FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein Übernahmeangebot von Worthington Steel hat die Aktien von Klöckner & Co am Freitag nach oben schnellen lassen. Der US-Konzern bietet 11 Euro je Aktie für den Düsseldorfer Stahlhändler. Die Papiere stiegen daraufhin um 27,3 Prozent bis auf 10,96 Euro, also knapp unter diesen Angebotspreis. Der Unternehmenswert von Klöckner & Co werde bei der Transaktion mit 2,4 Milliarden Dollar oder umgerechnet knapp 2,1 Milliarden Euro beziffert.

Bereits im vergangenen Dezember wurden Übernahmeverhandlungen zwischen den beiden Unternehmen bekannt. Davon angetrieben sprangen die Aktien über ihren Abwärtstrend und legten bis zum Vortag in der Spitze bereits um fast 50 Prozent zu. Seit Jahresbeginn haben die Anteilsscheine im Kleinwerte-Index SDax nun um mehr als ein Drittel zugelegt, in den vergangenen zwölf Monaten sogar um rund 145 Prozent.

Großaktionär Friedhelm Loh, der über die Swoctem GmbH 41,5 Prozent der Klöckner-Aktien hält, unterstütze das Übernahmeangebot. Worthington Steel möchte mindestens 65 Prozent der Anteile von Klöckner & Co und rechnet mit einem Abschluss der Transaktion in der zweiten Jahreshälfte. Klöckner soll nach dem Zusammenschluss weiter eigenständig bleiben. Worthington will im Aufsichtsrat als "strategischer Partner" vertreten sein.

Analyst Christian Cohrs von Warburg Research hält die Übernahmeofferte für attraktiv. Der von Worthington Steel gebotenen Preis liege fast doppelt so hoch wie der eigenständige faire Wert des Stahlhändlers von 6,15 Euro. Die Offerte ermögliche es Investoren, in einem herausfordernden europäischen Marktumfeld den wahren Wert des Unternehmens zu realisieren und dabei die Risiken zu umgehen, die bei dem Stahlhändler vorhanden seien.

DZ-Bank-Experte Dirk Schlamp hält die Erfolgswahrscheinlichkeit der Transaktion angesichts der vergleichsweise niedrigen Mindestannahmeschwelle und der Unterstützung des Vorstandes sowie von Großaktionär Loh für hoch. Außerdem erwartet er keine wesentlichen Hürden im Rahmen der regulatorischen Freigaben. Obwohl eine Nachbesserung des Angebots wenig wahrscheinlich erscheine, sei es klar positiv.

Auch LBBW-Analyst Jens Münstermann würde nicht auf eine höhere Übernahmeofferte wetten und empfiehlt den Aktionären, den jüngsten Kurssprung zu nutzen und die Aktien zu verkaufen. Wer die Aktien erst andienen wolle, nachdem die Dividende im Mai ausgezahlt wurde, gehe das Risiko ein, dass die Übernahme möglicherweise scheitere.

Thomas Schulte-Vorwick vom Bankhaus Metzler erachtet die Übernahme wegen eines hohen Potenzials an operativen Einspareffekten auch als strategisch sinnvoll. Zudem lobt der Analyst den Verkauf der Becker Gruppe, den Klöckner separat angekündigt hatte. Die Multi-Metals-Plattform im Flachstahlsektor biete nur eine schwache Profitabilität, das verbleibende Portfolio dürfte dagegen attraktivere Wachstumschancen bieten./niw/err/stk

Quelle: dpa-Afx