Der Goldpreis hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht und regelmäßig neue Rekordstände erreicht. Dennoch stagnierte die Minenproduktion, was jetzt zu heißen Diskussionen um das Phänomen „Peak Gold“ führt.
Marktteilnehmern fällt nämlich auf, dass der Preisanstieg nicht von einer nennenswert höheren Minenproduktion begleitet wurde. Und diese Tendenz dürfte sich 2025 fortgesetzt haben: Laut World Gold Council stieg die weltweite Fördermenge in den ersten neun Monaten des Jahres lediglich um 0,6 Prozent p.a. auf 2717 Tonnen. Obwohl sich damit für das vergangene Jahr ein neuer Rekord abzeichnete, schwankt die jährliche Fördermenge seit 2022 um die Marke von 3640 Tonnen. Bemerkenswert ist zudem, dass selbst das derzeitige Angebot an Recycling-Gold klar unter dem Niveau der Jahre 2010, 2011 und 2012 liegt – ein Hinweis darauf, dass selbst ein steigender Goldpreis das globale Goldangebot kaum noch erhöhen kann. Die Minen-Kapazitäten scheinen einfach nicht da zu sein.
Stagnierende Förderung trotz hoher Preise
Diese Entwicklung nährt die These, dass wir uns bereits mitten in einer Phase des „Peak Gold“ befinden. Analog zu „Peak Oil“ beschreibt „Peak Gold“ den Punkt, an dem die globale Goldförderung ihr Maximum erreicht und anschließend nicht mehr nachhaltig gesteigert werden kann. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die leicht zugänglichen Lagerstätten sind weitgehend erschlossen, neue Funde werden seltener und sind oft kleiner, tiefer gelegen oder politisch schwieriger zugänglich. Gleichzeitig steigen die Kosten für Personal, Energie, Kapital, Umweltauflagen, Genehmigungsverfahren und Infrastruktur kontinuierlich.
Hinzu kommen operative Risiken, die das fragile Angebotsgefüge zusätzlich belasten. Ein aktuelles Beispiel liefert Newmont: Der weltgrößte Goldproduzent meldete Anfang 2026 Produktionsbeeinträchtigungen in seiner australischen Boddington-Mine infolge schwerer Buschbrände. Solche Ereignisse verdeutlichen, wie anfällig selbst große, etablierte Minen für klimatische und geopolitische Störungen sind – und wie schnell Angebotsausfälle entstehen können.
Peak Gold als langfristiger Preistreiber
Peak Gold bedeutet nicht, dass die Förderung abrupt einbricht. Vielmehr geht es um eine strukturelle Angebotsverknappung: Selbst bei hohen Preisen lässt sich das Angebot nur noch begrenzt ausweiten. Recycling gewinnt zwar an Bedeutung, kann die Schwäche der Minenproduktion jedoch nicht vollständig kompensieren. Damit verliert der Goldmarkt einen wichtigen Puffer, den er in früheren Zyklen noch hatte. Und im Gegensatz zur Geldmenge lässt sich die Goldmenge nicht auf „Knopfdruck“ erhöhen.
Kurzfristig sind beim Goldpreis zwar jederzeit charttechnisch bedingte Rückschläge möglich, ein signifikanter und nachhaltiger Preisverfall erscheint jedoch relativ unwahrscheinlich. Dafür sprechen gleich mehrere Faktoren: Die Goldnachfrage dürfte aufgrund der altbewährten Schutzfunktion der Krisenwährung langfristig nicht einbrechen, während das Angebot kaum noch zulegen kann – eine klassische Konstellation für einen fortgesetzten Aufwärtstrend.
Ein weiterer Nachfragetreiber stellt die Goldnachfrage der Notenbanken dar. Vor allem Länder, die kein sonderlich gutes Verhältnis zu den USA haben, reduzieren seit Jahren ihre Abhängigkeit vom Dollar, indem sie Gold kaufen. Nach neuesten Daten hat etwa die chinesische Zentralbank ihre Goldkäufe schon den 14. Monat in Folge fortgesetzt. Sowohl im Oktober als auch im November stockte sie ihre Bestände um jeweils 29.000 Feinunzen auf. Seit Beginn des aktuellen Kaufzyklus im November 2024 summieren sich die Zukäufe damit auf rund 1,3 Millionen Unzen beziehungsweise etwa 41 Tonnen. Dieses Verhalten unterstreicht das wachsende Bedürfnis vieler Zentralbanken nach Währungsdiversifikation und Absicherung gegen geopolitische und fiskalische Risiken.
Fazit: Sollten wir tatsächlich am oder nahe dem Peak Gold stehen, hätte dies weitreichende Konsequenzen. Ein strukturell begrenztes Angebot trifft auf eine robuste, langfristig orientierte Nachfrage. Selbst wenn es zwischendurch zu Korrekturen kommt, sind damit die Voraussetzungen für eine Fortsetzung des langfristigen Aufwärtstrends beim Goldpreis weiterhin gut.
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