Allerorts wird über ein "Reopening" der Gastronomie fabuliert. Doch während hierzulande noch debattiert wird, schaffen die USA Fakten. Nach monatelangem Lockdown reduzieren immer mehr Bundesstaaten ihre Pandemiebeschränkungen. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Wiedereröffnung von Speise- und Getränkelokalen im Innenbereich. Die Kassen von McDonald’s, Starbucks und Co könnten also schon bald kräftig klingeln.

Um für den erwarteten Ansturm gerüstet zu sein, bedarf es vieler Arbeitskräfte. Seit Beginn der Corona-Krise wurden mehr als acht Millionen Restaurantangestellte entlassen oder beurlaubt. Nun aber zeigt sich ein umgedrehtes Bild: Die Fast-Food-Kette Taco Bell, die Teil der börsennotierten Yum! Brands ist, wird am 21. April Einstellungsgespräche an nahezu 2000 Standorten durchführen. Ziel ist es, mindestens 5000 Mitarbeiter zu akquirieren. Die Konkurrenz aber schläft nicht. Medienberichten zufolge haben die McDonald’s-Franchisenehmer allein im Bundesstaat Ohio 5000 Jobs zu vergeben.

Wachstum voraus

Gute Aussichten also, dass die Umsatzdelle aus 2020 allmählich wieder ausgebügelt werden kann. Für dieses Jahr erwartet Marktforscher Ibisworld ein Wachstum in der US-Fast-Food-Branche von 17,3 Prozent auf 281,7 Milliarden Dollar. Während der Sektor aktuell vor allem von der Rückkehr der Kunden nach der Pandemie profitiert, ist einer der mittelfristigen Wachstumstreiber laut den Experten die zunehmende städtische Bevölkerung. Um Zeit zu sparen, greifen nämlich immer mehr Menschen in der Stadt auf Schnellkost zurück. Der positive Trend für die Industrie zeigt sich weltweit: Nach Daten von Market Data Forecast wird der globale Fast-Food-Markt bis 2025 um jährlich 4,6 Prozent im Schnitt zulegen.

Damit die Kunden verstärkt in die Restaurants kommen, werden immer mehr besondere Leckerbissen kreiert. Dazu zählen beispielsweise pflanzliche Alternativen. Um dem Veggie-Boom gerecht zu werden, haben unter anderem McDonald’s und Yum! Brands mehrjährige Lieferverträge mit Beyond Meat geschlossen. Dabei soll es langfristig aber nicht nur beim Pflanzen-Burger bleiben. Zusammen mit Beyond Meat entwickelt McDonald’s derzeit Menüs wie Hühnchen, Schweinefleisch und Eier auf "grüner" Basis.

Selbst an der weltgrößten Kaffeehauskette Starbucks geht der Pflanzentrend nicht vorbei. Das Unternehmen, das gerade seinen 50. Geburtstag feiert, bietet Produkte von Veggie-Spezialisten wie Beyond Meat und Oatly in seinen Filialen an. Aber nicht nur mit Essen möchte das Unternehmen wieder Kunden anziehen, mit den Wiedereröffnungen soll auch die vorpandemische Morgenroutine, ein Heißgetränk im Coffeeshop zu genießen, zurückkehren und für Wachstum sorgen. Für 2021 stellt der Vorstand ein Umsatzwachstum von bis zu 23 Prozent in Aussicht. Darüber hinaus hat der Konzern große Expansionspläne. Die rund 32 000 Starbucks-Läden in 62 Ländern sollen bis zum Jahr 2030 auf 55 000 ausgeweitet werden. Allein in diesem Jahr plant die Firma knapp 600 neue Filialen in China. Mit der anziehenden Nachfrage hat der S & P 500-Titel eine gute Chance, neue Höchststände zu erreichen.

Der Aktie von McDonald’s ist dies bereits gelungen. Große Hoffnungen legen Anleger bei der weltgrößten Fast-Food-Kette in aussichtsreiche Kooperationen und neue Produkte. So hat der Konzern beispielsweise den aktuellen Hype um Pokémon aufgegriffen und ein 25-Karten-Set in limitierter Auflage für das Happy Meal entworfen. Der Run auf die Essensbox war mancherorts derart groß, dass einige Standorte rasend schnell ausverkauft waren.

Darüber hinaus kam es vor wenigen Wochen zu einer der bedeutendsten Menüänderungen, seit der "Quarter Pounder" 2018 auf frisches Rindfleisch umgestellt wurde. Ende Februar wurde eine neue knusprige Hühnchen-Sandwich-Linie auf den Markt gebracht. Im Erfolgsfall könnten die neuen Häppchen laut Credit-Suisse-Analystin Lauren Silberman dazu beitragen, den Umsatz an einem durchschnittlichen Standort um bis zu 4,2 Prozent zu steigern. Apropos Standort: McDonald’s möchte in diesem Jahr weltweit 1300 neue Restaurants eröffnen.

Bereits einen Schritt schneller unterwegs in Sachen Produktlaunches ist die hierzulande weniger bekannte Burger-Kette Jack in the Box (JIB). Der US-Konzern hat bereits vor dem Branchenprimus neue Hühnchensandwiches und Hühnerstreifen erfolgreich eingeführt. So legte der Umsatz im ersten Quartal um 12,5 Prozent zu. Auf der Gewinnseite ging es sogar deutlich schneller voran, das Ergebnis je Aktie schnellte von 0,33 Dollar im Vorjahr auf 2,21 Dollar empor. Analysten rechnen für das Gesamtjahr mit einem Gewinnwachstum von 67 Prozent. Dieses verglichen mit dem aktuellen KGV von 17,2 macht die JIB-Aktie zu einem der attraktivsten Titel innerhalb der Peer Group.

Preiserhöhung steigert Marge

Eine der derzeit teuersten Schnellrestaurant-Aktien ist mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis Chipotle Mexican Grill (CMG). Allerdings könnte das zu kurz gedacht sein. Nach Untersuchungen von Truist Research hatte CMG Ende März seine Preise für Steaks und andere Fleischstücke um vier Prozent erhöht, nachdem das Unternehmen bereits im Dezember eine menüweite Erhöhung von rund 2,5 Prozent durchgeführt hatte. Dies zeigt, dass die Firma dabei ist, ihre Gewinnmargen zu steigern und somit das Potenzial hat, die Schätzungen zu übertreffen. Bis zur Veröffentlichung des nächsten Zwischenberichts am 21. April bleiben wir bei der CMG-Aktie aber dennoch vorerst an der Seitenlinie.

 


Auf einen Blick

Gefragtes Fast Food

Schnellrestaurants erfreuen sich rund um den Globus einer zunehmenden Beliebtheit. Neben den hohen Wachstumsraten in Nordamerika erwarten Experten insbesondere im asiatischen Raum künftig eine steigende Nachfrage - allen voran in China.