LINZ (dpa-AFX) - Der österreichische Technologiekonzern Kontron steht möglicherweise vor der Übernahme durch seinen größten Aktionär Ennoconn. Zugleich baut der Konzern 500 Arbeitsplätze in seiner Sparte Greentec ab, um die Kosten zu senken und seinen Gewinn nach oben zu treiben. Im ersten Quartal verzeichnete Kontron eine gedämpfte Umsatzentwicklung, und die Kosten des Stellenabbaus ließen den Gewinn sinken. Für die Aktie der Gesellschaft ging es angesichts des erwarteten Übernahmeangebots am Donnerstag allerdings aufwärts.

Das Papier gewann am Morgen, drehte dann aber ins Minus und fiel um rund eineinhalb Pozent auf 22,60 Euro. Zugleich lag der Kurs damit unter dem Preis von 23,50 Euro, den Ennoconn für den Fall eines Übernahmeangebots angekündigt hat.

Branchenexperte Martin Comtesse vom Analysehaus Jefferies zeigte sich enttäuscht von Kontrons Umsatzentwicklung im ersten Quartal und sprach von einem "gedämpften Jahresauftakt". Dies werde aber überdeckt von dem möglichen Übernahmeangebot.

Zuletzt hatte sich Kontron fast komplett von seiner Modul-Tochter Jumptec getrennt und sein IT-Service-Geschäft in Ungarn und Bulgarien verkauft. Die jetzt verkündete Streichung der 500 Jobs im Greentec-Segment soll bis August abgeschlossen sein, wie Kontron am Donnerstag in Linz mitteilte. Durch den Stellenabbau sollen die jährlichen Kosten um 30 Millionen Euro sinken. Im ersten Schritt dürfte der Abbau allerdings mit 25 Millionen Euro negativ zu Buche schlagen, hieß es weiter.

Im ersten Quartal steigerte Kontron den Umsatz um 1,7 Prozent auf knapp 364 Millionen Euro, wenn man die verkauften Geschäftsteile beim Vorjahreswert herausrechnet. Tatsächlich ging der Erlös im Jahresvergleich um 5,6 Prozent zurück.

Der bereinigte operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) stieg ohne Sonderbelastungen für den Abbau von 339 Mitarbeitern von gut 45 Millionen auf gut 46 Millionen Euro. Der Überschuss ging wegen der Sonderkosten hingegen von gut 20 Millionen auf 14 Millionen Euro zurück.

Für das laufende Jahr erwartet die Kontron-Spitze einen Umsatz leicht über dem Vorjahresniveau. Der bereinigte operative Gewinn soll ohne die Kosten für den Personalabbau wie geplant 225 Millionen Euro erreichen.

Erst am Mittwochabend hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass es möglicherweise vor der Übernahme durch seinen größten Aktionär Ennoconn steht. Dieser habe Kontron darüber informiert, dass sein Verwaltungsrat das Überschreiten der Beteiligungsschwelle von 30 Prozent genehmigt habe. Damit müsste Ennoconn ein Übernahmeangebot für alle Kontron-Aktien vorlegen.

Den Angaben zufolge hat das Gremium die Ermächtigung auch wegen des laufenden Aktienrückkaufprogramms von Kontron erteilt. Weil der Technologiekonzern eigene Aktien vom Markt zurückkauft, nähere sich Ennoconn der Schwelle von 30 Prozent.

Sollte die Pflicht zur Vorlage eines Übernahmeangebots ausgelöst werden, erwägt Ennoconn den übrigen Anteilseignern 23,50 Euro je Aktie anzubieten./stw/men/mis

Quelle: dpa-Afx