Der Silberpreis hat nach einer spektakulären Rallye Ende Januar einen deutlichen Rücksetzer erlebt. Das wirft unter Anlegern die Frage auf, ob die jüngste Aufwärtsbewegung ihr Ende gefunden hat - oder ob langfristig weiterhin steigende Kurse möglich sind.
Tatsächlich weist der aktuelle Markt eine Reihe von Anzeichen für eine angespannte Versorgungslage auf: Am physischen Spotmarkt wird Silber derzeit zu höheren Preisen gehandelt als kurzlaufende Silber-Futures mit Fälligkeit bis April 2026. Das deutet auf eine sogenannte Backwardation hin. Sie gilt als ein Signal für unmittelbare physische Nachfrage und relative Knappheit – ein Marktverhalten, das typischerweise in Situationen mit Versorgungsengpässen auftritt.
CME Group will Silberpreis „beruhigen“
Ein weiterer Faktor, der die jüngste Volatilität und teilweise Abwärtsbewegung erklärt, sind die stark erhöhten Margin-Anforderungen an den Terminbörsen für Silber-Futures. Diese wurden in den vergangenen Monaten mehrfach angehoben, um der extremen Preisbewegung und der damit einhergehenden Volatilität Rechnung zu tragen, und haben viele spekulative Marktakteure – insbesondere kleinere und hoch gehebelte Börsenteilnehmer – aus dem Markt gedrängt.
Kurzfristig wirkte sich dies belastend aus: Der Silberpreis hat seit seinen Rekordständen von merh als 120 Dollar deutlich korrigiert und zeigt weiterhin eine hohe Kursschwankungsintensität. Das lässt viele technische Indikatoren kurzfristig angeschlagen erscheinen und erschwert eine klare Trendrichtung. In solchen Phasen sind hohe Volas keine Seltenheit, weshalb Silber – anders als Gold – derzeit keinen sonderlich verlässlichen Status als „sicherer Hafen” besitzt. Es gilt vielmehr als hochriskantes und kurzfristig schwer einschätzbares Asset.
Fundamentale Fakten sprechen dennoch für Silber
Dennoch sprechen mehrere Faktoren auf lange Sicht weiterhin für steigende Preise. Silber ist nicht nur ein Edelmetall mit Investmentnachfrage, sondern vor allem ein wichtiges Industriemetall, das in zahlreichen technologischen Anwendungen unverzichtbar geworden ist – etwa in der Photovoltaik, Elektronik, Elektroautomobilindustrie und vielen weiteren Zukunftsbranchen. Diese vielfältige industrielle Nachfrage bleibt robust, trotz starker Preisbewegungen.
Hinzu kommt, dass der Markt derzeit weiterhin in einem Defizit operiert, also die physische Nachfrage das verfügbare Angebot übersteigt. Mehrere Analysen deuten darauf hin, dass dieses Defizit auch 2026 andauern dürfte, da Minenproduktion und Recycling nicht schnell genug zulegen, um den Bedarf zu decken. Solange dieses strukturelle Ungleichgewicht fortbesteht, wäre es plausibel, dass fundamentale Faktoren langfristig einen höheren Preis unterstützen.
Fazit: Alles in allem kann man Silber das Attribut „sicherer Hafen“ derzeit nicht attestieren. Kurzfristig sprechen hohe Volatilität, charttechnische Verunsicherung und der Abbau spekulativer Positionen eher für eine Konsolidierungsphase. Auf mittlere bis längere Sicht jedoch bleiben die fundamentalen Faktoren – industrielle Nachfrage, Angebotsdefizite und physische Marktengpässe – intakt, was theoretisch weiterhin Raum für steigende Kurse bietet.
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