Traton: Volkswagen verschiebt Börsengang von Nutzfahrzeug-Tochter
· Börse Online Redaktion
Noch Anfang März hatte sich Witter optimistisch gezeigt, für die Traton-Aktien genügend Anleger zu finden. Der Börsengang sei "eine sehr erstrebenswerte Option". Mit einem Termin vor Ostern hätte die Milliarden-Emission auch zum Eisbrecher für andere Börsengänge in Deutschland werden können. Experten waren zu Jahresbeginn skeptisch, dass es im ersten Halbjahr überhaupt ein Unternehmen an die Frankfurter Börse schaffen werde. Der Brexit und der Handelsstreit zwischen den USA und China sorgen an den Aktienmärkten für Unsicherheit und lassen Anleger zögern. Starke Kursschwankungen erschweren die Preisfindung.
Volkswagen wolle die Lkw-Tochter "nicht um jeden Preis" an die Börse bringen, hatte Witter am Rande des Genfer Autosalons gesagt. Der von Traton-Chef Renschler angepeilten sechs Milliarden Euro, der einen Streubesitz von 25 Prozent bedeutet hätte, galt bei Investmentbankern schon länger als zu ehrgeizig. Sie hatten VW laut Insidern vorgeschlagen, sich bei dem Börsengang zunächst mit 15 Prozent zu begnügen und Abstriche am Unternehmenswert zu machen. "Es wäre dumm, die Emission jetzt nicht zu machen", sagte ein an der Emission beteiligter Banker, der nicht genannt werden wollte, in der vergangenen Woche. "Die Bewertungen für die Lkw-Branche werden nächstes Jahr nicht besser."
Doch der VW-Vorstand konnte sich am Mittwoch nicht dazu durchringen, grünes Licht zu geben. Die andauernde Hängepartie um den Ausstieg Großbritanniens aus der EU sei nicht der Grund für die Absage gewesen, trug aber zum verdüsterten Marktumfeld bei. Dabei hatten große Investoren die Niedersachsen sogar gedrängt, Traton an die Börse zu bringen, wie eine Umfrage des Analysehauses Evercore ISI unter 50 Großanlegern ergab. Eine Absage würde an der Glaubwürdigkeit des VW-Managements kratzen, hatten zwei Drittel der befragten Investoren gesagt.
rtr
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