Eine neue Anleihe des Rohstoffhändlers HMS Bergbau bietet acht Prozent Zinsen. Wir klären, warum Privatanleger aber noch bis zum 22. Juni warten müssen.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 17. Juni in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 26/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Acht Prozent Zinsen, fünf Jahre Laufzeit, ein Rohstoffhändler mit Milliardenumsatz im Rücken: Die neue Anleihe der HMS Bergbau klingt nach genau dem Kupon, nach dem viele Privatanleger im aktuellen Zinsumfeld suchen. Doch wer jetzt zur Order ansetzen will, schaut zunächst in die Röhre. Denn das Unternehmen platziert sein Papier in der Emissionsphase ausschließlich bei großen, institutionellen Investoren. Für Privatanleger heißt es: warten bis voraussichtlich zum 22. Juni, dem Tag, an dem das Papier offiziell an der Börse notieren soll.

HMS Bergbau ist kein Newcomer am Kapitalmarkt. Das 1995 in Berlin gegründete Unternehmen ist ein international tätiger Rohstoffhändler mit Schwerpunkt im physischen Kohlehandel und deckt nach eigenen Angaben rund ein Prozent des weltweiten seewärtigen Kohlehandels ab — also der Teil des weltweiten Handels, bei dem die Kohle per Schiff über die Weltmeere von einem Land zum anderen transportiert wird. Beliefert werden vor allem Stahlproduzenten, Zementwerke und Kraft­werke in Südostasien, Indien und China. 

Zuletzt treibt das Management den Umbau vom reinen Händler zum breiter aufgestellten Rohstoffhaus voran: mit eigenen Minen in Botswana und Südafrika sowie einem Ausbau im Geschäft mit Schiffstreibstoffen und Schmierstoffen. Die Wachstumsambitionen sind sportlich: Für 2026 stellt HMS einen Konzernumsatz von zwei Milliarden Euro in Aussicht, nach vorläufig 1,22 Milliarden Euro im Vorjahr. Das Ebitda soll 55 Millionen Euro erreichen. Bereinigt um einen Bewertungssondereffekt von 37 Millionen Euro bliebe ein operatives Ebitda von rund 35 Millionen Euro. 

Der Zins kommt halbjährlich

Die frischen Anleihemittel sollen genau dieses Wachstum finanzieren. Vor allem die Vorfinanzierung größerer Handelsvolumina im Kohle- und Chromerzgeschäft sowie die Expansion bei Flüssigbrennstoffen. Analysten von Montega trauen dem Unternehmen durch die erfolgreiche Platzierung einen zusätzlichen Ebitda-Beitrag von bis zu acht Millionen Euro pro Jahr zu.

Die Anleihe selbst hat ein Volumen von bis zu 50 Millionen Euro. Der Zinskupon liegt fest bei 8,0 Prozent pro Jahr, ausgezahlt wird halbjährlich. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, fällig wird das Papier am 22. Juni 2031. Gestückelt ist die Anleihe in Nennbeträge von je 1.000 Euro — das klingt nach gewohnter Privatanlegerware. Spannend ist die aktuelle Orderphase insofern, als dort die endgültige Preisfestsetzung stattfindet, wobei 98 bis 100 Prozent des Nennwerts erwartet werden.

Doch wie dargelegt: Wer als Privatanleger einsteigen möchte, darf nicht zeichnen, sondern muss den Weg über die Börse nehmen. Die Einbeziehung in den Open Market (Quotation Board) der Frankfurter Wertpapierbörse ist dabei für den 22. Juni geplant. Ab dann lässt sich das Papier wie jede andere Anleihe über das eigene Depot handeln —, allerdings zum dann gültigen Börsenkurs, der je nach Nachfrage über oder unter dem Ausgabepreis liegen kann. Zur Einordnung: Die ältere, bis 2030 laufende HMS-Anleihe mit einem Kupon von 10,0 Prozent notiert derzeit klar über pari bei rund 104 Prozent. Ein Hinweis darauf, dass der Markt die Bonität des Emittenten momentan wohlwollend einschätzt — und dass auch das neue Papier zum Handelsstart mit einem Aufschlag loslegen könnte, der die effektive Rendite unter den nominalen Kupon drückt.

Fazit

Acht Prozent sind ein attraktiver Kupon, und HMS Bergbau begibt das Papier nach eigener Darstellung aus einer Position der Stärke. Privatanleger sollten allerdings zwei Dinge im Blick behalten: Erstens kommen sie erst ab dem 22. Juni über die Börse zum Zug, und zwar zum dann gültigen Kurs. Zweitens bleibt ein Rohstoffhändler mit Fokus auf Kohle ein zyklisches, margenschwaches und politisch nicht unumstrittenes Geschäft. Wer die hohe Verzinsung mitnehmen will, sollte die Anleihe als das einsetzen, was sie ist: eine renditestarke Beimischung mit überschaubarem, aber realem Risiko.

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