Der Silberpreis hat am Donnerstag erneut einen heftigen Kurseinbruch erlebt und damit die Erholung der vergangenen zwei Tage wieder ausgelöscht: Im asiatischen Handel fiel der Spotpreis zeitweise um bis zu 17 Prozent.
Der starke Preisverfall traf Silber in einem Umfeld, in dem auch andere Edelmetalle (inklusive Gold) unter Druck gerieten. Hintergrund ist ein breiterer Ausverkauf an den Finanzmärkten (Risk-Off-Modus), vor allem bei Softwaretiteln, der dazu führt, dass Investoren ihre Bestände liquidieren. Die relativ geringe Liquidität des Silbermarkts verstärkt solche Tendenzen. Somit belastete die negative Stimmung bei Aktien, Metallen und anderen Anlageklassen ebenfalls den Silberpreis. Die anhaltende Abwärtsdynamik war ind er vergangenen Woche durch Unsicherheiten über die künftige Geldpolitik der US-Notenbank Fed ausgelöst worden.
Analysten von Standard Chartered warnen, dass Gold und Silber wahrscheinlich volatil bleiben werden, bis es mehr Klarheit über den geldpolitischen Ausblick gibt. Die Liquidität könnte Mitte Februar außerdem aufgrund der Feiertage zum Chinesischen Neujahrsfest zurückgehen, was ein erhebliches Risiko darstellt. Schließlich waren die asiatischen Marktakteure für die Achterbahnfahrt bei Silber in hohem Maße mitverantwortlich.
Silber – schnell gewonnen, schnell zerronnen
Die jüngste Schwäche im Silbermarkt steht im starken Kontrast zu den dramatischen Kursanstiegen der vergangenen Monate, die von einem Mix aus spekulativem Momentum, geopolitischen Spannungen und Investoren befeuert wurden, die auf fallende Zinsen und ein schwächeres Vertrauen in konventionelle Anlagen setzten. In dieser Phase hatten Anleger große Silber-Positionen aufgebaut, etwa durch gehebelte Finanzprodukte und Call-Optionsstrategien. Doch genau diese Positionierungen verstärken nun den Rückfall, weil kurzfristige Verkäufe in einem Markt mit vergleichsweise geringer Liquidität massive Preisschwankungen verursachen.
Ein weiterer Grund für die überdurchschnittlich starke Kursdynamik ist die Charakteristik des Silbermarkts selbst: Silber gilt als volatiler als Gold, weil es ein kleiner, wenig liquider Markt ist und zusätzlich durch industrielle Nachfrage geprägt wird. Wenn Händler und spekulative Akteure gleichzeitig Positionen auflösen, können die Preisbewegungen schnell erratisch ausfallen. Dieser Mechanismus wurde beim jüngsten Crash deutlich, bei dem Silber zeitweise stärker fiel als alle anderen Rohstoffe.
Mix an fundamentalen Belastungen
Auch fundamentale Nachrichten spielten derzeit eine wichtige Rolle: Während Gold zuletzt von geopolitischen Risiken profitierte, deuten aktuelle Signale einer Beruhigung – etwa die anhaltenden Gespräche zwischen der Ukraine und Russland in Abu Dhabi und Gesprächsbereitschaft des Iran gegenüber den USA – auf eine etwas geringere Risikoaversion im Markt hin. Gleichzeitig stieg der Dollar an, was in der Regel Druck auf dollar-nominierte Rohstoffe wie Silber ausübt. Denn dann müssen Käufer aus anderen Währungsräumen mehr für die Edelmetalle bezahlen.
Ein deutlicheres Bild der Marktunsicherheit liefert die Entwicklung des CBOE-Silber-Volatilitätsindex (VXSLV). Dieser misst die erwartete Kursschwankungsintensität von Silberpreisen (aktuell: 95,3 Prozent). Sie hat sich auf Zwölfmonatssicht um den Faktor 3,5 erhöht. Die hohe Vola signalisiert, dass Händler enorme Preisschwankungen antizipieren – ein Zustand, der eher für ein spekulatives, hochriskantes Umfeld spricht als für einen „sicheren Hafen“.
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