Daniel Oliver, Gründer von Myrmikan Capital, managt den Myrmikan Gold Fund. Mit ihm verfolgt er einen strikt makroökonomischen Ansatz, der Gold nicht als Rohstoff, sondern als monetäres Gegengewicht zu einem überschuldeten Fiat-System versteht.
Der Fonds investiert fokussiert in physisches Gold, Goldminenaktien und derivative Instrumente und konnte von der seit 2022 einsetzenden Goldrally deutlich profitieren. In Fachkreisen gilt Myrmikan als disziplinierter, fundamental argumentierender Goldexperte. Das aktuelle Myrmikan-Research mit dem vielsagenden Titel „Just the Beginning“ vertritt folgende These: Der laufende Goldbullenmarkt stehe erst am Anfang, weil die strukturellen Probleme der US-Geld- und Kreditarchitektur ungelöst seien.
Das große Problem der Fed
Bemerkenswert sei, dass sich seit Herbst 2022 der Goldpreis trotz steigender US-Leitzinsen stabilisierte und anschließend in eine parabolische Bewegung überging – ein Hinweis auf strukturelle Nachfrage jenseits klassischer Inflationsängste. Der eigentliche Kern der Prognose liegt jedoch in der Analyse der Federal Reserve. Myrmikan Research argumentiert, dass die Fed durch das seit 2008 etablierte System der Verzinsung von Bankreserven (IORB) in eine strukturelle Falle geraten ist. Zwar kann sie damit Zinsen steuern, doch entstehen operative Verluste, weil die Zinszahlungen an Banken höher sind als die Erträge aus dem Anleiheportfolio. Seit 2022 summieren sich diese Verluste auf rund 245 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig signalisierten Spannungen im Repo-Markt Ende 2025 eine Reserveknappheit, woraufhin die Fed erneut Anleihekäufe ankündigte – faktisch eine Wiederaufnahme der quantitativen Lockerung. Aus dieser Dynamik leitet Oliver ein mehrstufiges Szenario ab. Künftig werde der Markt realisieren, dass die Fed hochverschuldete Sektoren – etwa Private Equity – nur durch erneute massive Bilanzausweitung stabilisieren kann. Danach drohe eine staatliche Schuldenspirale: Steigende Zinsen erhöhen die Defizite, was wiederum höhere Anleihe-Emissionen erfordert und die Notenbank zu noch größeren Käufen zwingt.
„Wenn Gold den US-Dollar als internationales Zahlungsmittel ersetzt, was derzeit offenbar der Fall ist, dann wird das neue QE-Geld größtenteils hier in den USA bleiben“, rophezeit Oliver. Wenn dann auch noch die Inflation wieder anziehe und Anleiheinvestoren eine Renditeprämie verlangen würden, um sich gegen die Inflation abzusichern, „ wird die Fed feststellen, dass sie immer mehr Anleihen kaufen muss, um die Zinssätze zu beeinflussen. Dies wird die zweite Phase des Gold-Bullenmarktes sein, eine Entwicklung, die noch nicht begonnen hat, eine Entwicklung, die die Erkenntnis des Marktes widerspiegelt, dass die Fed machtlos ist.“
Goldpreis von über 12.000 Dollar möglich
Vor diesem Hintergrund berechnet Myrmikan implizite Goldpreise anhand der Fed-Bilanz. Historisch hielten Zentralbanken Goldreserven im Umfang von einem Drittel bis zur Hälfte ihrer Bilanz. Überträgt man diese Relationen auf die heutige Fed-Bilanz, ergäben sich Goldpreise zwischen rund 8.395 und 12.595 Dollar je Unze. Eine vollständige Deckung würde sogar Preise jenseits von 25.000 Dollar implizieren. Da die Fed-Bilanz nach Olivers Einschätzung eher wachsen als schrumpfen dürfte, würde sich dieses „Bereinigungsgleichgewicht“ sogar weiter nach oben verschieben.
Fazit: Für Myrmikan ist Gold mehr als ein Inflationshedge. Es stellt ein bilanztheoretisches Korrektiv in einem System dar, das seine Schulden nur noch durch Monetisierung stabilisieren kann. Die Prognose ist entsprechend klar: Mit zunehmender Ausweitung der Fed-Bilanz und wachsender Marktvolatilität dürfte der Goldpreis strukturell deutlich höher notieren – und zwar weit über dem heutigen Niveau.
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