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LEVERKUSEN (dpa-AFX) - Bayer
Bayer versucht, mit dem Mitte Februar angekündigten, milliardenschweren Sammelvergleich das Thema Glyphosat-Klagen weitgehend vom Tisch zu bekommen. Ferner verglich sich Bayer Anfang 2026 auch zu acht verbliebenen PCB-Urteilen am Sky Valley Education Center im US-Bundesstaat Washington. Dabei geht es um Belastungen in der Schule Sky Valley Education Center durch die seit Jahrzehnten verbotene Umweltchemikalie PCB, und damit verbundene Vorwürfe von Klägern, die Gesundheitsschäden darauf zurückführen. Zudem legte Bayer jüngst auch Klagen wegen angeblicher Umweltverschmutzungen durch PCB mit den US-Bundesstaaten Illinois und West Virginia bei.
Im Zuge des Lösungsversuchs stiegen die Rückstellungen und Verbindlichkeiten für Rechtsstreitigkeiten per Ende vergangenen Jahres auf 11,8 Milliarden Euro, der Großteil davon für Glyphosat. Solche Rückstellungen werden für erwartete Zahlungen gebildet.
Da für den Vergleich, sollte er angenommen werden, schon 2026 hohe Kosten anfallen dürften, wird Bayer dieses Jahr wohl Geld verbrennen. So wird sich der freie Finanzmittelfluss (Free Cashflow) auf minus 2,5 bis minus 1,5 Milliarden Euro belaufen, wie das Unternehmen mitteilte. Darin sind Auszahlungen für Rechtsstreitigkeiten von rund 5 Milliarden Euro berücksichtigt. Die Nettofinanzverschuldung dürfte daher bis zum Jahresende auf 32 bis 33 Milliarden Euro steigen, nachdem sie sich 2025 auf gut 29,8 Milliarden verbessert hatte.
Es bleibe allerdings erst einmal die Unsicherheit, ob der Glyphosat-Sammelvergleich auch gelingt. Ein US-Gericht genehmigte ihn am Mittwoch zwar vorläufig, nun müssen aber noch genügend Kläger zustimmen; im Grunde fast alle, wie Bayer-Chef Bill Anderson im Februar betont hatte.
Allerdings könnten Kläger womöglich auch erst einmal eine Entscheidung des US-Supreme-Courts abwarten, die im Juni gefällt werden könnte. Denn neben dem Sammelvergleich will Bayer das Thema Glyphosat-Klagen auch durch eine erhoffte positive Grundsatzentscheidung des obersten US-Gerichts abhaken.
Die dortigen Richter müssen exemplarisch anhand des Falls "Durnell" entscheiden, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen beim Verkauf der Unkrautvernichter - wie Bayer argumentiert - über dem Recht von Bundesstaaten steht. Damit wären keine Warnhinweise notwendig, weil die US-Umweltbehörde EPA in dem Mittel keine Gesundheitsrisiken sieht, wenn es entsprechend der Vorschriften angewendet wird.
Mit Blick auf das Tagesgeschäft kalkuliert Bayer basierend auf den Wechselkursen Ende 2025 für das neue Jahr mit einem Umsatz von 44 bis 46 Milliarden Euro sowie mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereffekten von 9,1 bis 9,6 Milliarden Euro. Damit wäre beim Umsatz bestenfalls ein kleines Plus drin. Das operative Ergebnis würde in jedem Fall leicht sinken, während Analysten bisher im Durchschnitt mit einem kleinen Plus rechnen.
Da Erlöse und Gewinn von Bayer oftmals stark von Währungsentwicklungen beeinflusst werden, gab der Konzern wie üblich um Wechselkurseffekte bereinigte Prognosen ab: Auf Basis der monatlichen Durchschnittskurse des Jahres 2025 - sieht Bayer den Umsatz 2026 bei 45 bis 47 Milliarden Euro sowie das operative Ergebnis bei 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro.
Analyst Richard Vosser von der Bank JPMorgan rechnet nun mit etwas sinkenden Markterwartungen für 2026, was aber vor allem an den Wechselkursbelastungen liege. Die Resultate 2025 seien derweil solide.
2025 sank der Konzernumsatz um 2,2 Prozent auf 45,58 Milliarden Euro. Dabei belasteten aber erneut Wechselkurseffekte. Diese sowie Portfolioveränderungen herausgerechnet ergibt sich ein Plus von 1,1 Prozent. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 4,5 Prozent auf 9,67 Milliarden Euro. Beide Werte liegen etwas über den mittleren Analystenschätzungen.
Allerdings rissen die Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten in den USA die Leverkusener im vergangenen Jahr noch tiefer in die Verlustzone. Unter dem Strich wuchs der Nettoverlust um gut eine Milliarde auf knapp 3,6 Milliarden Euro. Damit haben die Glyphosat- und PCB-Klagen in den USA einmal mehr schwer belastet.
Der Aktienkurs von Bayer fiel am Mittwoch zwischenzeitlich deutlich um bis zu 7,6 Prozent auf 35,38 Euro. Vor dem Handelsschluss reduzierte das Papier die Verluste dann spürbar und schloss mit 2,4 Prozent im Minus bei 37,40 Euro. Seit dem Zwischenhoch von fast 50 Euro Mitte Februar ist der Kurs damit schon wieder ein gutes Stück zurückgekommen, nachdem die anfängliche Euphorie über den Glyphosat-Sammelvergleich gewichen war.
Gleichwohl: Seit Beginn einer rasanten Erholung im November summieren sich die Kursgewinne auf rund ein Drittel. Damals hatten positive Studendaten zum Gerinnungshemmer Asundexian die Hoffnungen auf eine Belebung des Pharmageschäfts verstärkt. Anschließend wurde die Rally dann angetrieben von der Entscheidung des US Supreme Courts, den Fall "Durnell" zur Verhandlung anzunehmen./mis/men/stk/jha/men
Quelle: dpa-Afx