Den Prognosen zufolge sollte der Dollar im Jahr 2026 eigentlich weiter fallen – doch das Gegenteil ist der Fall: Seit Ausbruch des Iran-Kriegs hat die Leitwährung schon um drei Prozent aufgewertet. Welche Konsequenzen das für deutsche Anleger hat.
Fast alle Experten haben für das Jahr 2026 fallende Dollarkurse vorhergesagt. Denn gleich mehrere Faktoren sprachen dafür: Die Erwartung sinkender Zinsen unter dem neuen Notenbankchef Ken Warsh, das sinkende Vertrauen in die Sicherheit von US-Staatsanleihen infolge der ausufernden Staatsverschuldung sowie die Tatsache, dass eine wachsende Zahl von Anlegern US-Anlagen in andere Märkte umschichtet, schienen klare Indizien dafür, dass der Dollar fallen muss.
Der Krieg am Golf ändert die Vorzeichen
Nicht eingepreist war ein Krieg am Persischen Golf, in dessen Folge der Ölpreis über 100 Dollar schießt. Denn zum einen trifft das teure Öl vor allem die Volkswirtschaften in Europa und Asien, die kaum oder gar keine eigenen Ölressourcen haben. Das würgt das Wirtschaftswachstum dort ab – und lässt die US-Wirtschaft aus Anlegersicht noch einmal deutlich attraktiver erscheinen.
Zum anderen steigen auch in den USA die Öl- und Benzinpreise, obwohl sich das Land aus eigenen Ölquellen und Fracking mittlerweile nahezu selbst versorgen kann. Dadurch entstehen auch in den USA Inflationsrisiken, auf die die Notenbank möglicherweise reagieren muss – auf jeden Fall sind kurzfristige Zinssenkungen damit erstmal vom Tisch. Das hilft dem Dollar ebenfalls.
Die Dollar-Folgen für deutsche Anleger
Die Folge: Der Dollar hat gegenüber dem Euro seit Kriegsausbruch schon um drei Prozent aufgewertet. Gegenüber seinem Jahreshoch von 1,2084 Dollar für einen Euro vom 27. Januar 2026 sind es sogar schon fünf Prozent. Am Währungsmarkt sind das in einem so kurzen Zeitraum Welten. Und das hat für Anleger in Deutschland gleich mehrere Konsequenzen:
1. Anlagen in US-Aktien und US-Börsenindizes steigen im Wert. Das lässt sich hierzulande zum Beispiel an der Microsoft-Aktie ablesen. In Euro gerechnet liegt ihr Kurs auf Monatssicht 3,4 Prozent vorne (Stichtag 13.3.2026). An ihrer Heimatbörse Nasdaq in New York hat die Aktie jedoch im gleichen Zeitraum in Dollar 0,4 Prozent verloren.
2. Auch der Wert vieler weit verbreiteter ETFs profitiert vom Dollar-Effekt: Ein ETF auf den MSCI World-Index, der mittlerweile zu mehr als 70 Prozent aus US-Werten besteht, wurde im März allein durch den Währungseffekt drei Prozent wertvoller.
3. Bei Gold oder Silber ist der Effekt umgekehrt: Weil diese Edelmetalle in Dollar gehandelt werden, sinken die Gold- und Silberpreise in der Regel, wenn der Dollar gegenüber anderen Währungen zulegt. Das erklärt zum Beispiel auch, warum die auch als Krisenwährung bekannte Feinunze Gold seit dem Ausbruch des Konflikts am Persischen Golf trotzdem nicht teurer geworden ist. Im Gegenteil: Der Goldpreis fiel sogar um drei Prozent auf 5090 Dollar.
Anleger in der Eurozone haben davon allerdings wenig mitbekommen: Aus ihrer Sicht bewegt sich der Goldpreis seit Ende Februar seitwärts und pendelt seitdem um einen Wert von 4440 Euro je Feinunze.
Wie können Privatanleger darauf reagieren?
Sollten Anleger jetzt also die jüngsten Bewegungen nutzen und noch stärker in Dollar-Anlagen umschichten? Das hängt davon ab, wie lange der Krieg um den Iran noch andauern wird. Sobald sich dort eine Lösung abzeichnet, könnten die Investoren an der Börse das Narrativ vom Jahresanfang wieder aufnehmen – und Dollar-Anlagen abstoßen. Dann würden sich die oben genannten Effekte umkehren.
Es kann jedoch sinnvoll sein, auf dem aktuellen Dollar-Niveau auf währungsgesicherte Fonds und ETFs zu setzen. Die Währungsabsicherung kostet zwar in der Regel ein paar Zehntelpunkte Rendite. Doch die können es wert sein, wenn der Markt in ein paar Monaten wirklich wieder kehrtmachen und den Währungsvorsprung des Dollar zunichtemachen sollte.
In diesem Artikel finden Sie eine Auswahl währungsgesicherter ETFs auf Dollar-Anlagen.
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Häufige Fragen und Antworten zum Thema
Warum wird der Dollar im Jahr 2026 plötzlich wieder stärker?
Der Iran-Krieg und der Anstieg der Ölpreise verschiebt die Erwartungen am Markt. Europa und Asien werden duch hohe Ölpreise stärker belastet, während die USA relativ dazu attraktiver wirken. Zudem sinkt die Chance auf schnelle US-Zinssenkungen, was den Dollar stützt.
Was bringt ein starker Dollar deutschen Anlegern ?
US-Aktien und US-lastige ETFs können in Euro gerechnet steigen, auch wenn sie in Dollar kaum zulegen oder sogar fallen. Der Wechselkurs wirkt dann wie ein zusätzlicher Renditetreiber. Besonders spürbar ist das bei Indizes/ETFs mit hohem US-Anteil (z. B. MSCI World).
Warum fallen die Preise für Gold und Silber, wenn der Dollar stark ist?
Gold und Silber werden in Dollar gehandelt und reagieren häufig negativ, wenn der Dollar aufwertet. Dadurch kann der Goldpreis in Dollar fallen, obwohl die Krise anhält. In Euro kann der Preis trotzdem seitwärts laufen oder steigen, weil der stärkere Dollar den Rückgang teilweise ausgleicht.