MAINTAL (dpa-AFX) - Beim Zulieferer Norma Group ist im vergangenen Jahr das Ergebnis im Tagesgeschäft überraschend um vier Fünftel eingebrochen. Das Unternehmen bekam die Schwäche wichtiger Kundenindustrien wie Lkw-Produktion und Bauwirtschaft zu spüren. Zudem belasteten hohe Personalkosten und Sonderausgaben für Logistik. Nach dem inzwischen abgeschlossenen Verkauf des Wassermanagement-Geschäfts setzt die neue Chefin Birgit Seeger auf den Umbau. Die Hessen stellen sich mit dem Fokus auf ihr Kerngeschäft Verbindungstechnik neu auf. Eine Prognose für 2026 bleibt das Management aber noch schuldig.

Anleger reagierten auf die fehlenden Jahresziele verschnupft. Laut einem Händler war zudem das operative Ergebnis im vergangenen Jahr noch stärker eingebrochen als von Analysten gedacht, wenngleich der Umsatz besser ausgefallen sei als erwartet.

Das im Kleinwerteindex SDax notierte Papier verlor kurz nach Handelsbeginn fast vier Prozent, dämmte den Abschlag aber auf zuletzt rund zwei Prozent ein. Seit einem Zwischentief im November hatte sich der Kurs in der Spitze bis vergangene Woche um rund ein Drittel erholt, da Anleger mit dem Umbau wohl auf Besserung hoffen. Denn in den vergangenen fünf Jahren hat das Papier fast zwei Drittel eingebüßt.

2025 war Normas Umsatz nach vorläufigen Berechnungen um knapp sieben Prozent auf 821,7 Millionen Euro eingebrochen, wie das Unternehmen am Dienstag in Maintal mitteilte. Dabei belasteten auch negative Währungseffekte. Weil das Unternehmen die gestiegenen Kosten nur bedingt durch Einsparungen ausgleichen konnte, brach das um Sonderposten bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) um 81 Prozent auf 6,3 Millionen Euro ein. Im Schlussquartal fielen der Umsatzrückgang und der Einbruch beim operativen Ergebnis sogar noch etwas stärker aus.

Damit schloss Norma aber im Rahmen seiner eigenen Jahresprognose ab, die das Unternehmen im vergangenen September wegen der Veräußerung der Sparte für Wassermanagement angepasst hatte. Der Verkauf an das US-Unternehmen Advanced Drainage Systems (ADS) ist inzwischen abgeschlossen, weshalb der Bereich in den ausgewiesenen Zahlen nicht mehr enthalten ist. Auch die Vorjahreswerte wurden angepasst.

Norma-Chefin Seeger sprach von einem anhaltend schwierigen Marktumfeld, verwies aber auch auf erste Erfolge durch eingeleitete Effizienzmaßnahmen. "Mit dem erfolgreichen Verkauf unseres Wassergeschäfts haben wir die Grundlage für NewNorma gelegt", ergänzte sie.

Norma will sich stärker auf das Kerngeschäft mit Verbindungslösungen und industriellen Anwendungen fokussieren und sich mehr auf wachstumsstarke Kundensegmente ausrichten. Um Kosten einzusparen, stehen die Standortkapazitäten des Unternehmens weltweit auf dem Prüfstand.

In China wurden bereits zwei Werke geschlossen. Bis 2028 sollen nach aktueller Planung 400 Stellen weltweit gestrichen werden. Die ersten 100 sind nach Angaben einer Sprecherin bereits im vergangenen Jahr weggefallen. Stand Ende Dezember habe Norma damit ohne das Wassergeschäft noch rund 6.100 Menschen beschäftigt. In Deutschland wurde zuletzt für den Abbau von Verwaltungsstellen ein Freiwilligenprogramm gestartet.

Eine Prognose für das Jahr 2026 will das Management mit den finalen Zahlen am 31. März bekannt geben. Dann auch wird Norma sein Konzernergebnis für das vergangene Jahr präsentieren; Analysten rechnen derzeit unter dem Strich mit einem Verlust in dreistelliger Millionenhöhe. Unter anderem schlagen Kosten für den Umbau teuer zu Buche; auch hat der Konzern bereits Wertberichtigungen auf Beteiligungen an bestimmten Konzerngesellschaften in der europäischen Region EMEA angekündigt, besonders in Deutschland.

Dagegen hatte der Verkauf des Wassergeschäfts Norma Angaben von Anfang Februar zufolge einen Nettomittelzufluss von rund 650 Millionen Euro gebracht. Das Unternehmen will diese Mittel unter anderem zur Entschuldung und Stärkung seines Kerngeschäfts nutzen. Zudem hat Norma bereits Pläne für einen Aktienrückkauf von bis zu 260 Millionen Euro angekündigt./tav/stw/jha/

Quelle: dpa-Afx