"Wir werden unser Gebot nicht über 50 Milliarden britische Pfund erhöhen", teilte Unilever am Mittwochabend in London mit. GSK hatte Unilevers Offerte in Höhe von umgerechnet etwa 60 Milliarden Euro am Wochenende als zu niedrig zurückgewiesen. Die Unilever-Führung zeigte sich von den Argumenten des Pharmakonzerns jedoch nicht überzeugt, der dem Geschäftsbereich einen höheren Wert zuschreibt.

Bei Analysten war eine mögliche Transaktion ohnehin auf wenig Gegenliebe gestoßen, einige Branchenkenner zweifelten am Sinn. Nach dem Bekanntwerden eines möglichen Deals war der Kurs der Unilever-Aktien an der Börse eingebrochen, am Donnerstagmorgen setzen die Papiere ihre tags zuvor begonnene Erholung nun aber mit einem Plus von rund einem Prozent fort. GSK-Aktien verloren hingegen mehr als ein Prozent.

James Edwardes Jones von der kanadischen Bank RBC vermutete in einem ersten Kommentar, die Kombination aus den negativen Reaktionen von Investoren und dem deutlichen Kursrutsch hätten den Ambitionen von Unilever letztlich ein Ende gesetzt. Die Aktie des Konsumgüterkonzerns dürfte zwar wieder steigen, den Ruf des Unternehmens an der Börse sieht er jedoch angekratzt: "Die Anlagestory ist arg in Mitleidenschaft gezogen worden", stellte Edwardes Jones zu Unilever fest.

Der Konsumgüterhersteller Unilever steht nach Einschätzung von Beobachtern nach zuletzt vergleichsweise mauem Wachstum unter Druck. Der Produzent von Markenprodukten wie Langnese-Eiskrem, Pfanni-Knödeln und Dove-Seife will laut Ankündigung vom Montag nunmehr seine Präsenz im Gesundheitsbereich, der Schönheitspflege sowie der Hygiene ausbauen. Dafür hatte das Management ein Auge auf die GSK-Konsumgütersparte geworfen, von der sich der britische Pharmakonzern eigentlich in diesem Jahr über eine direkte Notierung an der Börse trennen will.

GlaxoSmithKline ist an der Sparte mit 68 Prozent beteiligt, die übrigen Anteile besitzt der US-amerikanische Pharmagigant Pfizer . Das Geschäft war in den vergangenen Jahren aus einer Fusion der entsprechenden Geschäftsbereiche von GSK, Novartis und Pfizer hervorgegangen. Die Sparte verkauft unter anderem Gesundheitsprodukte wie Sensodyne-Zahncreme und Dr.-Best-Zahnbürsten, aber auch verschreibungsfreie Medikamente wie Voltaren-Schmerzsalbe, Otriven-Nasentropfen sowie etwa Nahrungsergänzungsmittel der Marke Centrum.

Das aktuelle Angebot von Unilever war nicht das erste, das GSK vom Konsumgüterkonzern erhielt. Nach Darstellung des Pharmaunternehmens hat das Unilever-Management insgesamt bereits drei Offerten unterbreitet, GSK lehnte sie allesamt ab. Zum aktuellen Angebot hieß es von GSK zuletzt, damit sei die Sparte, die zu den führenden Anbietern weltweit gehöre und über ein "Weltklasse-Portfolio" verfüge, ebenso unterbewertet wie ihre Zukunftsperspektiven. 2021 hatte die Sparte umgerechnet rund 11,5 Milliarden Euro umgesetzt, die Briten trauen dem Geschäft mittelfristig noch eine Beschleunigung des organischen Wachstums zu.

Unilever wiederum teilte zur Wochenmitte mit, die eigene Sicht auf den Wert der Sparte habe sich nicht geändert. Der Konzern unterstrich, sein existierendes Portfolio durch den Fokus auf operative Verbesserungen voranbringen zu wollen sowie durch eine anstehende Neuorganisation und Wechsel im Produktportfolio.

GSK will nach eigener Darstellung mit seinen Plänen für das Börsenlisting der Sparte fortfahren. Dieses soll zur Jahresmitte über die Bühne gehen, muss zuvor aber noch von den Aktionären abgesegnet werden. Ein Unternehmenssprecher sagte dem "Wall Street Journal" hierzu, der Konzern sei weiter von den Perspektiven seiner Sparte überzeugt. GSK will sich durch die Abtrennung auf das klassische Pharmageschäft mit Medikamenten und Impfstoffen konzentrieren.

dpa-AFX