Am 15. Januar 2015 verkündete die Schweizerische Nationalbank (SNB) eine weitreichende Entscheidung. Sie beendete die Wechselkursbindung des Frankens an den Euro. Die eidgenössische Währung erlebte daraufhin einen Kurssprung ungeahnten Ausmaßes und würgte die exportorientierte Wirtschaft regelrecht ab. Mittlerweile hat sich die Schweiz aber gut vom Frankenschock erholt. Kürzlich schraubte die Regierung ihre Konjunkturprognose leicht nach oben. Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO rechnet beim Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr mit einem Plus von 1,5 Prozent. Vor allem der Außenhandel soll die Konjunktur anschieben.

International agierende Unternehmen stehen auch an der Schweizer Börse im Fokus. Zuletzt bevorzugten Investoren aber das Segment der mittelgroßen Werte, der sogenannten Mid Caps. Der mit den 20 größten Standardwerten bestückte Leitindex SMI büßte im bisherigen Jahresverlauf Terrain ein. Derweil legte der SMI Mid (SMIM) um mehr als drei Prozent zu. Vor Kurzem erreichte das Barometer mit seinen 30 mittelgroßen Werten sogar ein Allzeithoch. In Ausgabe 14/2016 hatte BÖRSE ONLINE mit Temenos ein SMIM-Mitglied zum Favoriten aus der Schweiz gekürt. Seither verteuerte sich die Aktie des Bankensoftwarespezialisten um knapp ein Fünftel. Die Genfer untermauerten die Rally mit starken Quartalszahlen: Von April bis Juni legte der Umsatz um 16 Prozent zu, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kam überproportional um 22 Prozent voran. Temenos profitiert von der laufenden Digitalisierungswelle im Bankensektor. Angesichts der von Analysten erwarteten Wachstumsraten - 2017 soll der Gewinn um weitere 50 Prozent steigen - ist die Aktie nicht zu teuer. Wir bleiben bei unserer Kaufempfehlung und erhöhen das Kursziel.



Apple als Türöffner



Ein Plus von 38 Prozent steht für die Logitech-Aktie seit dem Länderreport von Ausgabe 14/2016 zu Buche. Der ebenfalls im SMIM vertretene Computerzubehör-hersteller startete schwungvoll in das Geschäftsjahr 2016/17. Von April bis Juni legten die Umsätze im Retailbereich wechselkursbereinigt um 13 Prozent zu - das stärkste Wachstum seit über fünf Jahren. "Unsere Strategie greift", freute sich Unternehmenschef Bracken Darrell. Zudem erhöhte er die Prognose.

Im Bereich mobile Lautsprecher verbuchte der Konzern im ersten Quartal ein Wachstum von 41 Prozent. Dass Logitech gerade mit den Trendprodukten auf Höhe der Zeit ist, zeigt das neue iPhone von Apple. Der Technologieriese stattete die siebte Generation des Verkaufsschlagers mit einem Bluetooth-Kopfhörer aus. "Dieser Schritt wird das Konsumentenverhalten verändern und die Annahme kabelloser Audiosysteme fördern", sagt Torsten Sauter, Analyst bei Kepler Cheuvreux.





Wachstum und Substanz



Nicht nur das Mid-Cap-Segment bietet Aktien, die perfekt in das Beuteschema von wachstumsorientierten Investoren passen. Auch im SMI tummeln sich wachstumsstarke Unternehmen. Etwa Geberit: Für den Sanitärtechnikanbieter ist der aktuelle Bauboom ein perfekter Nährboden. Bei einem organischen Umsatzplus von 6,7 Prozent steigerte das Unternehmen den Überschuss im ersten Halbjahr bereinigt um fast ein Viertel. Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit einer Verbesserung der operativen Marge auf rund 28 Prozent. Da die Kennzahl per 30. Juni bereits knapp 30 Prozent erreichte, halten wir eine Prognoseerhöhung für möglich. Traditionell kommen in der Alpenrepublik Fans von Substanzaktien auf ihre Kosten. Nestlé ragt heraus: Mit einer Marktkapitalisierung von 219 Milliarden Euro steht der weltgrößte Lebensmittelhersteller für knapp ein Viertel des SMI. Operativ büßte der für Marken wie Kitkat, Maggi oder Nescafé bekannte Konzern zuletzt an Tempo ein. Im ersten Halbjahr lag das organische Umsatzwachstum mit 3,5 Prozent deutlich unter der mittelfristigen Zielsetzung von fünf bis sechs Prozent.

Den Anlegern verdarb das den Appetit aber nicht: Nestlé notiert auf Rekordniveau. Offenbar schmeckt Investoren die attraktive Dividendenrendite von drei Prozent. Zudem stellt das Management für das zweite Halbjahr bessere Zahlen in Aussicht. Zusätzliche Fantasie schürt der anstehende Chefwechsel: Anfang 2017 übernimmt Ulf Schneider das Ruder. In seinem bisherigen Job als Vorstandschef des Gesundheitskonzerns Fresenius hat er bereits gezeigt, dass er einen globalen Konzern auf Wachstum trimmen kann.