HANNOVER (dpa-AFX) - Die erste bundesweite Tarifrunde für die Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen Industrie ist ohne Einigung zu Ende gegangen. Die Gespräche seien nach zwei Tagen ohne Ergebnis vertagt worden, teilten beide Seiten am Mittwoch mit. Sie werden am 23. und 24. Februar in Wiesbaden fortgesetzt.
Bei den Verhandlungen geht es um die Bezahlung von rund 585.000 Beschäftigten der Branche in Deutschland in 1.700 Betrieben. Vertreter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) hatten seit Dienstag in Hannover erstmals auf Bundesebene verhandelt.
Während die Arbeitgeberseite Lohnzurückhaltung fordert, will die Gewerkschaft mit höheren Entgelten die Kaufkraft stärken und verlangt daneben tarifvertragliche Instrumente zur Beschäftigungssicherung. Im Januar hatte es bereits regionale Tarifgespräche gegeben, die aber ohne Ergebnis geblieben waren. Der aktuelle Tarifvertrag läuft Ende Februar aus.
Gewerkschaft lehnt Nullrunde ab
Ein konkretes Angebot hätten die Arbeitgeber während der zweitägigen Gespräche nicht vorgelegt, hieß es bei der Gewerkschaft. Von einem Abschluss seien beide Seiten noch weit entfernt. "Die Arbeitgeber sehen kaum Spielraum beim Entgelt", sagte IG-BCE-Verhandlungsführer Oliver Heinrich und machte klar: "Eine Nullrunde wird es mit uns nicht geben. Die Arbeitgeber müssen sich noch deutlich bewegen."
BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk verteidigte dagegen die Forderung nach einer "tarifpolitischen Atempause". Die Branche habe in den vergangenen Jahren enorm an Substanz verloren. "Es gibt auf absehbare Zeit keine Zuwächse, die wir verteilen können", so Bürk. "Machen wir Arbeit am Standort Deutschland noch teurer, verschärfen wir die Krise."
Auf deutliche Ablehnung stieß die Forderung der IG BCE nach einer tariflichen Beschäftigungssicherung. "Sichere Arbeitsplätze lassen sich nicht verordnen", sagte Bürk. "Der beste Schutz für Arbeitsplätze am Standort Deutschland ist ein Sofortprogramm für mehr Wettbewerbsfähigkeit", fügte er hinzu. "Je schneller wir wieder wettbewerbsfähig werden, desto besser sind die Perspektiven für die Beschäftigung."/fjo/DP/stk
Quelle: dpa-Afx