An der Börse verflog an Dienstag die Euphorie: die Aktien der beiden größten heimischen Privatbanken, die noch am Montag kräftig zulegen konnten, gingen wieder in die Knie.

"Wir lehnen die Fusion ab", sagte Verdi-Mann Jan Duscheck, der für die Gewerkschaft im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt. Ein Zusammenschluss der beiden Banken mache aus einer ganzen Reihe von Gründen keinen Sinn. Besonders problematisch sei, dass dadurch "mindestens 10.000 weitere Arbeitsplätze akut gefährdet wären - zuzüglich der darüber hinaus perspektivisch wegfallenden Arbeitsplätze, weil die Fusion die an das neue Institut gestellten Wachstumserwartungen aus heutiger Sicht nicht erfüllen wird".

Auch die kleinere Bankengewerkschaft DBV ging auf die Barrikaden. "Sollte die Fusion kommen mit dem erwartbaren großen Stellenabbau, würden wir sicher mit unseren Mitteln dagegen vorgehen", sagte ein DBV-Sprecher. "Die Erfahrung mit früheren Bankenfusionen wie der von Commerzbank und Dresdner Bank hat gezeigt, dass sie keineswegs automatisch in eine goldene Zukunft führen." Am Wochenende war bekannt geworden, dass Deutsche Bank und Commerzbank informelle Gespräche über eine mögliche Fusion begonnen haben - mit dem Segen der Bundesregierung, die sich mindestens eine starke deutsche Bank an der Seite deutscher Unternehmen in aller Welt wünscht.

"AUF KOSTEN DES STEUERZAHLERS"



Finanzminister Scholz (SPD) und sein Staatssekretär Jörg Kukies, der frühere Deutschland-Chef von Goldman Sachs, bläst deshalb inzwischen ein harter Wind ins Gesicht. Otto Fricke, der haushaltspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, warf Scholz vor, er würde den Druck auf die beiden Institute unnötig erhöhen. "Ich befürchte, dass der Minister eine Fusion letztlich auf Kosten des deutschen Steuerzahlers erreichen will, statt die Entscheidung - wie es sich in einer sozialen Marktwirtschaft gehört - den Unternehmen zu überlassen."

Kritik kam auch von den Volks- und Raiffeisenbanken, die mit den großen Spielern um Marktanteile auf dem heiß umkämpften und stark zersplitterten deutschen Bankenmarkt konkurrieren. "Es ist nicht Aufgabe des Staates, nationale oder europäische Champions zu schaffen", sagte die Chefin des Branchenverbands BVR, Marija Kolak. "Champions entstehen im Wettbewerb als Folge guter unternehmerischer Entscheidungen." Der Bund hält auch zehn Jahre nach der Rettung in der Finanzkrise noch gut 15 Prozent an der Commerzbank. "Mit solchen Beteiligungen verzerrt man den Wettbewerb."

Verdi warnte davor, dass bei einem Zusammenschluss keine wirklich große Bank entstehe. Stattdesen würde das neue Institut "deutlich attraktiver für eine 'feindliche' Übernahme, zum Beispiel aus Frankreich", sagte Duscheck. Die beiden Frankfurter Institute erfüllten bereits heute alle Anforderungen der Wirtschaft, auch im globalen Kontext. Zudem würden sich viele Bereiche überschneiden, etwa im Privat- und Firmenkundengeschäft. Das Hauptproblem der Deutschen Bank, das schwächelnde Investmentbanking, werde mit einer Fusion nicht gelöst, weil die Commerzbank dort nicht aktiv sei.

VIELE STREITPUNKTE



Am Donnerstag in einer Woche (21. März) kommen die Aufsichtsräte der beiden Banken zu lange geplanten getrennten Sitzungen zusammen. Zwar steht das Fusions-Thema bislang offiziell nicht auf den Tagesordnungen, dennoch dürften die Bankchefs ihre Kontrolleure wenigstens inoffiziell über den Stand der Sondierungen im kleinen Kreis informieren.

Durch die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank entstünde ein Institut mit rund 38 Millionen Kunden, einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro und mehr als 130.000 Mitarbeitern in aller Welt. Im Vergleich zu ausländischen Großbanken wäre das neue Geldhaus allerdings immer noch ein Leichtgewicht - gemessen an seinem kombinierten Börsenwert von aktuell rund 25,5 Milliarden Euro. Großaktionäre der Deutschen Bank hatten deshalb am Montag kritische Töne angeschlagen. Eine Fusion sei "im Grundsatz keine gute Idee."

rtr