Die Deutsche Rohstoff AG zählt eher zu den Exoten unter Deutschlands Unternehmen. Die Firma mit Sitz in Mannheim entwickelt und veräußert Rohstoffvorkommen in Nordamerika, Australien und Europa und hat zuletzt deutlich über Plan liegende vorläufige Halbjahreszahlen veröffentlicht.

Die Prognose für den Konzernumsatz im laufenden Jahr wurde um rund 20 Prozent auf 68 bis 73 Millionen Euro erhöht, 2022 sollen es dann 70 bis 75 Millionen Euro sein. Stärker noch war die Anhebung für das operative Ergebnis (Ebitda), das 2021 um gut 30 Prozent auf 57 bis 62 Millionen Euro zulegen und 2022 immer noch zwischen 47 bis 52 Millionen Euro betragen soll.

Eine wichtige Rolle für den Konzern spielt die Beteiligung an Almonty, einer Gesellschaft zur Förderung von Wolfram. Im Zentrum der Anstrengungen steht eine Mine in Südkorea, die in den nächsten 50 Jahren etwa zehn Prozent des Weltmarkts für Wolfram bedienen kann, der ansonsten fast vollständig von China versorgt wird.

Darüber hinaus besitzt die Deutsche Rohstoff AG kleinere Beteiligungen, hauptsächlich im Bereich Gold, aber auch für Batterie-Metalle.

€uro am Sonntag traf den Chef, Thomas Gutschlag, der 2006 die Deutsche Rohstoff AG mitgegründet hat und seit 2007 der Gesellschaft vorsteht, in seinem Büro in den Mannheimer Quadraten.

€uro am Sonntag: Rohstoffe sind derzeit gefragt. Erleben wir gerade einen Boom oder befinden wir uns sogar in einem Superzyklus?

Thomas Gutschlag: Dass wir in einem Boom sind, ist unbestritten, wenn man sich die Preisentwicklung bei Öl und Metallen aller Art anschaut. Da trifft eine hohe Nachfrage auf ein beschränktes Angebot. Ob wir allerdings in einem Superzyklus sind, bin ich mir nicht sicher. Das wird sich noch zeigen müssen.

Wie ist es zu dieser Preisentwicklung gekommen?

Wir haben eine seit 13 Jahren anhaltende Abwärtsbewegung bei den Rohstoffpreisen hinter uns. Der bislang letzte große Boom dauerte etwa vom Jahr 2000 an und ging 2008 zu Ende. Ausgelöst wurde der damalige Boom von der chinesischen Nachfrage. 2008 lag der WTI-Ölpreis bei rund 140 Dollar pro Fass. Kupfer stand bei rund 10.000 Dollar die Tonne, Zink bei 3.600 Dollar. Diese Preise waren also noch mal deutlich höher als heute. Der damalige Höhenflug fand mit der Finanzkrise ein jähes Ende. Bis auf ein kleines Zwischenhoch 2011 ging es seither abwärts.

Mit welchen Folgen?

Die niedrigen Preise verderben den Spaß an der Investition. Mit anderen Worten, es wird seit etlichen Jahren wenig in die Förderung von Rohstoffen investiert, weil es sich nicht lohnt. Ein solch langer Niedergang der Preise ist am Ende aber der beste Garant dafür, dass irgendwann das Angebot knapper wird. Wenn dann wie jetzt die Nachfrageseite anzieht und auf ein eher vermindertes Angebot trifft, steigen die Preise.

Wodurch wird denn aktuell die Nachfrageseite befeuert?

Zunächst wird der Nachholbedarf bedient, der sich nach anderthalb Jahren Pandemie-Einschränkungen aufgestaut hat. Außerdem werden viele Rohstoffe für die angeschobene Transformation hin zu grüner Energieversorgung und E-Mobilität gebraucht. Es kommt hinzu, dass die Konjunktur besonders in Asien sehr stark ist. Das zusammengenommen heizt die Nachfrage an.

Also doch eher ein Superzyklus?

Ob das ein langfristiges Phänomen ist, das über ein Jahrzehnt anhält, ist aus heutiger Sicht schwer zu sagen. Es könnte schon sein. Es gibt auf der Welt etliche Veränderungen, die dazu führen, dass die Angebotsseite eher träge reagiert, selbst auf Preissteigerungen.

Was heißt das konkret?

Bergbauprojekte haben es derzeit fast überall auf der Welt schwer, in einer verhältnismäßig kurzen Zeit entwickelt zu werden. Es ist alles sehr viel komplizierter und teurer geworden und mit zum Teil erheblichen Einschränkungen verbunden. Das führt eben auch dazu, dass das Angebot länger niedrig bleibt. Das Thema ESG gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das merken wir vor allem im Bereich der Kohlenwasserstoffe, etwa bei Öl und Gas. Viele Investoren sind inzwischen nicht mehr bereit, in diesem Sektor zu investieren. Die großen Universitätsstiftungen in den USA, die Milliarden Dollar verwalten, sind aus diesem Thema ausgestiegen.

Führt die verstärkte Berücksichtigung von ESG-Themen auch bei anderen Rohstoffen zu Veränderungen?

Diese Bewegung führt definitiv zu einer erhöhten Nachfrage. Schauen Sie allein auf den Automobilbau. Aktuell gibt es 1,5 Milliarden Pkw auf der Erde. Wenn das alles Elektroautos werden sollen, müssen die erst mal neu gebaut werden, und man braucht die Rohstoffe dafür. Dabei ist sicher Kupfer ein Gewinner und die ganzen Batterie-Metalle wie Lithium, Nickel, Kobalt. Deren Bedarf steigt immens im Zuge dieser Entwicklung. Oder denken Sie an den Stromleitungsbau in Deutschland und anderen Ländern. Es sollen beispielsweise viele Tausend Kilometer neue Stromleitungen gebaut werden. Auch dafür braucht man Metalle. Das ist in gewisser Weise ein riesiges Programm zur Förderung von Rohstoffen aller Art.

Wie steht es um die Verfügbarkeit?

Es zeichnet sich bereits an der einen oder anderen Stelle eine gewisse Knappheit ab. Der Lithium-Markt bewegt sich momentan in einer Größenordnung von 100.000 bis 150.000 Tonnen im Jahr. Das wird rapide steigen, wenn die batteriebetriebenen Autos produziert und gekauft werden. Der Lithium-Bedarf wird sich vervielfachen. Es gibt zwar genug von diesem Metall auf der Welt. Allerdings ist die Frage, zu welchem Preis und ob es schnell genug gefördert werden kann. Für mich werden in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts die Fragen virulent, wo Lithium ausreichend gefördert werden und wo es verarbeitet werden soll. Die Kapazitäten in den weiteren Wertschöpfungsstufen sind nicht dafür ausgelegt, die absehbar steigende Nachfrage zu bedienen. Da muss eine Menge passieren. Über Kobalt wird eine Menge geredet, aber das lässt sich eher substituieren in neuen Formen von Batterien. Nickel ist auch weniger problematisch. Da gibt es schon große Minen, die in der Regel leichter zu erweitern sind, also sogenannte Brown-Field-Projekte. Im Unterschied dazu sind Neuerschließungen von Green-Field-Projekten eher problematisch. Die Erschließung von ausreichend großen Lithium-Förderstätten wird eine Herausforderung. Große Lithium-Vorkommen finden Sie etwa in Afrika, aber gerade in Ländern, die aufgrund ihrer politischen Lage eher mit Unsicherheit behaftet sind. Dort ist die Finanzierung der Projekte schwierig.

Wie kam es zu der Beteiligung an der Wolfram-Miene in Südkorea?

Wir haben 2014 unsere damalige Wolfram-Miene in Australien an Almonty verkauft und dafür 25 Prozent der Aktien des Unternehmens bekommen. In den vergangenen Jahren haben wir mitgeholfen, die Gesellschaft zu entwickeln und auch geholfen, das erwähnte Projekt, die Sangdong Mine, zu akquirieren und nach vorn zu bringen.

Welche Anwendungen gibt es für Wolfram?

Wolfram ist ein Härtungsmetall, wird also überall dort verwendet, wo man harten Stahl braucht. Das gilt für Werkzeuge in der Automobilindustrie, aber auch für Bohrköpfe in der Öl- und Gasindustrie und im Bergbau. Wolfram hat auch durchaus militärische Bedeutung für Panzerungen und Projektile etwa, aber auch in neuen Anwendungen, wie in Ladesäulen für E-Autos, weil es hohe Temperaturen verkraften kann. Im Vergleich etwa zu Kupfer ist es ein Nischenmetall, das eher in kleinen Mengen und in Spezialanwendungen eingesetzt wird.

Haben Sie schon Abnehmer für die Förderung?

Wir haben mit der österreichischen Plansee Group, die zu den größten Wolfram-Verarbeitern auf der Welt zählt, einen Abnahmevertrag über 15 Jahre. Der Vertrag sieht eine feste Preisuntergrenze vor, was sehr ungewöhnlich ist und viel über die Marktstimmung bei Wolfram sagt.
 


Vita:

Gründer und Chef

Thomas Gutschlag war 2006 Mitgründer der Deutsche Rohstoff AG. Der promovierte Volkswirt arbeitete vor seinem Engagement in Mannheim als Direktor bei der Deutschen Börse und war Vorstand einer Unternehmensberatung, die mittelständische Firmen bei Kapitalmarkttransaktionen begleitet, bei Börseneinführungen, Zukäufen und Finanzierungen.
 


Die Aktie:

Preise geben Rückenwind

Die Deutsche Rohstoff AG profitiert von antizyklischen Investitionen und gestiegenen Rohstoffpreisen. Die Ergebnisse verbessern sich, die Prognose wurde angehoben, und das Geschäftsumfeld entwickelt sich weiter positiv. Die im Börsensegment Scale notierte Aktie hat trotz eines Kursanstiegs seit Jahresbeginn von mehr als 85 Prozent noch immer Potenzial und ist attraktiv.