Im Poker um die Commerzbank robbt sich Unicredit immer näher an das Zielobjekt heran. Wie am Donnerstag bekannt wurde, stehen die Italiener kurz vor einer wichtigen Beteiligungsschwelle.
Die italienische Großbank Unicredit hat ihren Anteil an der Commerzbank weiter aufgestockt. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Stimmrechtsmitteilung verfügen die Italiener jetzt direkt über 26,77 Prozent der Aktien und haben über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere 3,22 Prozent. Damit kommt sie auf zusammen 29,99 Prozent und liegen damit nur noch wenige Aktien unter der Schwelle von 30 Prozent. Zuletzt hatte die Beteiligung noch bei 29,34 Prozent gelegen.
Insgesamt wird in der Mitteilung nun sogar ein Anteil von 32,64 Prozent der Stimmrechte genannt. Die Differenz von 2,65 Prozent entfällt laut Finanzkreisen allerdings auf eine reine Preisabsicherung für den Erwerb weiterer Anteile.
Angebot bislang nicht offiziell eingereicht
Die Italiener waren 2024 im großen Stil bei dem Frankfurter Geldhaus eingestiegen und haben ihren Anteil seither immer weiter erhöht. Ab 30 Prozent müsste die Unicredit ein Angebot für die übrigen Commerzbank-Aktien abgeben. Am 16. März kündigten die Bank ein freiwilliges Tauschangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien an. Unicredit bot darin – unverbindlich – einen Tausch von 0,485 UniCredit-Aktien für eine Commerzbank-Aktie an. Das entsprach zum Zeitpunkt der Ankündigung umgerechnet einem Preis von 30,80 Euro je Commerzbank-Aktie. Eine Barkomponente gibt es nicht. Das Angebot soll laut einer Mitteilung vom 16. März Anfang Mai offiziell bei den Aufsichtsbehörden eingereicht werden.
Nach Lesart vieler Juristen hat sich Unicredit mit dem freiwilligen Angebot von dem gesetzlichen Pflichtangebot bei 30 Prozent befreit. Die Anteilseigner des Mailänder Instituts sollen am 4. Mai auf einer außerordentlichen Hauptversammlung einer Kapitalerhöhung zustimmen. Diese wäre notwendig, um das Angebot an die Commerzbank-Aktionäre auch umsetzen zu können. Es ist zu erwarten, dass Unicredit nach der Zustimmung mit einem konkreten Angebot herauskommt.
Commerzbank-Aktie notiert weiter über Angebotspreis
Die Aktien der Commerzbank reagierten am Donnerstag kaum auf die Neuigkeiten. Die Papiere notierten am späten Nachmittag bei 34,50 Euro und damit weiter über dem Angebotspreis der Unicredit, der derzeit – bezogen auf den Aktienkurs – bei 31,19 Euro liegen würde. Beide Aktien bewegen sich seit März nahezu parallel.
Die Börse preist also bereits einen erheblichen Aufschlag auf das Unicredit-Angebot ein. Aus Anlegersicht ist derzeit nichts zu tun.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.