LONDON (dpa-AFX) - Der mögliche Verkauf seines Lebensmittelgeschäfts könnte dem Konsumgüterkonzern Unilever Milliarden in die Kasse spülen. Man befinde sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit McCormick & Co , teilte Unilever am Dienstag in London mit. Bei einem Zusammenschluss sei derzeit eine Barzahlung von 15,7 Milliarden US-Dollar (13,7 Mrd Euro) vorgesehen. Der Großteil des Verkaufs soll aber in Form von McCormick-Aktien bezahlt werden. Ein Abschluss ist noch ungewiss, eine Entscheidung könnte aber noch am Dienstag fallen. Sollte der Deal zustande kommen will Unilever 65 Prozent an dem fusionierten Unternehmen halten.

Die Unilever-Aktie notierte kurz nach Handelsbeginn an der Londoner Börse ein halbes Prozent höher und auch McCormick-Papiere legten im nachbörslichen US-Handel 1,7 Prozent zu. Anleger dürften gespannt auf mögliche Äußerungen des Managements warten, wenn der US-Konzern im Laufe des Tages seine Zahlen für das erste Quartal vorlegt.

Unilever hatte vor knapp zwei Wochen Verhandlungen mit dem US-Gewürzhersteller bestätigt. Der britisch-niederländische Konzern hat unter anderem Lebensmittelmarken wie Knorr, Pfanni und Mondamin im Programm. Das Lebensmittelgeschäft etwa in Indien steht Unilever zufolge aber nicht zum Verkauf.

McCormick & Co ist einer der weltgrößten Gewürzhersteller und bietet in Amerika unter anderem die Würzsauce Cholula an. In Europa ist der Hersteller mit Gewürzen etwa in Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden vertreten. Allerdings ist der Konzern deutlich kleiner, als sein aktueller Verhandlungspartner: So erwirtschaftet der gesamte McCormick-Konzern gerade einmal halb so viel Umsatz, wie Unilevers Lebensmittelgeschäft allein.

Dennoch wäre ein Deal für beide Unternehmen der größte ihrer Firmengeschichte. In der Folge würde McCormick zu einem globalen Giganten für Gewürze, Würzmittel und Würzsaucen werden. Unilever wiederum würde sich als globaler Marktführer in den Bereichen Schönheitspflege, Körperpflege und Haushaltspflege neu positionieren. Konzernchef Fernando Fernandez hatte zuletzt deutlich gemacht, dass er diese Bereiche als Schlüssel für zukünftiges Wachstum sieht und nicht die Lebensmittel.

In den vergangenen Jahren hatte Unilever ebenso wie andere Konsumgüterkonzerne Schwierigkeiten, da Verbraucher weniger Geld ausgeben. Zudem greifen sie eher zu frischen Lebensmitteln, als zu Fertigprodukten, was Beobachter nicht zuletzt auf den Hype rund um Abnehmspritzen zurückführen./lew/err/jha/

Quelle: dpa-Afx