 Millionen auf 370 Millionen US-Dollar. Prosus blickt per Ende September auf eine kerngesunde Bilanz mit einer Nettoliquidität von 4,3 Milliarden US-Dollar.

Zusammen mit einer noch unangetasteten Kreditlinie in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar bietet das Cashpolster eigentlich beste Voraussetzungen, um weiter auf Shoppingtour gehen zu können. Doch es mangelt an echten Optionen. Kleinere Investments wie zuletzt etwa eine 200-Millionen-Dollar-Beteiligung an der indischen Online-Apothekenplattform PharmEasy werden zwar immer wieder einmal berichtet, einen ganz großen Fisch scheint Prosus derzeit allerdings nicht am Haken zu haben. Aufgrund fehlender Anlagechancen hat das Management um Chef Bob van Dijk im vergangenen Herbst ein Aktienrückkaufprogramm angestoßen, das den Erwerb von Prosus-Aktien wie auch von Anteilen an der Muttergesellschaft Naspers im Volumen von fünf Milliarden US-Dollar vorsieht.

Während alternative Investitionschancen rar und meist sehr hoch bewertet sind, notieren die Aktien von Prosus und des südafrikanischen Mutterkonzerns mit Blick auf die jeweiligen Portfolios an Beteiligungen deutlich unter ihrem inneren Wert. Nun sind Abschläge auf die Beteiligungswerte bei Holdinggesellschaften nicht ungewöhnlich - im Fall von Prosus sind sie aber besonders groß.

Hoher Abschlag zum inneren Wert

Mitte Dezember hatte die schweizerische Großbank einen Discount in Höhe von 32 Prozent zum inneren Wert berechnet, bis Anfang Februar war der Abschlag auf fast 40 Prozent gestiegen. Gut 177 Milliarden Euro beträgt derzeit der Börsenwert von Prosus. Allein die Beteiligung an Tencent ist momentan aber rund 325 Milliarden US-Dollar wert. Zusammen mit Mail.ru, Delivery Hero und Ctrip bringen die Aktienpakete an den vier börsennotierten Beteiligungen rund 336 Milliarden US-Dollar auf die Waage. Die zahlreichen übrigen Beteiligungen ohne eigenes Börsenlisting sind in dieser Rechnung noch nicht berücksichtigt. Manch ein Investor mag das laufende Aktienrückkaufprogramm vielleicht einfallslos nennen - sinnvoll ist es mit Blick auf die Unterbewertung zum inneren Wert auf jeden Fall. Der Rückkauf führt zur Verknappung des Angebots und treibt den Aktienkurs bislang weiter in Richtung der Analystenkursziele nach oben. Sollte die massive Unterbewertung der Prosus-Aktie trotz allem noch länger Bestand haben, bleibt eine weitere Möglichkeit, den inneren Wert zu heben: eine Ausschüttung der Tencent-Anteile an die Aktionäre, wie sie immer mal wieder gefordert wird.

 


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