FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Aktien von Gerresheimer stehen am Mittwochmorgen vorbörslich massiv unter Druck. Der Weg des Spezialverpackungspartners der Pharmaindustrie führe von "schlecht über schlimmer zu noch schlimmer", schrieb JPMorgan-Experte David Adlington in seiner ersten Reaktion.

Am Dienstagabend hatten die Düsseldorfer die ursprünglich für den 26. Februar geplante Veröffentlichung des Jahres- und des Konzernabschlusses 2025 verschoben. Nach bisherigen Erkenntnissen hätten einzelne Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und Bilanzierungsvorschriften verstoßen.

Die daraus resultierenden Korrekturen im Konzernabschluss betreffen demnach im Wesentlichen die Erfassung von Umsatzerlösen und die Bilanzierung und Bewertung von Vorräten. Der Konzern prüfe weiter Ursachen und Verantwortlichkeiten und habe bereits erste personelle und organisatorische Konsequenzen gezogen. Zudem wurde eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Klärung beauftragt.

Auch rechnet das Unternehmen 2025 mit nicht zahlungswirksamen Wertminderungen in Höhe von 220 bis 240 Millionen Euro. Ursache sind vor allem Entwicklungen bei Sensile Medical in der Schweiz und Gerresheimer Moulded Glass Chicago in den USA.

Die Gerresheimer-Aktien rutschten zur Wochenmitte auf der Handelsplattform Tradegate um fast 17 Prozent unter ihren Xetra-Schluss und lagen mit 22,62 Euro fast wieder an ihrem Vorjahrestief seit dem Jahr 2010. Adlington sieht immense Unsicherheiten und stellte die Anleger daher bereits auf zweistellige Kursverluste ein.

Damit dürfte der seit November laufende Bodenbildungsversuch der Papiere erst einmal Geschichte sein. Denn der Kurs war 2025 massiv eingebrochen: Im Februar hatten Anleger noch rund 80 Euro je Papiere gezahlt, auch wegen Übernahmefantasie, die aber rasch wieder entwich. Im Juli erklärte der Konzern die Gespräche mit Finanzinvestoren über ein mögliches Übernahmeangebot für beendet. Hinzu kam eine träge Geschäftsentwicklung, das Unternehmen musste bei den Geschäftszielen zurückrudern.

Und dann leitete auch noch die Finanzaufsicht Bafin eine Prüfung problematischer Buchungen im Konzernabschluss 2024 ein. Anleger hatten dann aber eigentlich gehofft, dass das Thema vorbei sei, nachdem Gerresheimer von einer wahrscheinlichen Fehlbuchung eines niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Betrages berichtet hatte, was im Vergleich zum Konzernumsatz kaum ins Gewicht fällt.

Deutlich besser erging es den am Mittwoch den Aktien des Konkurrenten Schott Pharma mit einem klaren Kursplus. Die Mainzer sind überraschend schwungvoll in das neue Geschäftsjahr 2025/26 gestartet./ag/mis/stk

Quelle: dpa-Afx